Nightlife-Guru: Sea of Love 2009 am Tunisee

Nightlife-Guru

Etwa 7000 Menschen haben gestern laut Veranstalter am Tunisee gefeiert: die Sea of Love-Party erwies sich bei bestem Wetter als Tanzmagnet. Auch der Nightlife-Guru hat sich aufgemacht, um ein wenig Ekstase neben dem Autobahnhzubringer zu erleben. Seinen Bericht ergänzt eine große Fotogalerie.



Der Junge am Einlass

...trägt in weiser Voraussicht einen Strohhut. Seine Gästeliste ist etwa so dick wie das Telefonbuch von Hochdorf. Aber der Hutmann findet sich darin schnell zurecht. Später auf dem Gelände trifft man noch auf schwarzbehemdete Sicherheitsmänner, die aber einen relativ besonnenen Eindruck machen.



Außeneinrichtung & Deko

Das Seeufer ist weitgehend ungeschmückt und die Deko minimal gehalten. Da es sich um eine Freiluftveranstaltung handelt, legt auch niemand Wert auf Deko, sondern darauf, dass genug Platz da ist, damit man auch mal seine Bastmatte ausrollen kann zum Ausruhen. Den Sinn der riesigen Raucherlounge, einem aufgeblasenen Etwas, erschließt sich dem Betrachter nicht, kann man doch auch sonst überall rauchen. Aber vielleicht hat es etwas mit Werbung zu tun.



Wer war da?

Wiener, Berliner, Schweizer, Franzosen, Breisgauer, Brüste in zahlreichen Variationen (echte, falsche, kleine, große, hochgedrückte, hängende und so weiter), Robert Heart, Anthony Rother, Sonnenbrillen, Sonnenbrillen, Sonnenbrillen, Muskeln in unglaublichen Dimensionen, Tätowierungen ohne Ende (als Nicht-Tätowierter kommt man sich mittlerweile vor wie ein Aussätziger), Barfüßige, Flip-Floper, kleine und große Pupillen. All diese Erscheinungen verbindet der unbedingte Wille, Party zu machen.



Sieht man andererseits jenen sockenlosen Edelproleten, dessen Physiognomie auf das missing link zwischen den Lemuren und den Menschen hindeutet, kann man nicht glauben, dass er, wie sein T-Shirt sagt, die Oxford University besucht hat.



Klangwaren-TÜV und Partyatmosphäre

Das, was aus den Boxentürmen der Seebühne und der Zeltbühne rauskommt, bläst einen weg. Die Love-Beats bieten selbst noch vögelnden Pärchen im Mooswald einen unerhörbaren Soundtrack für ihr Liebesspiel.

Und die Anlieger des Tunisees, also Campingveteranen und Wohnmobilisten alter Schule, wissen ihren SWR4-Baden Württemberg-Transistor an diesem schwülen Sonntag großzügig übertönt von einem Display aktueller Technohits und ekstatischen Johlgeräuschen.



Die Partyatmo ist dementsprechend ausgelassen. Allein die Tatsache, dass jeder rumläuft, wie er gerade Bock hat (also oft in Badehose und Bikini), gibt der Sea of Love den Flair einer freizügigen Strandparty. Beim Tanzen im Zirkuszelt wird ordentlich Staub aufgewirbelt, so soll es sein. Oftmals schenken einem wildfremde Partybesucher ein aufgedrehtes Lächeln, bei dem man sich jedes Mal fragt, ob man gerade einen unheimlich guten Witz verpasst hat oder ob einem aus Versehen der linke Hoden aus der Badehose raushängt. Beides ist nicht der Fall.

Catering und Getränke

Das 0,33-Pils kostet satte 3 Euro und irritierend ist auch, dass die meisten Alkoholika billiger sind als Wasser. Das Personal an den Theken ist zwar freundlich, aber manchmal überbelastet. Dazu kommt das enervierende Bonsystem, das zweimaliges Anstehen erfordert. Weniger wäre mehr gewesen.



Auf dem Klo um halb sieben

Pinkelpilze vs Dixiklos: Bei den Jungs geht es meist schneller. Selbst in den Warteschlangen wird fröhlich gebaggert. Festival-Feeling.



Aufregerle

...ist für viele der Parkplatz der Firma Fortschritt im Hochdorfer Gewerbegebiet. Dort, wo früher Büromöbel verladen wurden, werden heute Partybesucher aus dem Rückfahrverkehr gezogen, und das nicht zu knapp. Diejenigen, die schon in einen Drogen- oder Alkoholbedingten Verkehrsunfall verwickelt waren, werden für diese polizeiliche Maßnahme Verständnis finden. Andere fühlen sich schikaniert. Die Stimmung der Kontrollierten ist naturgemäß angespannt.

Aufheiterle

Die unverkrampfte Show der Disco Boys. Es wurde ja kolportiert, die Discomöpsle seien heillos zerstritten. Zumindest bei diesem Gig wird davon nichts sichtbar. Gordon Hollenga gibt auf der Seebühne den Call on Me-mäßigen Vorturner, die meisten finden es lustig und machen mit.



Abrechnung

Man wünscht sich nach dem Besuch der Sea of Love 2009, dass dieses Gelände den ganzen Sommer über wochenends bespielt würde. Ein fettes Festival mit hervorragender elektronischer Unterhaltung und sehr gutem Preis-Leistungs-Verhältnis angesichts des Line-Ups. Thumbs Up!

Foto-Galerie: Dominic Rock (fotorock.de)

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