Neuer Nutz in altem Putz (5): Peterhof

Nina Braun

Nahezu unbeachtet liegt der Peterhof heute zwischen Uni-Innenhof und Dönerbude. Dabei ist es seine Geschichte wert, sie zu kennen. Sie dreht sich um Weinfässer, Äbte, Preußens Militär und Charakterkunde. Davon wissen die DJs, die heute im Gewölbekeller auflegen, wahrscheinlich noch nicht so viel.



Alter Grund mit rieselndem Sand

Der Peterhof ist eines der ältesten Gebäude Freiburgs. Er setzt sich aus Vorderhaus, Flügelbau und einer kleinen Kapelle zusammen. Das Vorderhaus, das sich an der Niemensstraße entlangzieht, geht auf zwei direkt aneinander angrenzende Wohn- und Arbeitshäuser zurück. Sie werden aufs 12. Jahrhundert datiert, nur zwanzig bis dreißig Jahre nach Gründung des mittelalterlichen Städtchens, das seinen Kern bei Oberlinden hatte.

Der Besucher betritt durch den zum Uni-Innenhof hin gelegenen Eingang zunächst eine Art Vorkeller, durch den zwei kleine Treppen nach unten führen. Dann steht er zwischen alten Mauern: Große Pfeiler ziehen sich am Rand der steinernen Halle gen Decke. Vorne ist eine kleine Bühne aufgebaut. Kein Tageslicht dringt ein, es riecht ein bisschen modrig. Hin und wieder ein leises Rieseln. „Seit der Keller wieder genutzt und geheizt wird, sind Sand und Staub trocken geworden und lösen sich“, sagt Hausmeister Jürgen Vogel.



Rauchverbot begünstigt Partynutzung

Seitlich führt ein Notausgang nach oben. Früher wurden hier Weinfässer hinaufgezogen. Von der Bühne aus zieht sich der Keller mit großen Säulen nochmals ein gutes Stück nach rechts. Dort deuten Tische und Stühle auf die neue Nutzung hin: Seit der Sanierung 2003/04 finden hier Veranstaltungen statt, Empfänge und Hochzeiten, Jubiläums- oder Exzellenzfeiern.

Auch die Studenten haben den Keller nun für sich entdeckt: Laientheater, U-Asta-Party, Histofete – seitdem das Rauchverbot nicht mehr nur für die Universitätsgebäude, sondern ohnehin überall gilt, bieten sich die unterirdischen Räume für Partys und Aufführungen an. Ähnlich der hierfür früher gern genutzten MuDom Bar, wo dicke Lüftungsrohre an der Decke auf ihre ehemalige Funktion als Leichenkeller verweisen, sind auch im Peterhofkeller noch Spuren seiner Geschichte zu entdecken. Christliche Monogramme, Inri-Schriftzüge und Kreuze im Putz: Zeichen klösterlicher Vergangenheit.



Mönche, Schüler und Soldaten

1492 wurden die Gebäude vom Benediktinerkloster St. Peter aufgekauft, das dort fortan seinen Stadtsitz betrieb. Im 16. Jahrhundert wurde auf dem Hof eine kleine, freistehende Kapelle errichtet – „heute der schönste Renaissancebau Freiburgs“, so Kunsthistoriker Frank Löbbecke. Seit sie in einem großen Umbauakt ab 1730 durch einen Flügelbau mit dem Hauptgebäude verbunden und baulich integriert wurde, ist sie von außen als solche kaum noch zu erkennen. Seit 1960 wird sie von der orthodoxen Kirche genutzt.

Mit dem Flügelbau wurde der Peterhof zu dem zusammenhängenden Komplex, wie wir ihn kennen. Heute wirkt er ein bisschen verloren, fast eingeklemmt zwischen KG II und KG III. Früher, bevor die zugehörigen Scheunen und Stallungen 1957 den Universitätsgebäuden weichen mussten, beherrschte er das gesamte Areal zwischen Niemens- und Löwenstraße. Im Zuge der Säkularisierung wurde das Kloster 1806 aufgelöst, und das Gebäude wechselte in den nächsten eineinhalb Jahrhunderten mehrmals Besitzer und Bedeutung – unter anderem gastierten hier Bertholdgymnasium und das preußische Militär.



Schon zuvor, im 18. Jahrhundert, hatte der Keller im Wesentlichen seine heutige Gestalt erhalten: Erst dann war das Gewölbe gezogen worden. Noch heute ist an der Wand des ältesten Kellerstücks ein horizontaler Bruch in der Bauweise zu erkennen. „Ursprünglich verlief hier der Boden des Erdgeschosses“, sagt Löbbecke. Denn im 13. Jahrhundert waren die Straßen um das Gebäude knapp drei Meter aufgeschüttet worden, um das gleichmäßige Gefälle des Bächlesystems sicherzustellen. Die Erdgeschosse der umliegenden Häuser avancierten zu Kellern.

Gewölbe mit Weingeruch

Mit dem ursprünglichen Keller ergab sich so mit der Straßenaufschüttung die heutige Höhe der unterirdischen Räume und mit dem Bau der steinernen Pfeiler und Säulen wandelten sich diese dann endgültig zu Gewölbehallen. Der Umbau sollte gegen Feuer schützen – eine Maßnahme, die sich Jahrhunderte später schließlich auszahlte. Denn die Bombardierung der Stadt am 27. November 1944 zog auch den Peterhof schwer in Mitleidenschaft. Das Innere von Gebäude und Keller brannte komplett aus. An der Oberfläche blieb nur das Gerippe der Außenwände stehen.



„Im Grunde ist das eine Kriegsruine“, sagt Löbbecke und weist auf die Wände des Kellers. Hin und wieder ragen dort noch Holzstümpfe heraus, „Balkennester“, wie er sie nennt. Sie haben einst die hölzerne Decke im Inneren des zweigeschossigen Kellers getragen, der jahrhundertelang zur Weinherstellung genutzt wurde.

Diese Funktion behielt er bis ins Jahr 1994, zuletzt im Dienste der Weinkellerei Oberkirch. Oben in die Klosterräume zog nach dem Wiederaufbau 1960 die Universität ein, unter anderem das Institut für Psychologie und Charakterkunde.

Wo früher Abt und Mönche residierten, wird heute kommunikative Kompetenz gelehrt. Jürgen Vogel erinnert sich an die Zeiten, als somit quasi in der Universität noch Wein gegoren wurde: „Abgesehen von einigen Gerüchen bekam man aber kaum etwas davon mit. Hin und wieder wurde eben aus- oder eingeladen.“



Inzwischen nutzt die Universität den Keller selbst und nahm 2003/04 den vorerst letzten Umbau vor: Das Innere wurde modernisiert und für Veranstaltungen nutzbar gemacht. Die kleine Bühne dient seither wahlweise für Ansprachen oder für Aufführungen – oder eben einem DJ.

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