Baumbesetzung

Pferde der Reiterstaffel trinken aus Gedenkbrunnen – Freiburger Polizei entschuldigt sich

Simone Lutz

Eine Baumbesetzung auf dem Freiburger Platz der Alten Synagoge endet Sonntagnacht. Tags drauf entschuldigt sich die Polizei: Pferde der Reiterstaffel hatten aus dem Gedenkbrunnen getrunken.

Die Baumbesetzung auf dem Platz der Alten Synagoge hat ein kurioses Nachspiel: Auf Facebook entschuldigte sich die Freiburger Polizei, weil Beamte Flatterband zum Absperren auch an den Infotafeln der Gedenkstätte festmachten und Pferde der Polizeireiterstaffel Mannheim aus dem Gedenkbrunnen tranken. "Das hätte nicht passieren dürfen", schreibt der Freiburger Polizeivizepräsident Matthias Zeiser.


Am frühen Samstagmorgen hatten Klima-Aktivisten hölzerne Plattformen in der Krone eines Baumes vor dem KG I errichtet und den Baum bis Sonntagnacht besetzt – eine Aktion gegen den Bau der A49 in Hessen. Ursprünglich wollten die Besetzer bis Montag bleiben, am Sonntagabend jedoch beendeten sie nach Gesprächen mit der Polizei die Aktion.

Aktion aus Rücksicht an Gedenken an Reichspogromnacht abgebrochen

Einer der Gründe sei Rücksichtnahme auf den in der Nacht auf den 9. November beginnenden Gedenktag an die Reichspogromnacht gewesen, so die Besetzer. Es dauerte bis etwa 23.30 Uhr, bis der Baum komplett geräumt war. Die Aktivisten sprachen von einem "unverhältnismäßigen Polizeieinsatz mit Hunden und Hamburger Gittern", die Polizei bewertete den Einsatz als nicht konfliktiv.



Allerdings sah sich Polizeivize Zeiser am Montag zu einer Entschuldigung veranlasst: Man habe ein Absperrband an den Infotafeln der Gedenkstätte fixiert. Und die Pferde der Reiterstaffel, die am Samstag zeitweise dabei waren, hatten die Gelegenheit genutzt, aus dem Gedenkbrunnen zu trinken.

Gerade mit Blick auf die Reichspogromnacht sei dies zutiefst bedauerlich, so Zeiser: "Zurecht darf die Gesellschaft die Erwartungshaltung an uns als Polizeipräsidium Freiburg haben, dass Respekt und Toleranz stets unser Handeln leiten. Dass dies in den dargestellten zwei Ereignissen nicht der Fall war, entspricht ausdrücklich nicht unserem Selbstverständnis und unseren Leitbildern." Es werde intern eine Nachsensibilisierung geben, damit sich das nicht wiederhole.