Nightlife-Guru & Fotogalerie: Beach-Party in Freiamt

Nightlife-Guru

Promille-Girls, Eimersaufen, Tsunami-Strand: Das und mehr musste unser Nightlife-Guru am Samstag bei der Beach-Party in Freiamt über sich ergehen lassen. Wo war er da nur reingeraten ...



Die Jungs an der Tür

Klar, eine Tür gibt es nicht. Schon am Eingang zum Festgelände stehen freiwillige Helfer, Jungs von der Feuerwehr und Polizei. Wer nicht mit dem Bus ins Nirgendwo fährt, der lässt sich fahren oder reist selbst mit dem Auto an. Geparkt wird auf der „Matte“, wie mir ein freundlicher Helfer erklärt (gemeint ist Wiese, aber das wissen hier sicherlich alle). Am Eingang zum Zelt sind so viele Leute von der Security und der Orga (wie man an ihren T-Shirts erkennen kann), dass man gar nicht so recht weiß, wem man sich zuwenden soll. Egal, ich bin froh, dass hier so viele Menschen für meine Sicherheit sorgen.

Vor mir bekommt ein junges Mädchen in viel zu engem Kleidchen und mit langer, blonder Mähne ihr Haarspray von der Security weggenommen. „Aber ohne mein Haarspray überlebe ich den Abend nicht“, jammert sie. „Dann ist er hier für dich zu Ende“, antwortet er trocken. Ich hab‘ geschmunzelt und bin froh, dass diese Vernichtungswaffe aus dem Verkehr gezogen wurde.

Innen- und Außeneinrichtung sowie Deko

Draußen ist eine magere Stelle des Geländes mit ein wenig Sand aufgeschüttet worden. Das sollen die angekündigten 61 Tonnen sein? Darüber einen Pavillon. Wegen dem Regen, vermute ich. Darunter ein paar lieblos zusammengewürfelte Liegestühle. Vielleicht sah es vor 22 Uhr mal besser aus. Zu dem Zeitpunkt sind beinahe alle Liegemöglichkeiten zerstört, und die geplante Chill-Area gleicht eher einem Tsunami-Strand.



Zugegeben, ein riesiges Festzelt total genial zu dekorieren, ist schwierig. Aber nicht unmöglich. Auch hier hat sich der Veranstalter eventuell gedacht: „Weniger ist mehr, schließlich haben die vorwiegend betrunkenen Gäste sowieso kein Auge dafür.“ Also wurden nur hie und da ein paar aufblasbare Gummitiere aufgehängt, an der ein oder anderen Bar gibt es Plastikpalmen und bunte Papierwimpel. Immerhin, das komplette Gastro-Personal trägt einheitliche Hawaiihemden.

Getrunken wird vorwiegend aus Eimern. (Ich verstehe nicht, warum man Beach-Party oft mit Ballermann-Party gleichsetzt.) Den Gästen scheint es zu gefallen. Sie haben wohl genau das erwartet. Den Mai-Tai gibt es immerhin aus Ananas, ist ja irgendwie kreativ. Trotzdem möchte ich, als Nightlife-Guru, die Arbeit der Veranstalter nicht unter den Scheffel stellen.



Wer war da?

Die Dorfjugend aus Freiamt und Umgebung. Sicherlich auch noch einige aus der Kreisstadt Emmendingen. Das Durchschnittsalter liegt geschätzt bei 20 Jahren. Einige Mädels haben sich in kurze Röckchen oder enge Kleider gezwängt – ist schließlich 'ne Beach-Party.

Die Jungs tragen vorwiegend Gelfrisuren, manchmal auch Strohhüte und Hawaiihemden – ist schließlich 'ne Beach-Party. Ansonsten alles eher unauffällig. Ganz beliebt sind die bunten Plastikblumenketten, mit denen man sich dekoriert. Auch die Sonnenbrille ist (vor allem bei den Jungs) ein angesagtes Accessoire des Abends. Schon um 23 Uhr kommt es mir vor, als seien 90 Prozent der Partygäste bereits über ihrem Limit. Bei den flanierenden Promille-Girls können sie Gewissheit bekommen.



