Barkeeping

Neueröffnung: Das Mauerwerk in der Belfortstraße will die Bar-Kultur wiederaufleben lassen

Christoph Giese

Etwa ein halbes Jahr war an der Ecke Belfortstraße/Schnewlinstraße nicht viel los – bis das Mauerwerk Mitte Oktober seine Pforten öffnete. Der Nachfolger des Kiez 57 ist Café und Bistro, vor allem aber eine Bar, die die Kunst des Barkeepings zelebrieren will.

Das Ambiente

Als Betriebsleiter Dominik Slotty im Sommer die Räumlichkeiten das erste Mal betrat, waren sie schon komplett entkernt: "Es gab keine Decke und keinen Boden. Es war nur eine große leere Halle." Damit gab’s reichlich Platz, um Ideen zu verwirklichen. Wer das Lokal durch die Eingangstür an der Ecke Belfortstraße/Schnewlinstraße betritt, steht in einem weitläufigen Gastraum, der in seiner Gestaltung sehr reduziert wirkt. Slotty sagt, er habe bewusst auf diesen Minimalismus gesetzt.

Die weißen Wände kommen ohne viel Schnick-Schnack aus, die beiden gemauerten Theken werden an einigen Stellen als Thema wieder aufgegriffen. So prangt an der Wand zum abgetrennten Raucherbereich etwa Che Guevara in Maueroptik. Hinter der Getränketheke haben Slotty und seine Kollegen mit Hilfe von Freunden und Youtube-Tutorials Backstein-Bögen eingezogen. "Mein Opa war Maurer, ich glaube, das habe ich im Blut", sagt Slotty.

Das neue Team packte bei der Renovierung kräftig mit an, strich Fenster und schliff Tische ab. An die Vorgänger-Kneipe, das Kiez 57, erinnert im Mauerwerk nicht mehr viel – einiges wurde jedoch beibehalten, zum Beispiel die gemauerten Theken. Sie lieferten letztlich auch die Idee für den Namen der Bar. Auch die mit Plakaten beklebte Eingangstür ist dringeblieben, ebenso eine der Pole-Stangen auf der rechten Theke. "Das ist eine kleine Hommage ans Kiez. Wandel ist beständig, aber man kann auch Spuren hinterlassen."



Das Konzept

Das Mauerwerk ist eine Café-Bar. Slotty zieht den Vergleich zu einem französischen Bistro. Vor- und Nachmittags gibt es Kaffee, Waffeln und Sandwiches, gegen Abend liegt der Fokus auf dem Barbetrieb und dabei vor allem auf Cocktails. Slotty, der sich als klassischen Barkeeper bezeichnet, erklärt: "Cocktails machen ist eine Kunst. Es geht darum, die Aromen erkennbar zu machen und den Geschmack nicht mit Alkohol zu verschandeln." Im Mauerwerk will er daher die in Freiburg aus seiner Sicht verloren gegangene Bar-Kultur wiederbeleben. "Die Cocktails sollen fliegen, die Theke soll brennen. Wir wollen Dinge bieten, die man nicht einfach zuhause machen kann."

Auf lange Sicht wünscht sich der 37-Jährige daher auch einen DJ ins Mauerwerk. Doch natürlich bekommt man auch ein Bier oder ein Glas Wein. Wichtig ist Slotty: "Es ist kein Schicki-Micki-Lokal." Jedermann solle sich wohlfühlen können. Teil dessen sei, dass es keine erhöhten Loungemöbel gibt – alles finde auf Augenhöhe statt. "Ich hoffe, wir können hier ein Wohnzimmer-Gefühl schaffen", so Slotty.

Der Start unter Corona-Bedingungen

Dass das Mauerwerk in einer für die Gastronomie schwierigen Situation öffnet, weiß der 37-Jährige: "Es war uns bewusst, was wir tun und zu welcher Zeit." Immerhin macht es der große Gastraum leicht, die Abstandsregeln einzuhalten. Dass das Mauerwerk von der Stadt jedoch nur eine kleine Fläche zur Außenbewirtung zugesprochen bekam, findet Slotty sehr unglücklich. "Wir wollten zwei Parkplätze, haben aber nur einen bekommen. Im Verhältnis zur Ladenfläche ist das sehr wenig." Gerade mit Blick auf den Frühling werde das problematisch: "Wenn wir es so weit schaffen, dann sehe ich uns im Nachteil."

Auch die seit vergangener Woche geltende Sperrstunde sieht er kritisch: "23 Uhr ist eine Farce. Was machen wir denn falsch zwischen 23 und 3 Uhr?" Es sei frustrierend, da dieser Zeitraum der für die Existenz der Bar entscheidend sei. "Das ist die Zeit, in der es losgeht mit dem Geldverdienen." Dennoch blickt Slotty optimistisch nach vorne. Er will mit dem Konzept und gutem Service überzeugen. Für ihn ist dieser Start unter Corona-Bedingungen Einstellungssache: "Wenn, dann gehen wir mit wehenden Fahnen unter."

Der Betreiber

Slotty ist im Freiburger Nachleben kein Unbekannter. Der gelernte Hotelfachmann leitete einige Jahre lang den früheren Club Kagan am Hauptbahnhof. Nach einem Abstecher in einen Fitnessbetrieb, eröffnete er 2008 das Restaurant Stiefmütterchen. Nach einem Jahr kehrte Slotty zum Fitness zurück. In den vergangenen zehn Jahren arbeitete er für einen Automobilhersteller. "Mit der Gastronomie war ich eigentlich fertig", erzählt der 37-Jährige. Über einen gemeinsamen Bekannten entstand dann vor etwa drei Monaten der Kontakt zu Omar Zainel, Gastro-Großhändler und Inhaber des Mauerwerks. Slotty übernahm für den in der Gastronomie unerfahrenen Zainel den Aufbau des Lokals und konnte als Betriebsleiter seine Ideen umsetzen.

Das Angebot

Wie bei der Einrichtung des Gastraums setzt Slotty auch auf der Karte auf Übersichtlichkeit. Das Angebot soll simpel, aber qualitativ hochwertig sein. Auf der Speisekarte stehen vier Sandwiches und vier Salate – die auch bis nachts um 3 angeboten werden. Es gibt jeweils eine Variante mit Fleisch, eine mit Fisch sowie eine vegetarische und eine vegane. Zusätzlich bietet das Mauerwerk einen täglich wechselnden, veganen Eintopf oder eine Suppe an. Preislich bewegen sich die Speisen zwischen 5,40 Euro und 7,90 Euro.

Die Zutaten der Sandwiches und Salate sind fast identisch, um Lebensmittelabfälle so gering wie möglich zu halten. Nachhaltigkeit und Regionalität seien ihm wichtig, unterstreicht Slotty. Daher verwendet das Mauerwerk in Getränken statt Plastikröhrchen Nudeln und Metall-Trinkhalme. Auch die Getränkekarte ist übersichtlich, nicht überall stehen Marken und Hersteller dabei – das ist Konzept, denn die Beratung der Gäste bei der Getränkewahl sieht Slotty als Teil eines guten Service. Probieren ist dabei ausdrücklich erwünscht. Ein Cappuccino kostet 2,90 Euro, ein Pils (0,3l) 2,80 Euro und die Cocktails bewegen sich zwischen 6,40 Euro und 8,40 Euro.

Adresse

Belfortstraße 57, 79098 Freiburg

Öffnungszeiten

Mo – Do 9.00-1.00 Uhr
Fr – Sa 9.00-3.00 Uhr

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