Nina Nastasia im Spitalkeller: Danke, dass wir zuhören durften

Carolin Buchheim

Es war eine schlichte akustische Gitarre, Marke Taylor, die gestern Abend auf den überschlagenen, bekniestrumpften Beinen von Nina Nastasia ruhte. Helles Holz, ein bisschen angemackt; Typ Pfadfinderleiter-Instrument. Doch was die Folk-Sängerin aus New York zusammen mit dieser unscheinbaren Gitarre im Spitalkeller in Offenburg vollbrachte, war absolut außergewöhnlich.



Der Spitalkeller in Offenburg ist ein netter kleiner Musikkeller mit Jugendheim-Charme. Weißgestrichen und rotgefliest und am Mittwochabend mit Stühlen und Sofas ausgestattet. Ein Sitzkonzert, genau richtig für die Musik von Nina Nastasia, und der Rotwein, ein Oberkircher Spätburgunder, 3€ das Viertele, ist auch genau richtig.

Ein bisschen spröde wirkt Nina Nastasia als sie das Konzert beginnt, auf einem Barhocker auf der kleinen Bühne sitzend, ganz in Schwarz gekleidet, ein Glas Wasser und ein Glas Whiskey auf einem Tisch neben sich. Zart streicht sie zunächst mit den Fingern über die Saiten ihrer Taylor-Gitarre und beginnt sanft zu singen. Und sofort löst sich alles, was an ihr spröde wirkte, auf.

Nina Nastasias Gitarrenspiel, oberflächlich anspruchslos, ist tatsächlich geradezu kammermusikalisch präzise. Dazu phrasiert sie ausdrucksstark mit ihrer warmen, kraftvollen und Gänsehaut auslösenden Stimme. Rhythmisches Murmeln, flüsternden Singsang, lauten, klaren Gesang: All das kann sie in einem einzigen, wunderbar lyrischen Song unterbringen. Toll.

Als selbstmitleidfrei hat John Peel sie bezeichnet, und das ist sie, bei aller Melancholie, tatsächlich. "Oh, der nächste Song ist schon wieder so ein selbstironischer Runterzieh-Song", scherzt sie zwischen zwei Liedern beim Blick auf die handgeschriebene Set-List. "Aber da müssen wir wohl gemeinsam durch." Nicht, dass man sich wirklich durch das Set aus Songs der letzten beiden Alben "You follow me" und "On leaving" quälen müsste.

Nach und nach lässt Nina Nastasia ihren Charme raus, erzählt zwischen ihren bezaubernden Songs von den langweiligen Autofahrten während der Tour, die heute in Offenburg endet. "Ich fühl mich, als müsste ich hier eine Weinprobe abhalten", sagt sie, mit Blick auf die Rotweingläser in der ersten Reihe und auf die gewölbte Kellerdecke. "Habt ihr das schon mal gemacht?" Alles Badener im Publikum, klar haben die alle schon mal eine Weinprobe gemacht, sie aber noch nicht. "Aber nächstes Mal, wenn ich hier bin. Ich muss morgen früh raus. Gibt es eigentlich Frühstückswein?"

Sie erzählt von ihrem ersten Gig, bei dem ihre Gitarre falsch gestimmt war, und sie trotzdem ein ganzes Konzert lang durchhielt. Prompt verstimmt sie sich wenige Songs später, und sie muss "Odd said the doe" abbrechen.



"Und, was soll ich noch spielen?", fragt sie am Ende ihres Sets und freut sich, dass aus dem herrlich stillen, aufmerksamen Publikum im rappelvollen Spitalkeller genaue Songwünsche kommen.

"Danke, dass ich für Euch spielen durfte", sagt sie schließlich. Danke, dass wir zuhören durften, Nina.

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