Nightlife-Guru: Between the Beats in Denzlingen

Nightlife-Guru

Between The Beats – so heißt das Jazz-Festival, das am vergangenen Wochenende in - man höre und staune- Denzlingen stattgefunden hat. Unser Guru fühlt sich heuer eh' meist irgendwie älter, und hat sich furchtlos bei der Premiere der Jazzveranstaltung unter's Volk gemischt. Wie's war:





(Die Jungs) An der Tür

Eine Reihe freundlicher Damen winkt mich professionell durch. „Haben Sie das mit dem Herrn Wiesch ausgemacht?“ – „Ja“, antworte ich mal wieder wahnsinnig schlagfertig. „Sie kennen ihn?“ Jo, aber er mich nicht, ätsch. Der hat doch auch keinen blassen, wer jetzt als Nightlife-Guru durch sein Festival schwirrt, oder? Egal.

Jetzt nur noch an der Security vorbei. Die schaut in meinen Rucksack. Gut, was sollen sie auch anderes machen? Ich guck ja schließlich auch ab und zu rein. Hochprofessionell und einwandfrei machen die das. Das Bodenpersonal am Einlass zum Saal wirkt hingegen leicht desorientiert und überfordert. Würde mich sehr wundern, wenn da tatsächlich alle Eintrittskarten ins Blickfeld der durchweg netten und sympathischen CREW – so prangt es auf den schönen T-Shirts –gelangt wären.

Inneneinrichtung & Deko

„Kultur- und Bürgerhaus Denzlingen“– das klingt nach muffigem Kleinstadtpopanz. Doch was einen hier erwartet, ist eine Hammer-Deluxe-Location der Sonderklasse. Da wird sogar mal euer kleiner Guru, ja, ehrfürchtig vor so viel gelungener Architektur. Ein lang gestreckter Baukörper in Anthrazit mit leicht gebogenem Dach thront inmitten einer großen Grünfläche, dahinter liegt ein künstlicher See.

Die vier Räumlichkeiten Großer Saal, Kleiner Saal, Restaurant und Foyer sind in geometrischen Grundformen angeordnet. Draußen wechseln sich unter anderem Holzdielen und Kopfsteinpflaster ab, während drinnen im Foyer Natursteinboden grüßt und im Großen Saal, dem Ziel unseres heutigen Abends, edles Kirschholz die Wände verkleidet und Eichenparkett die Schritte dämpft. Im Foyer sind runde, mit weißem Stoff bespannte Stehtische verteilt, um die herum sich das Publikum gruppiert.

Die Festivalmacher waren klug genug, auf sämtliche Deko-Elemente zu verzichten; sie hätten den großartigen Raum nur verhunzt. Nur hinter der Bühne hängen riesige, raffiniert verschnörkelte Papiervorhänge, die in unterschiedlichen Farben angestrahlt werden. Um es mit Malia zu sagen: „That’s a very good place to be.“



Wer war da?

Ich erblicke ein im Großen und Ganzen gesetztes Publikum, Altersschnitt um die fünfzig, mit gehobenem Anspruch und lockerer Abendgarderobe. Wie bei derlei hochpreisigen Jazzkonzerten nicht anders zu erwarten. Doch einzelne Ausreißer nach oben und unten sind ebenso vertreten.

on Hoodyboys in kreischenden Farben bis hin zu cool angehauchten Jazzfans in stilvoll gedeckten Farben reicht das Spektrum. Auch ein paar hiesige Musiker erspähe ich in den Zuschauerreihen. Ganz hinten hat sich ein Gast ganz gemütlich der Länge nach auf einen Tisch gelegt. Auf einen Nenner gebracht: ein gänzlich unaufgeregtes Publikum, gesetzte Entspanntheit setzt sich und es geht los.

Klangwaren-TÜV & Partyatmosphäre



Die Festivalmacher Dennis Wiesch und Markus Muffler entern die Bühne. „Wir hatten gestern einen super Abend“ – und so soll es weitergehen. Malia aus London eröffnet das Double Feature mit Bar-Piano-Jazz, serviert von Schlagzeug, Kontrabass und Flügel. Über all dem schwebt ihre großartige Stimme und bringt den Sinatra-Klassiker „Angel Eyes“ genauso auf den Weg wie die vertonte Melancholie von Radioheads „No Surprises“.

