Philadelphia gewinnt Rampe '09

Gina Kutkat & Janos Ruf

Gestern Abend bewies die Straßenband Philadelphia im Jazzhaus, dass sie auch auf einer Bühne spielen kann. Im Band-Wettbewerb Rampe hatten die Freiburger Oberbayern eine klare Außenseiterrolle - nur weil eine andere Band krankheitshalber abgesagt hatte, waren sie noch ins Finale gerutscht - und gewann dann souverän vor The Enshins. Auf dem dritten Platz landete die junge Sängerin Linda Tang aus Lahr, die Plätze dahinter belegten Shift.Ctl und Newselves.

Am Ende lag es in den Händen des Publikums. Nachdem sich die vierköpfige Jury beraten hatte, stand es zwei zu zwei: The Enshins und Philadelphia waren stimmenmäßig gleichauf. Der sympathische Auftritt der drei Geschwister von Philadelphia, die als letzte der fünf Bands an den Start gingen, hatte ihnen aber beim Publikum die meisten Stimmen eingebracht – und damit auch den Gesamtsieg. „Wer weiß, was passiert wäre, wenn wir nicht nachgerückt wären?“. Max, der Älteste der drei Trommsdorffs, freut sich ein paar Sekunden nach der Siegerehrung über das kleine Wunder, das ihm und seinen Geschwistern an diesem Abend widerfahren ist.

„Wenn wir nicht im Minutentakt eine Straßenbahn vorüberfahren hören, fühlen wir uns unsicher“, sagt der Philadelphia-Gitarrist Ludwig Trommsdorff. Zusammen mit seinem Bruder Max und seiner Schwester Lena, dem Rest von Philadelphia, lebte er seine Liebe zur Musik bisher vorrangig in der Freiburger Fußgängerzone aus. Dort versammeln die drei Trommsdorffs mit ihrer Musik regelmäßig begeisterte Zuhörer um sich.

Die drei Musiker aus dem oberbayrischen Mittenwald leben seit Herbst 2007 in Freiburg. Max, Lena und Ludwig Trommsdorff zelebrieren auf der Jazzhausbühne mit viel Natürlichkeit und Lockerheit ihre Liebe zur Musik. Max, der enthusiastische Motor der Band, wechselt zwischen Kontra- und elektrischem Bass, seine  flippige Schwester Lena gibt den Rhythmus am Schlagzeug vor und Ludwig, genannt „Lugi“, spielt Akustikgitarre.

Philadelphia beweisen eindrucksvoll, dass sie eine talentierte Hybridband sind, die sowohl auf der Straße als auch auf Konzertbühnen spielen kann. Schon nach dem ersten Lied „No Bad People“ war klar, dass es ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit den Jungs von The Enshins geben würde. Die hatten sich zuvor als gut unterhaltende, aber nicht immer sauber singende Rock-Band nach britischem Muster gezeigt. Philadelphia setzten mit ihrem gut abgestimmten Harmoniegesang, jazzigen Popmelodien und dem ungehemmt freundlichen Kontakt zum Publikum Maßstäbe, denen die Leistungen der vorangegangenen vier Bands nicht gerecht wurden.

Die Sängerin Linda Tang aus Lahr eröffnete den Abend mit harmlosen Popsongs, in denen sich vor allem die drei begleitenden Berufsmusiker verausgabten. Tangs Stimme klang zwar ausgesprochen reif, doch hatte es den Anschein, als würde sie nur als Aushängeschild genutzt. The Enshins machten ihrem Ruf als Beatles- und Libertinesfans alle Ehre, allerdings hatten sie ihren Harmoniegesang nicht ganz so gründlich geübt wie die Großen.

Die Fusionband Shift.Ctl machte mit saxophonlastiger Chill-Out-Musik Lust auf den sonntäglichen Brunch, konnte aber ansonsten nicht punkten. Enttäuschend waren auch die Indie-Rocker von Newselves. Anstatt verschiedene Facetten des Rock ’n’ Rolls zu zeigen, spielten sie eintönige und belanglose Songs, aus denen nur ihre Verspieler herausragten. Die Geschwisterliebe siegte, denn genau das bedeutet der Name Philadelphia auf Altgriechisch.

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