Nightlife-Guru & Foto-Galerie: Bonaparte @ Mensabar

Nightlife-Guru & Janos Ruf

Schrille! Sureal! Bizarr! - Nur drei der Adjektive, mit denen die Bühnenshow der Berliner Band Bonaparte gerne beschrieben sind. Ob die Adjektive auch auf den gestrigen Auftritt der Band in der ausverkauften Mensabar passen? Der Nightlife-Guru war für fudder dabei. Wie er's fand:



An der Tür

Eigentlich komme ich ja gerne spät auf Partys und Konzerte. Zum einen, weil die Party dann schon ordentlich in Fahrt gekommen ist und man im Idealfall zu ihrem Höhepunkt eintrifft (wie das die besten Gäste nun mal so machen), zum anderen, weil sich so das lästige Schlangenstehen meist vermeiden lässt. Heute entsage ich meiner Taktik aus Respekt vor der ausverkauften Mensabar: für Bonaparte stelle ich mich brav in die drängelige Warteschlange.

Um mich herum skandieren die Jungs und Mädels des Abijahrgangs 2011 hysterisch aufgedreht „Anti, Anti“ und „Too much, to much…“. Sie scheinen nur wegen dieser beiden Songs gekommen zu sein, und das dringende Bedürfnis zu haben, alle Umstehenden darüber zu informieren. Mein Reizbarometer erreicht schon nach wenigen Minuten den roten Bereich.

In kleinen Intervallen geht es immer nur ein Stückchen voran. Als letzte Prüfung wird man als Konzertbesucher vor dem ersehnten Seiteneingang der Mensa noch minutenlang von einem lästigen Scheinwerfer geblendet, doch dann ist es endlich geschafft: die Türsteher checken Jacken und Taschen, es gibt ein grünes Bändchen um das Handgelenk und schon kann es losgehen.

Inneneinrichtung und Deko

Die Mensabar ist die Mensabar. Vor wenigen Stunden wurde in diesem kargen Gebäude mehreren tausend Studierenden Essen serviert, in wenigen Stunden wird das wieder so sein. Für Deko ist da keine Zeit.

Immerhin haben sich die Konzertbesucher dem Anlass entsprechend dekoriert. Unzählige schwarz geschminkte Augenhöhlen (dazu später mehr) blicken erwartungsvoll Richtung Bühne, in den Haaren stecken hübschen Schleifen, auf den Köpfen beohrte Fellmützen. Einer ist im Spidermankostüm gekommen, ein anderer schleppt ein großes Papp-Irgendwas mit sich herum. Vereinzelt entdeckt man Elemente von Zirkuskostümen.



Wer war da?

Der bereits erwähnte Abiturjahrgang 2011 scheint komplett anwesend zu sein, ein guter Teil der gerade neu zugezogenen Erstsemester ebenfalls. Kein Zweifel: es ist jung, dieses Publikum. Nur vereinzelt entdecke ich Menschen, die älter als 25 sind. Wer keine Fellmütze oder Zirkuskostüm-Fetzen trägt, ist in legerer Kleidung und bequemen Schuhwerk hier.  

Partyatmosphäre und Klangwaren-TÜV

Als Intro gibt's ein kleines Schwarz-Weiß-Filmchen, dann beginnt die Kostümschlacht. Bei den ersten beiden Liedern ist das Publikum noch etwas zurückhaltend, doch dann folgt ein Song, den die Masse endlich mitgrölen kann: „Anti, Anti!" Die Mensabar bebt unter den Füßen der hüpfenden Masse. Ich weiß nicht, ob ich das Zirkusspektakel auf der Bühne kritisch beobachten will oder ekstatisch tanzen soll. Die meisten Anwesenden entscheiden sich für Letzeres: es wird gepogt, gehüpft und gestagedived.

Auf der Bühen herrscht strenge Aufgabenteilung: die Band musiziert, dazu hupft Unterhaltungspersonal in Kostümen umher. Die einen sind Dienstleister an den Ohren des Publikums, die anderen Dienstleister an den Augen.

Zu Gucken gibt es folglich reichlich. Ausladende Kostüme genau so wie nackte Haut. Der Clown knutscht das Pferd, zwei barbusige Frauen sich gegenseitig, primäre und sekundäre Geschlechtsmerkmale aus Stoff werden durch die Gegend gewedelt, und alle fummeln miteinander rum. Die Luft in der Mensabar ist heiß und feucht.

Das bleibt auch gut zwei Stunden so, denn so lang dauert der Gig inklusive Zugaben. Die Anlage macht bei den schrillen und lauten Tönen der Band scheinbar immer mal wieder schlapp: die Boxen quietschen und brummen. Stört aber wenig, schließlich sind alle mit Pogen und Hüpfen und Wilde-Show-Angucken beschäftigt.

Catering und Getränkekarte

Zu essen gibt es lediglich den berühmten Augenschmaus. Um bei der Hitze nicht zu dehydrieren, konnte man sich von der üblichen Mensabar-Getränkekarte eine Erfrischung besorgen. Freiburger Flaschenbier für 1,90 Euro, 0,3l Bier vom Fass auch 1,90 Euro und 0,5l Radler für 2 Euro.



Aufregerle 

So sehr das Freiburger Publikum sich während der Songs auch verausgabt, so leise bleibt es oft zwischen den einzelnen Stücken. Ob dem ein oder anderen hier schlichtweg die Ausdauer fehlt?

Aufheiterle

Noch einmal zurück zu den dunklen Augen, die sich der ein oder andere Konzertbesucher in der Warteschlange verpassen ließ: Monsieur Bonaparte, Direktor des Bonaparte-Zirkus, hatte gestern Geburtstag. Sein Markenzeichen ist das schwarz angemalte linke Auge. Und zu seiner Überraschung gab es nun gestern auch im Publikum ganz viele einäugige Pandabären, wie süß! Am Ende des Konzerts gibts dann auch noch ein Ständchen mit anschließender Sahneschlacht unter Kollegen. Keine schlechte Geburtstagparty!



Fazit

Ich habe mich wie ein kleines Kind gefühlt, das zum ersten mal eine Zirkusvorstellung besucht. Eine Zirkusvorstellung, bei der alle Artisten, Clowns und die Tiere auf Drogen sind. Gute Drogen, natürlich, die sie kreativ, hemmungslos und spontan machen. Ich selbst war ganz klar und ließ mich trotzdem für zwei Stunden völlig in den Bann dieser Band hineinziehen. Das kritische Beobachten habe ich übrigens im Laufe des Abends irgendwann aufgegeben- Ich habe mich den ekstatischen Tänzern angeschlossen.

Mehr dazu:

     

Foto-Galerie: Janos Ruf

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