Nightlife-Guru: Tanzen ohne Pause bei Schlepp Geist in der Flimmerkiste

Nightlife-Guru

Neuer Klub - altes Konzept: Die Selected-Love-Veranstaltungsreihe in der Flimmerkiste fand am Freitag zum vierten Mal statt - diesmal mit dem Fusion-Star Schlepp Geist. Was der Nightlife-Guru dort erlebt hat:



Die Jungs an der Tür

Der Nightlife-Guru ist extrem gespannt was ihn heute Abend erwartet, denn er war noch nie zuvor in der Flimmerkiste. Der Eingang ist der Alte-Stinnes-Areal-Eingang in der Hans-Bunte Straße, gegenüber der Bushaltestelle. Eine Schlange gibt es um kurz vor ein Uhr nicht. Die Türsteher sind extrem entspannt. Der Ausweiß wird gecheckt - ohne unfreundliches Angeschnauze - das freut den Nightlife-Guru sehr! Zehn Euro Eintritt sind jedoch schon etwas heftig. Aber: Heute Nacht wird einem ein Live-Set geboten, das gibt es in Freiburg ja eher selten.

An der Garderobe..

… welche Garderobe? Gibt es nicht. Das ist schade, ich verbringe deshalb die ersten 20 Minuten meines Clubaufenthalts damit, ein geeignetes Versteck für meine Jacke zu finden. Das nervt.

Wer war da ?

Die Flimmerkiste füllt sich bis um zwei Uhr gemächlich. Als der Rostocker Schlepp Geist um zwei Uhr über die Tanzfläche auf die Stage huscht, ist die Flimmerkiste jedoch voll. Gedränge und Geschubse bleiben aber die ganze Nacht über aus, denn es ist für jeden genug Platz zum Tanzen, oder um sich an der Bar etwas zu trinken zu holen.

Stinnes Raver? Fehlanzeige! Obwohl die Flimmerkiste im Prinzip einfach nur der TV-Floor plus ein kleiner Teil des Hangars des Stinnes-Areals ist, bleiben die Tank-Top Raver aus. Stattdessen: Eine witzige Mischung aus Katze- und Klangraum-Gängern. Kein übermäßiger Hipster-Ansturm, aber auch kein selfie-schießender 18. Geburtstag. Ein paar Rasta-Locken, ein paar Undercuts, ein paar Langhaarige, ein paar 2mm-Glatzen - heute Abend ist alles da, was die Frisuren-Welt so hergibt.

Kleidungstechnisch ist "schlicht, aber schön" die Devise. Die Jungs tragen engere Hosen, zum Teil braune Chinos und dunkle V-Ausschnitt T-shirts. Das Publikum scheint sich in Sachen Schuhe in zwei Hälften zu unterteilen: die eine trägt Nike Airmax und Nike Free, egal ob Männlein oder Weiblein. Die andere Hälfte trägt Vans. Auch die Geschlechter-Aufteilung ist gut ausgewogen. Bei den Mädels sind bequeme High-Waits-Hosen im Acid-Washed-Style hoch im Kurs. Kombiniert mit einer stylischen schwarzen Seiden-Bluse ist das die perfekte Mischung für so einen Abend - dezent stylisch, nicht übertrieben. Der Nightlife-Guru ist happy. Den Altersdurschnitt zu beurteilen ist fast unmöglich, dazu ist es zu dunkel. Der Eindruck ist jedoch, dass der Großteil um die zwanzig Jahre alt ist.

Deko

Lampignons, Lampignons, Lampignons. In allen Farben hängen sie an der Decke verteilt und sorgen für eine super Athmosphäre. Die Daumen gehen hoch an den Freiburger DJ Tscherno, der sich um die Deko gekümmert hat.

Partyatmosphäre und Klangwaren-TÜV

Es ist ein atmosphärischer Abend, eine spannungsgeladene Party. Die Erwartung der Menge an den Künstler ist deutlich spürbar. Bevor Schlepp Geist anfängt wird nicht sehr viel getanzt, die jungen Menschen sind eher damit beschäftigt sich noch ein zwei Bier rein zu pfeifen.

Dann baut der Künstler seine Synthies und Drum-Computer auf und los geht’s. Die Menge bejubelt ihn, als er beginnt. Eins ist klar, die Leute, die heute Abend in der Flimmerkiste sind, kennen den Künstler und wissen was sie erwartet - und sie werden nicht enttäuscht. Schlepp Geist spielt ein nicht endendes Live-Set. Er zelebriert sich nicht selbst, er gibt einfach nur Gas und hat das Publikum von der ersten bis zur letzten Minute im Griff.

Es mag immer wieder behauptet werden Live-Sets seien reine Geldmacherei, aber Schlepp Geist beweist, was es heißt mit wenig Equipment eine rasante Show hinzulegen. Er beginnt mit etwas Down-Beat-House, langsam, tragend, melodisch. Dann steigert er sich über die erste Stunde hin zu tief-krachendem, etwas schnellerem House. Die Melodien werden dunkler und packender - sie passen damit gut in die Athmosphäre des Clubs, denn auch der ist relativ dunkel. Eineinhalb Stunden sind gespielt, als die ersten Techno-Elemente durch die zwei Turbo-Sound-Anlagen krachen. Die Hi-Hat zischt, die Vocals sind relativ melodie-frei, die Kick-Drum ist trocken und treibend.

Die Menge tobt vor den Drops, und tanzt was das Zeug hält. Nach zweineinhalb Stunden beendet der Rostocker Künstler sein Set. Der Nightlife-Guru ist durchgeschwitzt und halb taub auf den Ohren. So scheint es den anderen Feiermenschen auch zu gehen, doch wo man hinschaut, sieht man lächenlnde verschwitzten Gesichter.

An der Bar…

… wird man schnell und freundlich bedient. Die Getränke sind super gekühlt - sogar die Mate.

Auf dem Klo um halb 3…

...ist nichts los. Keine Schlange vor den Toiletten-Kabinen; alle sind am tanzen.

Aufheiterle

Schlepp Geist tanzt, während seines Live-Sets, mindestens genauso wild wie die Menge vor ihm. Wie er es schafft da noch die kleinen Knöpfe seines Synthesizer zu treffen, erscheint mir wie ein Wunder.

Aufregerle

Eine Garderobe muss es geben, egal ob es draußen 30 oder 5 Grad hat. Ich will meine Jacke nicht hinter der letzten Couch verstauen und den ganzen Abend über hoffen, dass keiner sie klaut.

Fazit

Die Idee, aus einem riesigen Techno-Club mit fünf Floors einen kleinen Liebhaber-Club zu machen, erscheint mir zwar immer noch nicht so ganz schlüssig, aber da es in Freiburg eh schon viel zu wenig Clubs gibt, kann man sich nicht beklagen. Das Konzept Flimmerkiste geht in jedem Fall auf. Die Party war klasse, das Publikum super, die Anlage zu laut und die Musik sehr, sehr fein. Der Nightlife-Guru ist happy - und das Freiburger Nachtleben um eine brauchbare Tanz-Möglichkeit bereichert.

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