Wohnen

Perfekter Umzug: Dieser Freiburger Experte weiß, wie man richtig packt

Christian Engel

Schrammen in Möbelstücken, aufgerissene Umzugskartonböden, genervte Umzugshelfer: Bei einem Umzug kann viel schiefgehen. Daher hat uns Umzugsprofi Michael Pogerth von Zapf Freiburg nützliche Tipps gegeben.

Unser Umzugsexperte: Michael Pogerth. Seit 2013 ist er Geschäftsführer von Zapf, der größten Freiburger Umzugsfirma. Der 40-Jährige hat Logistikkaufmann gelernt, privat und geschäftlich unzählige Umzüge mitgemacht. Das Unternehmen Zapf wurde 1975 in Berlin gegründet und führt mittlerweile rund 60.000 Umzüge im Jahr durch. Freiburg ist seit 1985 Standort, als einer von acht in Deutschland. Dort arbeiten 65 Mitarbeiter.

Die Vorbereitung

a) Startschuss
Am Abend vor dem Umzug schnell paar Kartons organisieren und Freunde anflehen, spontan am nächsten Morgen auf der Matte zu stehen, kurz noch einen Sprinter mieten und Getränke für die Helfer einkaufen – kann gut gehen, muss aber nicht. Besser ist es, wie Michael Pogerth sagt, mit der Vorbereitung so früh wie möglich anzufangen (Studierende kennen das ja von der Vorbereitung auf eine Prüfung, hahaha). Aber ernsthaft: Viele Umzüge, sagt Pogerth, fänden am Ende eines Monats statt, weil zu dem Zeitpunkt die meisten Mietverträge ausliefen. Heißt auch: Die Vermieter von Sprintern oder anderen geeigneten Umzugswagen haben dann den größten Zulauf. Wer dort in der Woche vor dem Umzugstermin ankommt, läuft Gefahr nichts mehr zu bekommen.

b) Der Umzugswagen
Wichtig ist zur Vorbereitung, den Parkplatz vor den beiden Objekten, die man verlässt beziehungsweise bezieht, für den Tag freizuhalten. "Man sollte nah ans Haus fahren können, das spart Laufwege und Zeit", sagt Pogerth. Dabei ist es von Vorteil, über einen geräumigen Umzugswagen zu verfügen, der Klassiker ist der Sprinter. Wer deutlich effektiver arbeiten will, sagt Pogerth, sollte dabei, wenn möglich, eine Variante mit einem Kastenaufsatz wählen. Manche Sprinter haben Rundungen und sperrige Radkästen. "Zum Packen ist es viel leichter mit einem Kastenwagen. Da kann man die geraden Flächen optimal nutzen."

c) Das Team
"Freunde sollte man rechtzeitig fragen", sagt Pogerth, "und noch mal paar Tage vor dem Umzug an den Termin erinnern." An Verpflegung muss man als Umziehender dabei unbedingt denken, damit steht und fällt die Stimmung und Motivation.
Auch die Größe des Teams muss beachtet werden. Zu viele stehen sich gegenseitig auf die Füße, zu wenige sorgen nach überpowerten zwei Stunden für explodierende Bizepse beim schmächtigen, bleichen Helferlein, der als einziger am Abend davor nicht gebechert hat und zum Umzugstermin erschienen ist.

Michael Pogerth empfiehlt folgende Zusammensetzung: einer für den Transporter, der das Ein- und Ausladen managt und fährt; zwei fürs Schleppen der Gegenstände durchs Treppenhaus (je nach Größe des Objekts und Anzahl der Stockwerke können noch ein, zwei oder drei mehr dazukommen); einer für den Abbau und die Koordination in der alten Wohnung; optional einer für die Koordination und den Aufbau im neuen Objekt. Sprich: Vier Helfer sollten es auf jeden Fall sein, je nach Umfang bis zu acht.

d) Die Kaffeemaschine
Noch nicht ausstecken und verräumen. Die wird beim Umzug in der Regel gebraucht.

e) Packen
Der Umziehende sollte am Tag des Umzugs Schränke, Kommoden und Kühlschränke ausgeräumt und den Inhalt in Umzugskartons verstaut haben. Wer dies alles zu kurzfristig macht, hat keine Zeit mehr, sich diese entscheidende Frage zu stellen beziehungsweise sie zu beantworten: Muss das alles mit? Wer früh genug mit dem Packen beginnt, hat noch Zeit, unnötige Dinge loszuwerden, über ebay-Kleinanzeigen, auf dem Wertstoffhof, als Sperrmüll. "Das macht einen Umzug entspannter", sagt Michael Pogerth. "In dem Moment kann man sich recht leicht von Dingen trennen, die man eigentlich nicht mehr braucht."
Vor allem, wer Kellerabteile oder Speicher vollgestellt hat, sollte sich rechtzeitig ranmachen, da ihr Räumen und Aufräumen in der Regel viel Zeit (und Nerven) beansprucht.

f) Umzugskartons und Hilfsmaterialien
Spannende Frage: Wie viele Umzugskartons brauche ich? Umziehende gehen damit häufig recht sparsam um, weil die Dinger ja auch bissel was kosten. Andererseits lohnt es sich laut Michael Pogerth, eine ausreichende Menge parat zu haben. Bei einer Person auf 20 Quadratmetern rechnet er mit 15 Kartons, auf 100 Quadratmetern bei vier Personen mit 90 Kartons. Hört sich erst mal brutal viel an, aber die Menschen besitzen häufig ja auch brutal viel. "Man unterschätzt die Zahl der Umzugskartons leicht." Von befüllten Müllsäcken als günstige Alternative hält Michael Pogerth wenig: "Im Zweifel reißen sie oder die Klamotten nehmen den Geruch an."