Partyatmosphäre und Klang TÜV

Ich bin laute Clubabende gewöhnt. Der Sound auf der Beach-Party stellt mein Trommelfell allerdings vor eine große Herausforderung (in jeder Hinsicht). Der Bass übertönt beinahe alles (manchmal gar nicht verkehrt). Die Musik ist laut, sehr laut. DJ Sebbi und DJ MatricK hauen alle Hits raus und lassen die Zeltwände wackeln. Die versprochenen Chart-Hits und die Partysongs. Das Volk tanzt auf Grönemeyers „Mambo“, Nenas „99 Luftballons“ (natürlich eine Clubversion), „Country Road“ (keine Ahnung von welcher Coverband) oder dem Ballermann-Hit „Scheiß drauf! … Mallorca ist nur einmal im Jahr“ (von wem auch immer).

Die Gäste lieben es und sind völlig in ihrem Element. Es wird kräftig mitgegrölt. DJ Sebbi und DJ MatricK wissen, wie sie die Stimmung aufheizen. Auf ein „Zicke-Zacke, Zicke-Zacke“ ins Mikrofon folgt das erwartete „Heu, Heu, Heu“ der Masse. Es ist unheimlich. Vor allem, weil ich diese drei kleinen Worte entweder im Kopf oder ganz leise vor mich hin mitbrummel. Zwischendurch zeigen GoGo-Tänzer auf der Bühne, wofür sie hart trainiert haben. Auch das kommt an. Während die Tänzer das tun, wofür sie bezahlt werden, werden sie eimersaufend beobachtet, mit Handys gefilmt oder kaum beachtet.

Der Auftritt von BigBrother-Ballermann-Jürgen toppt alles. Die Partygäste rasten völlig aus. Die Luft steht, stinkt nach Schweiß, Zigarettenrauch und natürlich Alkohol. Genau die richtige Atmosphäre für einen Partysänger. Wahrscheinlich treten die immer erst so spät auf, weil sie dann sicher sein können, dass ihre Performance beim inzwischen alkoholisierten Publikum garantiert gut ankommt? Es wird noch lauter, es gibt noch mehr Schweiß und noch mehr Alkohol.



Auf dem Klo um halb elf

Für die vorab angekündigten 4.000 Besucher gibt es genau drei Toilettenwagen. Es wundert daher nicht, dass sich lange Schlangen bilden – und zwar auf beiden Seiten. Ich habe keine Lust mich anzustellen, muss nicht aufs Klo. Trink' ja nichts.

Aufheiterle

Bei meiner Mission, ein paar Atmo-Bilder zu schießen, kommt unter den Partygästen der Verdacht auf, ich sei Partyfotograf. Ohne zu fragen, wer ich wirklich bin und für wen ich Bilder mache, wollen sie alle vor meine Linse. Eine super Beschäftigung.

Aufregerle

Sicherlich die langen Schlangen vor den Toiletten. Außerdem fallen die Außenboxen immer mal wieder aus – nich' gut.

Fazit

Die Beach-Party in Freiamt ist für manche der Himmel auf Erden. Für mich war es die Hölle eines Ballermann-Abklatsches. Zu schlechte Musik zu laut auf die Ohren bekommen. Zu viele Menschen zu sehr auf die Nerven gegangen. Zu nüchtern zu lange auf einer Dorfparty gewesen. Der Nightlife-Guru muss das erstmal verarbeiten.

Mein Beileid gehört all denen, die mit dem Auto auf der „Matte“ geparkt haben, nüchtern blieben und dann die Kollegen spät nachts nach Hause fahren mussten.



Mehr dazu:


Fotogalerie: Nightlife-Guru


Tipp:
Wartet einen Augenblick, bis die Galerie komplett geladen ist. Ihr könnt euch dann ganz bequem jeweils das nächste Foto anzeigen lassen, indem ihr auf eurer Tastatur die Taste "N" (für "next") drückt.