Verordnungsänderung

PH-Studierende protestieren gegen erzwungene Fächerabwahl

Felicia Herr

PH-Studierende haben einen Brief an Kultusministerin Susanne Eisenmann geschickt. Darin protestieren sie gegen die erzwungene Abwahl ihres Drittfachs im Referendariat.

Franziska Schreiber studiert an der PH Freiburg die Fächer Deutsch, Technik sowie Alltagskultur und Gesundheit. Sie wird zum Beginn ihres Referendariats eines davon abwählen müssen. Dies sieht eine Verordnungsänderung vor, über die sie das Kultusministerium im September per Mail informiert hat.


Gegen diese Regelung wehrt sich Franziska und hat zusammen mit anderen betroffenen Studierenden der Pädagogischen Hochschule (PH) einen Protestbrief an Eisenmann verfasst. "Diesmal haben wir unseren Protest konkretisiert", erklärt Franziska. "Im Brief fordern wir erstens, dass wir weiterhin im Referendariat in allen unseren Studienfächern ausgebildet werden sollen." Der zweite Punkt sei aber noch wichtiger, denn er betreffe nicht nur sie als Studierende, sondern auch die Schulen, Lehrerinnen und Lehrer, Schülerinnen und Schüler: "Die Kommunikation seitens des Kultusministeriums muss verbessert werden."

Insbesondere fordern die Studierenden, dass Entscheidungen, die sie betreffen, frühzeitig und transparent mitgeteilt werden. Schon Ende September haben sich PH-Studierende aus ganz Baden-Württemberg mit einer Foto-Petition an das Kultusministerium gewandt.

Unterstützung der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft

Hintergrund ist, dass die PH-Studierenden mit der nun auslaufenden Prüfungsordnung 2011 am 8. September per E-Mail darüber informiert wurden, dass sie am 30. September ein Fach abwählen müssen. "Das Kultusministerium sagt, das sei schon seit 2015 klar gewesen. Aber uns war das gar nicht klar. Wir konnten sogar bis 2016 ein drittes Nebenfach wählen, ohne dass wir darüber informiert wurden, dass wir nur mit zwei Fächern ins Referendariat gehen können", sagt Franziska. In drei Fächern ausgebildet zu werden findet Franziska auch vor dem Hintergrund wichtig, den aktuellen Lehrkräftemangel auszugleichen.

Den öffentlichen Brief hat Franziska zusammen mit einer "Orga-Abwahlgruppe" formuliert. Darin sind PH-Studierende aus ganz Baden-Württemberg vernetzt. Auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft GEW Baden-Württemberg sowie die Landesstudierendenvertretung unterstützen den Protest.

Wie geht es nun weiter?

Eine Antwort auf ihren Protestbrief haben die Studierenden noch nicht erhalten. Auf frühere Schreiben hatte Eisenmann aber reagiert – wenn auch mit Begründungen zur Entscheidung, die Franziska nicht nachvollziehen kann. Die PH-Studierenden wollen nun zunächst abwarten, welche Reaktion sie auf ihren jüngsten Brief bekommen und werden dann überlegen, wie es weitergeht.

"Für unser Studium bleibt uns zunächst wirklich nichts anderes übrig, als unser drittes Fach nach dem ersten Examen abzuwählen. Aber da wir das nicht wollen, protestieren wir natürlich weiter. Still sein ist für mich keine Option."
Hintergrund

Die Abwahl des dritten Fachs nach dem ersten Staatsexamen ist eine Verordnungsänderung, die im Zuge der Umstellung auf das neue Bachelor-Master-System von 2015 kam. Sie betrifft alle PH-Studierenden in Baden-Württemberg, die nach der inzwischen auslaufenden Prüfungsordnung 2011 mit Staatsexamen als Abschluss studieren und ab Februar 2021 ins Referendariat starten wollen. Das Kultusministerium hat diese Verordnungsänderung vor allem beschlossen, weil im Februar 2021 schon die ersten Absolventen und Absolventinnen aus dem Bachelor-Master-Studiengang ihr Referendariat beginnen und ebenfalls nur in zwei Schulfächern ausgebildet werden. Diese Referendarinnen und Referendare hatten von Beginn an zwei anstatt drei Fächer studiert und werden daher keines abwählen müssen.