Musik

Pianist Ralf Schmid streamt am Freitag ein Konzert aus dem Humboldtsaal

Bernhard Amelung

Ralf Schmid vereint klassische und elektronische Musik. Sonst auf weltweit auf Konzertbühnen zu erleben, teilt der Freiburger Pianist wegen der Corona-Krise seine Musik via Livestream. So auch an diesem Freitag aus dem Humboldtsaal.

"Spiele nicht, was da ist. Spiele, was nicht da ist." Diese Anweisung soll der Komponist und Trompeter Miles Davis (1926 – 1991) seinen Musikern, die mit ihm gemeinsam auf der Bühne standen, gegeben haben. Auch selbst hielt er sich an diese Vorgabe. Davis, unter anderem berühmt geworden für das Album "Bitches Brew", das vor 50 Jahren erschienen ist und klassischen Jazz mit Rock und Funk zusammen brachte, wollte immer Neues, Frisches, Einmaliges und unwiederholbare Ereignisse schaffen.


Diesen Ansatz verfolgt auch der in Freiburg lebende Komponist und Pianist Ralf Schmid. Sein Ziel: Solange der Lockdown wegen des Coronavirus künstlerische Darbietungen mit Publikum untersagt, will er jede Woche ein neues Stück komponieren und in einem konzertanten Rahmen über Plattformen wie Facebook und Instagram streamen. So auch an diesem Freitag um 20.20 Uhr aus dem Humboldtsaal in Freiburg. Im Humboldtsaal fand auch im Juni 2018 der Auftakt zu seiner Konzertreihe Pyanook Lab statt, bei der er seine Klangwelten mit Lichtkunst verwebte. fudder zeigt das Konzert auch über seine Facebookseite.



Mit Pyanook verwischt er musikalische Grenzen

Einem weltweiten Publikum bekannt geworden ist der 51-jährige Schmid zunächst mit zahlreichen Kooperationen; mit Jazztrompeter Joo Kraus, der brasilianischen Sängerin Paula Morelenbaum der dem brasilianischen Komponisten und Pianisten Ivan Lins. Sein Soloprojekt Pyanook, mit dem er die Grenzen klassischer und elektronischer Musik verwischt, führte ihn auf Festivals nach Rio de Janeiro und auf das Plattenlabel Neue Meister. Dort erschien im Herbst 2019 sein Soloalbum.



Mit Kraus und Morelenbaum tourte Schmid im März dieses Jahres noch durch Portugal. "Wir haben die Entwicklungen zur Corona-Pandemie beobachtet und entschieden, die Konzertreihe abzubrechen, obschon es zu diesem Zeitpunkt noch kaum bestätigte Fälle gab", sagt er. Wenige Tage nach ihrer Rückkehr verhängte die portugiesische Regierung unter Ministerpräsident Antonio Costa den Notstand.

Arbeiten an neuen Stücken stellt er täglich online vor

Schmid ist es gewohnt, alleine in seinem Studio zu arbeiten. Über das Internet tauscht er sich mit vielen Musikern aus, darunter auch Joo Kraus. "Wir arbeiten gemeinsam an Skizzen. Wir schicken unsere Entwürfe und Ideen hin und her", sagt er. Die Entwicklungen an diesen "Collab-Tracks", wie er die Stücke nennt, und anderen Arbeiten stellt er täglich live vor – auf Facebook und Instagram.

Ganz in der Tradition von Jazzmusikern der Zwanziger und Dreißiger, die in ihren Stammclubs an jedem Abend der Woche spielten und ihr Publikum immer mit frischen, neuen Klängen begeisterten. Das gebe seinem Arbeitstag eine Struktur, so Schmid, der zudem den unmittelbaren Austausch, mit seinem Publikum schätzt. "Ich reagiere auf den Input, den ich über Kommentare und Nachrichten bekomme", kommentiert er die digitale Interaktion. Sein musikalisches Ausgangsmaterial sei formbar, erweiterbar.
Was: Ralf Schmid präsentiert Pyanook
Wann: Freitag, 24. April 2020. 20.20 Uhr
Wo: Live aus dem Humboldtsaal in Freiburg über die fudder-Facebookseite

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