Keine Weiße im kleinen Schwarzen, nein, eine große Schwarze im kleinen Weißen stakst etwas storchenhaft in Stiefeletten über die Bühne, hoch aufgeschossen, mit „naturpinkem“ Haarschopf (O-Ton Malia). Das Publikum feiert eine gesetzte Party mit immer wieder aufflackernden Begeisterungsstürmen und aufbrandendem Szenenapplaus. Praktisch die gehobene Arthouse-Variante einer „Party“.



Topstar Manu Katché lässt das Publikum den ersten Song per Fingerschnipsen einzählen. „Not too fast, but laid-back“, ermuntert der französische Schlagzeuger, dem ein Dauergrinsen ins Gesicht getackert ist. Manche recken die Hälse, um den Meister mit dicker Brille und beiger Schiebermütze hinter seiner metallic-knallig-roten Drumburg zu erspähen und sich daran zu laben, wie Katché mit diebischer Freude am Ende eines Klaviersolos seine Schläge dominant in den Vordergrund knüppelt, sonst nicht unbedingt seine Art.

Im nächsten Stück kontert der ADS-verdächtige Zappelpianist mit überfallartigem Anschlag. Der Flügeldeckel vibriert, und den Mann an den Tasten haut’s ständig vom (Klavier-)Hocker. Katché und seine Jungs verzaubern den mittlerweile gut gefüllten, drei Viertel vollen Saal. Der sitzt und liegt ihm und seinen Mitstreitern zu Füßen. Der Sound ist, wie es sich für ein derartiges Haus gehört, großartig. Nur ganz am seitlichen Rand echoen einige Geräusche von der hinteren Wand zurück.



Catering & Getränke

Gutes Catering, keine Schlangen, souverän und entspannt geht man hier zu Werke. Für ein Festival durchweg normale Preise: 2,50 Euro für das kleine Fürstenberg, 3 für den halben Liter Radler, Weizen oder Apfelschorle und 3,50 für den roten Spätburgunder. Für den kleinen Hunger bietet sich der Antipasti-Teller für fünfeinhalb Euro an.

Auf dem Klo (um halb zwo)

…war ich nicht. Bei den Temperaturen im Saal habe ich alles rausgeschwitzt. Der Rest floss in den Denzlinger Waldrand.

Aufregerle

„Ich rieche Feuer. Riechen Sie das auch?“, fragt Malia in die Runde, als sie den nächsten Song anstimmen will. Ja, schallt es vorne aus dem Publikum zurück. Sie: „Aber wir werden schon nicht sterben, oder?“ Nein, nein, wahrscheinlich hat sich nur jemand backstage 'ne Kippe angezündet.

Aufheiterle

Bevor Stardrummer Manu Katché, der schon bei Peter Gabriels Monsterhit „Sledgehammer“ trommelte, auftritt, schildert Dennis Wiesch, wie er vor Jahresfrist mit seinem Kompagnon bei Agenturen hausieren ging – mit nichts als einer Präsentation, der Location und der Idee eines neuen Festivals. „Wir haben mit allem gerechnet, aber nicht mit so einer Resonanz – dass gleich Katché zusagt.“ Der Rest ging dann fast von allein. Das hat auch das verschlossene Herz eines Gurus aufgewärmt und heiter gestimmt.



Fazit

Ein großartiges Festival mit fantastischem Line-Up und (altersmäßig) gehobenem Publikum in 1A-Location. Das Ganze möchte ich mir gerne nächstes Jahr bei bestem Sommerwetter ausmalen. Ich hoffe, die zweite Ausgabe ist gesetzt.

P.S. Als anschließende Afterhour konnte unser Guru die inoffizielle Eröffnungsfeier des Slow Club genießen – Freiburgs neuer Hotspot für Kunst, Kultur und Konzerte. Demnächst mehr dazu. Stay tuned!

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Foto-Galerie

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