Interview

Online-Beratungsangebot B2gether für junge Menschen in Freiburg

Laura Wallenfels

Manchen fällt es schwer über Probleme und Sorgen zu sprechen. Das Online-Beratungsprojekt B2gether versucht dabei eine Hilfe zu sein. Wir haben mit der Sozialpädagogin Christiane Nübel über das Freiburger Angebot gesprochen.

Was genau steckt hinter dem B2gether-Projekt?

Christiane Nübel: Wir sind ein Team aus fünf Sozialpädagogen und Erziehungswissenschaftlern und haben alle eine Weiterbildung in Onlineberatung. Gemeinsam haben wir dann im Juli letzten Jahres B2gether ins Leben gerufen. B2gether ist ein kostenloses Onlineberatungsangebot für junge Menschen zwischen 16 und 25 Jahren aus Freiburg und den Landkreisen Emmendingen und Breisgau-Hochschwarzwald. Das Projekt wird von dem katholischen Verband für Mädchen- und Frauenarbeit IN VIA in der Erzdiözese Freiburg durchgeführt und durch die Aktion Mensch finanziert. Wir beraten bei verschiedensten Themengebieten. Man kann mit allem zu uns kommen und wir versuchen gemeinsam eine Lösung zu finden. Es ist uns wichtig, dass niemand das Gefühl hat, dass er mit seinen Problemen alleine sein muss. Daher auch der Name des Projekts: "be together", also "zusammen sein".

Wie entstand die Idee zu einer Onlineberatung?

Auf die Idee mit der Onlineberatung sind wir gekommen, da uns aufgefallen ist, dass besonders bei Jugendlichen oft die Hemmschwelle, sich persönlich beraten zu lassen, sehr groß ist. Mit unserem Leitsatz "Schreib uns, was du nicht sagen kannst" wollen wir die jungen Menschen dazu ermutigen ohne Scham ihre Probleme zu teilen. Durch die anonyme Onlineberatung entsteht so etwas wie ein Safespace und es fällt leichter offen und ehrlich über Gefühle zu sprechen. Das ist für beide Parteien sehr hilfreich.

Das bedeutet also die Beratung ist komplett anonym?

Ja, richtig. Wir beraten entweder auf unserer Homepage per Chat oder über Mail. Wenn uns eine Mail erreicht, antworten wir innerhalb von drei Tagen. Alle Mitarbeiter beraten unter einem Pseudonym, um die Anonymität zu gewährleisten. Wir bieten aber auch an, dass man von der Online-Beratung zu einer Face-to-Face-Beratung wechseln kann. Wenn die Person sich mit ihrem persönlichen Berater wohlfühlt und es wünscht, kann sie auch Vorort vorbeikommen. Deswegen auch die regionale Eingrenzung der Beratung für den Kreis Freiburg und den Hochschwarzwald.

Über welche Themen wird gesprochen?

Man kann sich wirklich mit allen Themen bei uns melden. Durch Corona und das Kontaktverbot geht es momentan viel um die Einsamkeit. Seit dem Lockdown sind es tatsächlich auch mehr geworden, die unsere Beratung in Anspruch nehmen. Der fehlende Kontakt mit Freunden verstärkt auch die Probleme, welche die Leute davor schon beschäftigt haben. Wir sprechen viel über Probleme im Alltag, sei es Prüfungsstress oder Beziehungsprobleme. Doch auch Themen wie häusliche Gewalt oder sexueller Missbrauch. Wenn wir merken, dass die Problemlösung nur durch Onlineberatung nicht leistbar ist, verweisen wir auch an andere Stellen und begleiten weiterhin, falls dass gewünscht wird. Wichtig ist aber, dass unsere Beratung natürlich kein Ersatz für eine Psychotherapie ist.

Neben der Online-Beratung gibt es auch den sogenannten B2-Treff. Was ist das?

Während unserer Beratung ist uns aufgefallen, dass es viele Jugendliche gibt, die sich sehr schwertun, mit anderen in Kontakt zu kommen und sich einfach einsam fühlen. Und so entstand die Idee, dass wir einen Raum anbieten außerhalb des Internets, um reale Begegnungen zu schaffen. Durch unseren Treff wollen wir es möglich machen, dass sich die B2-User auch offline vernetzen können. Gemeinsame Aktionen und Freizeitevents machen es einfacher neue Leute kennenzulernen. Momentan kann das leider aufgrund von Corona nicht stattfinden, doch normalerweise findet man auf unserer Webseite regelmäßig Termine wann wir uns treffen.