Nightlife-Guru: Laurent Garnier auf dem ZMF

Nightlife-Guru & Felix Herkenrath

Laurent Garnier, Techno-Gott sowie Rainer Trüby, Badens eklektischer Meister, hauten gestern Abend beim ZMF dermaßen auf die Pauke, dass vermutlich sogar die Wollschweine im Tiergehege hintendran die Tanzshow schoben. Eine Analyse unseres Nightlife-Gurus mit Fotogalerie.



Die Jungs an der Tür

...lächeln. Eine Frau war auch dabei, stempelnd.

Inneneinrichtung / Deko

Die Sitznischen im Spiegelzelt haben ein eigentümliches Flair: Zugabteil der Transsib meets Interieur einer Hansakogge; die Nischen heißen Singapore, Beijing und so weiter. Am Eingangsbereich des Zelts hängt das Schild "Magic Crystal". Ist das nicht ne Cannabissorte? Ha ja. Schön sind jedenfalls die root down-Visuals, die mitunter einen auf den Kopf gestellten Eiffelturm zeigen. Bienvenue, Monsieur Garnier!

Wer war da?

Der Mundschenk von der Nordtribüne am Zapfhahn, ansonsten: Barfußtänzerinnen, "gute, alte Partyleute aus der Regio", Backgroundmusiker von Roger Cicero und viele Chiller, die sich im "Magic Crystal"-Bereich ganz wohl fühlen. Das Spiegelzelt füllt sich leider nur halb. Mögliche Gründe: Regenschauer am Abend, 20 Ocken Eintritt.



Partyatmosphäre

Super. Kenner fühlen sich erinnert an die 19. Zeltsonne 2001, als Minus 8 an gleicher Stelle Zürcher Vinylgeschnetzeltes anrichtete. Schon damals hing man dicht in der Singapore-Nische, süffelte Glottertäler Eichberg und laberte Kaiserstühler Rebenqueens zu, um dann letztlich doch eine herbe Abfuhr einzufahren und den VAG-Nachtbus vollzukotzen.

Aber das nur am Rande. Garnier und Trüby, beide in weißen Turnschuhen, liefern ein grandioses Back to Back-Set, für den man gern mal nen Fuffi auf den Mixer knallen würde, nur, um den mitgeschnittenen Mix auf den Stick geladen zu kriegen. Der Holzboden vibriert, die Ausdruckstänzer haben eine gute Zeit. MC Pierre Piccarde aus Basel, bekannt von den Waldsee-Sessions, ist ein wenig zu überschwänglich am Mikro, spricht aber völlig zurecht von "Low-rand-Gan-iä-absolute-crazy-dance-music!"

Auf dem Klo um halb Vier

...zu dieser Uhrzeit ist hier natürlich schon längst Schicht. Aber um 0.30 Uhr brummts wie blöd vor den toitoi-WC-Containern hinterm Zelt. Wildpinkler werden gnadenlos bestraft: wer hinter dem ABC-Bauwagen für Kinder brunzen will, holt sich einen blauen Fleck am Oberschenkel wegen der tückisch langen und schlecht sichtbaren Anhängerkupplung.



Klangwaren TÜV

Wider erwarten verzichtet Garnier auf sein neuestes 12"-Vinyl, der "Back To My Roots" (auf Dixons "Innervisions" erschienen). Auch Fabrice Ligs "The Track" lässt der Mann aus Boulogne-Billancourt in der Plattentasche. Dafür bringt er altes Techno-Material aus dem Umfeld der "Belleville Three", Atkins/May/Saunderson. Houseklassiker gibts obendrein, aus dem Dunstkreis MAW, Shelter, (Un-)Restricted Access und Cajual.

Aufregerle

Als das Root Down Exclusive nach drei Uhr endet, sorgen eine Handvoll nerviger Druffies für ein wenig Rambazamba, das auch Security und Veranstalter auf den Plan ruft. Die Tunichtguts klettern über die Absperrung ans DJ-Pult, pfeifen und wollen Geld zurück. "Ich zahl doch nicht zwanzig Euro, dass diese Schwu*** nur bis drei auflegt" sowie "Laurent, du Scheiss-Schwu***" sind noch die anständigsten Sprüche. Peinlich.



Aufheiterle

Rainer Trüby ist immer noch der freundlichste Gastgeber der Freiburger DJ-Szene; und: Produktionsgott Laurent Garnier hüpft hinter den Decks auch nicht anders rum als die Anheizer von "Charly 2000".

Fazit

Daumen hoch, dieser Discofetz im Zirkusambiente hat Spaß gebracht!

Mehr dazu:


Foto-Galerie: Felix Herkenrath

Tipp: Wartet einen Augenblick, bis die Galerie komplett geladen ist. Ihr könnt euch dann ganz bequem jeweils das nächste Foto anzeigen lassen, indem ihr auf eurer Tastatur die Taste "N" (für "next") drückt.