Paddel-Ich

Philipp Aubreville

Am vergangenen Samstag fand im Seepark unter dem Motto "Rivalen am Ruder" ein Bootsrennen zwischen Sportstudenten der Pädagogischen Hochschule (PH) und Sportstudenten der Uni statt. Philip hat sich das Spektakel angeschaut.



Es ist viertel vor Acht, am 07.07.07, einem Samstag. Ich bin im Seepark, könnte aber auch in einer Mediävistik-Vorlesung sitzen: Da bekommt man mit, wie Kaiser und Papst Herzöge und Bischöfe einsetzten, hier darf ich einem ähnlichen Akt sogar live beiwohnen: Bootsrennen.

Organisator Andi Mündörfer reißt die Befehlsgewalt an sich und ernennt den Kapitän des Ruderteams der Pädagogischen Hochschule: "Bist du bei der PH?" fragt er den Sportstudenten Micha, dessen bejahende Antwort ein. "Dann bist du jetzt der PH-Kapitän!" zur Folge hat.

Auf der Gegenseite hat die Uni-Studentin Franzi den Chefposten inne. Es geht um viel an diesem sonnigen Abend, die Sportler-Ehre steht auf dem Spiel, ja die Hausherrschaft in der Schwarzwaldstraße 175, wo die beiden Sportfakultäten daheim sind. Der ein oder andere hat vielleicht auch den Kasten Bier im Hinterkopf, der jedem Mitglied des Gewinnerteams winkt.

Früher waren es vielleicht Häuser – heute sind es Boote, deren Besetzung diskutiert wird. Bei der Aufteilung der jeweils vier 3er-Teams wird fachgesimpelt und taktiert. PH-Kapitän Micha wechselt beispielsweise des öfteren seine Position und rückt vom anfänglichen Starter-Team in die Schlussgruppe, die eventuelle Aufholjagden bewältigen muss.

Mit der Humorlosigkeit eines Uli Hoeneß hat das Ganze aber dennoch wenig zu tun: "Wir haben in Grönland trainiert und auf Hawaii, deshalb gewinnen wir auf jeden Fall", scherzt Uni-Frontfrau Franzi.

"Das haben wir nicht nötig!" gibt daraufhin Micha zu Protokoll und scheint recht zu behalten: In der ersten Runde geht die PH klar in Führung.



Doch dann kommt es zu einer unverhofften Wendung in diesem packenden Duell: Das Boot der PH kentert und bringt die Paddel-Pädagogen in die Bredouille. Da nützt es auch nichts mehr, dass die übrigen PH-Studenten massenhafte ins Wasser springen, wie man es bisher von religiösen Ritualen im Ganges kannte, und das Boot  mit vereinten Kräften ans Ufer bringen. Die Uni geht in Führung und hat für die zukünftigen Leibeserzieher nur noch ein ironisches Anfeuern übrig.

Wie bereits gesagt, die Mediävistik-Vorlesung ist nicht weit und so setzt die PH zur Reconquista an. Der Aufholjagd wird nur die Tatsache zum Verhängnis, dass sich die Ruderer zunächst verkehrt herum in das Boot setzen – der Pädagogischen Hochschule rast die Zeit davon.

Rasen ist allerdings auch das richtige Wort, um die weitere Vorgehensweise der vom Schicksal geschlagenen PH-Studenten zu beschreiben: In einem Kraftakt macht das letzte Team einen Großteil der Distanz zur Uni-Mannschaft gut.

Das nützt allerdings nichts mehr, das Team der Uni erreicht das Ufer vor den PH-Paddlern.

Während die Uni-Sportler ihren Sieg feiern, analysiert der PH-Kapitän Micha die Niederlage seines Teams und sieht die Gründe für den Triumph der Universität – das kannte man bisher nur von Team Telekom-Radlern – in der Biologie begründet: "Wenn im Wasser nicht ein Wels gewesen wäre, der unser zweites Boot umgestoßen hat, hätte die Uni kläglich versagt!"

"Den haben wir doch ausgesetzt", erklärt Uni-Chefin Franzi und legt ihre Analyse des Ergebnisses dar: "Die koordinativen Fähigkeiten der PH haben schwer zu wünschen übrig gelassen. Vielleicht war die Kondition da, aber es hat einfach nicht gereicht."



Das Ergebnis ist allerdings nicht in Stein oder Goldmedallien gemeißelt: Denn während die Uni-Studenten in einer Fair Play-Geste ihren gerstensaftigen Preis mit den Unterlegenen Pädagogen teilen, kündigt Organisator Andi eine Fortsetzung an: "Wir freuen uns, dass das jährige Rennen ein voller Erfolg war. Und weil es dieses Jahr so gut geklappt hat, werden wir das Duell im kommenden Jahr wiederholen und sehen, wer dann gewinnt."