Wichtig findet Pogerth auch, hochwertige Umzugskartons zu verwenden. Am besten aus drei Lagen Karton. Die kosten zwar etwas mehr, man kann sie in der Regel aber auch für mehrere Umzüge nutzen. Billige Umzugskartons würden häufig reißen oder fallen in sich zusammen, wenn andere Kartons draufgestellt werden.

Ein Umzugskarton muss nicht nur rechtzeitig, sondern auch richtig gepackt werden. Mehr als 20 Kilogramm sollte er nicht wiegen. Als Pogerthsche Faustregel gilt: die unteren zwei Drittel schwerere Gegenstände, das obere Drittel leichtere. "So hat man den Platz optimal genutzt und nicht zu viel Last."

Übrigens: Im Volksmund heißt es, man solle einen Karton immer, aber wirklich IMMER am Boden greifen. "Quatsch", sagt Michael Pogerth: "Kartons werden an den Griffen getragen. Nur billige Kartons oder deutlich zu schwer bepackte krachen durch."
Weitere nützliche Hilfsmaterialien für den Umzug

Kleiderkartons: Hier können Hemden, Blusen, Anzüge und Kleider an eine Stange in einem Umzugskarton gehängt werden. Spart anschließendes Bügeln.
Seidenpapier: Kostbare Gegenstände wie Gläser, Geschirr, Porzellan damit einwickeln. Alternativ geht auch Zeitungspapier.
Bettensäcke: speziell für Decken und Kissen.
Stretchfolie: Damit werden Schubladen und Türen von Schränken und Kommoden eingewickelt. Manche benutzen auch Klebeband, hierbei besteht laut Michael Pogerth allerdings die Gefahr, dass der Kleber Spuren hinterlässt oder Teile vom Lack abzieht.
Malervlies oder Filzgleiter: Beim Verschieben von Möbeln sinnvoll. Einfach unter die Möbelfüße legen, damit keine Kratzer in den Boden kommen.
Sackkarren und Möbelhund/Möbelroller: Möbelhunde sind einfache Bretter auf Rollen, mit denen schwerer Gegenstände gezogen werden können. Ebenso hilfreich: ein Sackkarren, etwa für den sperrigen und sackschweren Kühlschrank.

Der Umzug

Wer die optimale Teamgröße beisammen hat, kann recht zügig arbeiten. Wichtig bei Umzügen über mehr als zwei Stockwerke: eine Kette bilden. Umzugskartons und Gegenstände werden in der Mitte übergeben. Das verkürzt den Trageintervall und ist im Endeffekt kraftsparender. "Zudem muss niemand an einer Stelle warten oder sich an den anderen im Treppenhaus vorbeiquetschen", sagt Michael Pogerth.
Klassische Fehler beim Umzug:

Kommode geschwind zwei Meter verrücken: Es folgen Striemen im Parkett und damit einhergehend mögliche hohe Kosten zur Reparatur. "Wenn bewegen, dann anheben", dichtet Pogerth. "Oder eben Vlies oder Filzgleiter benutzen."
Schrauben und Schlüssel von Möbeln nach dem Abbau verschwunden: "Schrauben und Schlüssel immer mit einem Klebeband oder ähnlichem direkt am Möbelstück fixieren", sagt Michael Pogerth. So gehe nichts verloren.
Welcher Karton muss wohin? Alle Umzugskartons auf einem großen Stapel im neuen Wohnzimmer bedeutet für den Umziehenden beim Einrichten der Wohnung oder des Hauses: jede Menge unnötige Handgriffe. Vor allem wenn er nicht gleich Zeit findet, alles zu verräumen und etwas Wichtiges sucht, ist es eine Katastrophe. Daher Umzugskartons stets markieren. Insidertipp von Michael Pogerth: "Immer an der Stirnseite beschriften." Wenn Kisten gestapelt sind, erkennt keiner mehr, was auf dem Deckel steht (außer auf denen ganz oben).

"Jetzt dürfte ein Umzug gelingen", sagt Michael Pogerth und wünscht viel Erfolg.
Zapf Umzüge verfügt über einen großen Shop, wo Hilfsmaterialien für den Umzug gekauft oder gegen Gebühr geliehen werden können. Geöffnet von Montag bis Freitag, 8 bis 18 Uhr, Samstag von 8 bis 13 Uhr. Weitere Infos unter www.zapf.de/umzugsmaterial/freiburg.