"Zusammenleben Willkommen"

Organisation will Geflüchtete und WGs zusammenbringen

Lara Schwalb

Wie können Geflüchtete rasch in die Gesellschaft integriert werden? Die Organisation "Zusammenleben Willkommen" meint: Indem man sie in WGs unterbringt. Ein Besuch bei der Freiburger Ortsgruppe, die schon 10 Zimmer vermittelt hat.

Stigmatisierung, Diskriminierung und Isolation von Geflüchteten stoppen; das ist es was die Mitglieder von "Zusammenleben Willkommen" motiviert, sich für die dezentrale Unterbringung geflüchteter Menschen in Deutschland einzusetzen.

So auch Lena Roser und Julia Dagg von der Lokalgruppe "Zusammenleben Willkommen" Freiburg. Die beiden sind die Hauptorganisatorinnen des Hilfsangebotes der Gruppe, Geflüchtete bei der Zimmersuche hier in Freiburg zu unterstützen. So helfen sie gerade auch Saikou Bittaye bei seiner Suche. Bittaye kommt aus Gambia, ist 31 Jahre alt und lebt seit 2014 in Freiburg. Mit der Hilfe der Ortsgruppe "Zusammenleben Willkommen" in Freiburg möchte er etwas zum Wohnen finden, wo er zur Ruhe kommen kann. Lena Roser und Julia Dagg haben es sich zur Aufgabe gemacht, ihm dabei zur Seite zu stehen.

15 Aktive sind bisher dabei

Die beiden Politik-Studentinnen sind seit der Gründung der Lokalgruppe im vergangenen Jahr dabei. Begeistert wurden sie von zwei gemeinsame Freunden: Lukas Schmid und Niklas Kehrle. Die sind bei einem Konzert in Stuttgart im Herbst vergangenes Jahr auf einen Infostand von "Zusammenleben Willkommen" gestoßen und dachten sich, das könnte doch auch was für Freiburg sein.

Sie trommelten ihre Freunde zusammen, sprachen sich mit dem Hauptamt der deutschlandweiten Organisation in Berlin ab und kurze Zeit später entstand die Lokalgruppe von "Zusammenleben Willkommen" in Freiburg. Sie sind damit schon die sechzehnte Gruppe der Organisation in Deutschland.

Ihr Hauptanliegen ist es, sich dafür einzusetzen, dass Geflüchtete durch Unterbringungen in WGs schneller in die Gesellschaft integriert werden können. Mittlerweile sind schon 15 Aktive dabei und es werden stetig mehr. "Wir freuen uns vor allem sehr darüber, dass auch in der Corona-Zeit neue Leute dazu gekommen sind, die sich jetzt bei uns engagieren" – ein Beispiel dafür, dass in Pandemie Zeiten auch Positives passieren kann.

10 WG-Zimmer konnten in Freiburg bereits vermittelt werden

Als Lokalgruppe beschäftigen sie sich damit, Aufmerksamkeit für ihr Anliegen zu schaffen. Wenn nicht gerade Ausgangsbeschränkungen herrschen, trifft man die Mitglieder bei Infoständen im Stadttheater oder auf Demos der Seebrücke, wo sie Werbung für sich machen und versuchen, ein Bewusstsein für ihre Existenz zu schaffen. "Wir möchten es schaffen, dass WGs uns kennenlernen. Wenn sie dann ein Zimmer in ihrer Wohnung frei haben, sollen sie gleich daran denken, dass es uns gibt und sich bei uns anmelden können", sagt Julia Dagg.

Will man sich als WG bei "Zusammenleben willkommen" bewerben, so kann man dies einfach über deren Website tun. Die Organisation tritt dann auf einen zu und hilft bei der Vermittlung einer geflüchteten Person in das freie Zimmer. Deutschlandweit haben so schon 507 Vermittlungen über "Zusammenleben Willkommen" stattgefunden, in Freiburg sind es aktuell zehn.

Hilfe auch bei der WG-Suche

Relativ neu hat die Lokalgruppe in Freiburg jetzt auch ein individuelles Beratungskonzept für Geflüchtete gestartet. Hier werden geflüchtete Menschen nicht an WGs vermittelt, die schon bei "Zusammenleben Willkommen" registriert sind, sondern sie werden bei der eigenständigen WG-Suche unterstützt. "Wir bekommen in der Regel einen Kontakt von unserem Hauptamt vermittelt, mit dem wir uns dann als Ortsgruppe treffen", erzählt Lena Roser.

Im ersten Gespräch wird geschaut, welche Art der Unterstützung die geflüchtete Person braucht. Lena Roser und Julia Dagg helfen Bittaye zum Beispiel dabei, auf Internetseiten mögliche Wohnungen rauszusuchen und die Bewohner und Bewohnerinnen anzuschreiben. Sie geben ihm nützliche Tipps aus eigenen Erfahrungen, die sie während ihrer WG-Suche in Freiburg gesammelt haben und helfen ihm, sich auf die Castings vorzubereiten.

Saikou Bittaye ist sehr froh über diese Hilfe, denn für ihn ist es Neuland, sich auf dem Wohnungsmarkt umzuschauen. Die verschiedenen Angebotsportale im Internet oder in der Zeitung sind ihm vor den Treffen nicht bekannt gewesen. "Wir versuchen ein möglichst dynamisches Konzept anzubieten: Manche unserer Kontakte sind schon mit dem Angebot von Online-Portalen vertraut, anderen müssen wir diese erst zeigen. Uns ist es wichtig auf die individuellen Bedürfnisse der geflüchteten Menschen eingehen zu können", berichten die Studentinnen.

Interessierte Mithelfer sind immer willkommen

Motivation für Ihre Arbeit bekommt die Gruppe aus den Ergebnissen ihrer ehrenamtlichen Arbeit, denn diese sind direkt zu erfahren. "Es ist ein schönes Erlebnis zu merken, dass unsere Arbeit Früchte trägt: Auf einer Demo im Sommer, bei der wir vertreten waren, kam eine Frau auf uns zu und erzählte, sie sei vor ein paar Wochen auf einen unserer Infostände gestoßen. Sie habe sich nun bei "Zusammenleben Willkommen" angemeldet und vor ein paar Tagen sei ihre neue Mitbewohnerin bei ihr eingezogen. Solche Momente geben einem das Gefühl, dass man durch seine Arbeit wirklich etwas bewirken kann", freuen sich die Mitglieder.

Interessierte sind bei der Lokalgruppe immer willkommen. Gerade jetzt sei eine gute Zeit dafür, meint Lena Roser, denn man könne sich aktiv in die Ausgestaltung des neuen Beratungskonzeptes mit einbringen.
Interessierte sind bei der Lokalgruppe immer willkommen. Wer Lust darauf hat die Gruppe besser kennenzulernen, kann auch einfach auf deren Seite bei Facebook oder Instagram vorbeischauen:
  • Instagram: @zusammenlebenwillkommenfr
  • Facebook: @zusammenlebenwillkommen.freiburg