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Neueröffnung: Crêpe & Apéro in der Wiehre

Alexander Ochs

Im ehemaligen Eiscafé Castaldi hat es im Sommer einen fliegenden Wechsel gegeben: Ein deutsch-französisches Paar hat das Kleinod an der Günterstalstraße in eine Mini-Crêperie umgewandelt.

Der Standort

Auf den ersten Blick scheint alles zunächst unverändert: In warmen Mattrottönen strahlt das kleine Häuschen, leicht nach hinten versetzt, zwischen den Alt- und Neubauten an der Günterstalstraße hervor, flankiert von Holztischen und -stühlen. Direkt gegenüber der Johanneskirche gelegen und nur wenige Gehminuten vom Martinstor entfernt, kann man das kioskähnliche Kleinod leicht übersehen; es wirkt ein bisschen eingepfercht und verloren zwischen den größeren Nachbarbauten. Ist es aber ganz und gar nicht. Nachdem Eismacher Nicola Castaldi im Mai ausgezogen ist, haben Lilli Junker und Anthony Martinez die Gelegenheit beim Schopf gepackt.

Das Ambiente

Schön gelegen, auch zentral, dennoch leicht versteckt. "Ein Freund von uns nennt es eine rare Perle", erzählt Lilli. "Aber sehr wetterabhängig", setzt sie hinzu. Denn trinken und speisen kann man nur im Freien auf der Terrasse an knapp zehn Tischen – in der leicht zugigen Passage sowie eine Etage tiefer, wo der Kronenmühlebach vor allem an heißen Tagen für zusätzliche Kühle und Frische sorgt. Eine Outdoor-Mini-Crêperie mit zwei Etagen – gibt es auch nicht überall. In der kühleren Jahreszeit hingegen nicht einfach zu bespielen. Doch da hoffen die Betreiber auf Schüler von gegenüber und darauf, dass viele sich was zum Mitnehmen holen.

Die Betreiber

Das deutsch-französische Paar ist seit Jahren schon mit mobilen Crêpe-Ständen bei Festivals, auf dem Weihnachtsmarkt oder Veranstaltungen aller Art in der Region unterwegs. Immer wieder liebäugelte Lilli, die ursprünglich aus Heidelberg stammt, mit der Idee, eine Crêperie zu eröffnen. Durch Zufall – die Beiden sind mit Nicola Castaldi befreundet – bekamen sie Wind von dessen Umzugsplänen. Obendrein war Anthony ungeplant länger weg. Statt eine Woche Heimaturlaub zu haben, hing er neun Wochen lang in Arles fest – wegen des Lockdowns in Frankreich. Dennoch lagen nur drei Wochen zwischen dem Besichtigungstermin des Objekts und der Eröffnung von Crêpe & Apéro, so der offizielle Name. Launiger Untertitel: Atelier sucré-salé, also so etwas wie Werkstatt für Süßes & Herzhaftes. "Ich hatte immer meine Zweifel, ob eine Crêperie als Restaurant in Freiburg funktioniert. Aber das hier ist so ein Zwischending", meint Lilli. "Das könnte funktionieren".


Die 47-Jährige und ihr Partner Anthony Martinez, 35, – den Altersunterschied sieht man ihnen nicht an – haben ihr kleines, feines Crêpe-Café Anfang Juni aufgemacht. Er stammt aus Arles, ist großer Fan der ebenfalls aus Arles stammenden Gipsy Kings und ihrer Musik, der Rumba Catalana. Der Liebe wegen kam er 2016 nach Deutschland, nach Freiburg, zu Lilli. Sein Deutsch ist noch recht ausbaufähig, aber das macht seine geheime Rolle als Vorzeigefranzose, der dem französischen Café die nötige Note an Authentizität verleiht, umso interessanter. Vorher hatte nur Lilli ihre Erfahrungen in der Gastronomie und vor allem in der Crêpe-Zubereitung gesammelt. Lustigerweise hat sie, die Deutsche, ihm, dem Franzosen, das Crêpemachen beigebracht.

Das Angebot

Die Betonung liegt ganz klar auf den süßen Crêpes aus Weizenmehl und den salzigen Galettes aus Buchweizenmehl. Die reichhaltige Karte umfasst rund zwei Dutzend Varianten vom Klassiker mit Zimt & Zucker für 2,50 Euro bis hin zum Deluxe-Crêpe mit Nutella, Banane und Baileys für 5 Euro. Die herzhaften Galettes kosten zwischen 4 und 5 Euro. Fast alle sind vegetarisch. Es gibt sie mit Emmentaler, Pilzen und frischen Kräutern (4,50 Euro) oder Ziegenkäse, Tomaten und Oliven (5 Euro). Nur die Highend-Version mit Lachs, Crème fraîche, Käse und Kräutern und schlägt mit 6 Euro zu Buche. Daneben werden auch (belgische) Waffeln mit süßem Belag angeboten.

Obendrein gibt es diverse Kaffeespezialitäten, so zum Beispiel Espresso und Café Noisette (mit Milchklacks) für 1,50 Euro oder Cappuccino, Latte Macchiato und heiße Schoki für 2,50. Der Kaffee stammt von Turm Kaffee, der ältesten Rösterei der Schweiz, und ist ebenso koffeinfrei zu haben wie auch mit Stevia gesüßt. Bei der Milch kommt nur die Schwarzwälder Biomilch (oder eben Hafermilch) in die Tasse, nein: ins Glas, denn alle Kaffeespezialitäten werden im Glas serviert. Das Mehl für den Pfannkuchenteig liefert die Jenne-Mühle aus Tiengen.

Der Knaller sind die Besonderheiten, die man bei anderen Crêpe-Ständen sonst kaum oder nirgends findet wie Crêpe mit Maronencreme (châtaigne) oder mit hausgemachter Zitronenbutter – ein Gedicht! Auch sehr fein ist die Galette Blanquette mit Ziegenkäse, Kräutern der Provence und Freiburger Stadthonig. Ebenfalls hausgemacht sind die Konfitüren wie auch das Pesto. Preislich ist das gesamte Angebot absolut fair, was in Freiburg auch immer mehr zur Seltenheit wird. Und: Das sympathische Gründerpaar gewährt sogar Taschengeldrabatt. "Wenn die Schüler alleine kommen, also nicht die Eltern zahlen, geben wir ihnen 50 Cent Rabatt", erläutert Lilli.

Die Pointe

"Ihr Teig ist wunderbar!", meinte neulich eine Kundin zu Anthony. "Man merkt, dass Sie aus Frankreich kommen!" Darüber hat sich vor allem Lilli gefreut. Denn es ist ihr Rezept, nach dem der Teig zubereitet wird. Auch wenn er, ihr Partner, den Teig an dem Tag zubereitet hat.
Öffnungszeiten:
Mo-Sa 11-19.30 Uhr
Sonn- und feiertags zu

Adresse:
Günterstalstraße 7
79100 Freiburg