Frisch gebacken

Neuer Lieferdienst: Brezel-Taxi bringt Frühstück nachhause

Angela Woyciechowski

Ein neuer Frühstücks-Lieferdienst: Das Brezel-Taxi bringt am Wochenende Brötchen, Croissants und Co. vor die Tür. Bäckermeister Tobias Weber von der Meisterbäckerei Weber aus Herdern hat das Angebot, das ursprünglich vom Bodensee kommt, nach Freiburg geholt.

Der Wecker klingelt um zwei Uhr in der Früh in Freiburg. Es ist Sonntag und der Beginn eines normalen Arbeitstags für Tobias Weber. Der 40 Jahre alte Bäckermeister fährt mit dem Auto zu seiner Backstube in Herdern. Doch dort wird er nicht lange bleiben: Während andere Bäcker in der Backstube verweilen, zieht es ihn hinaus auf die Straße. Seine Mission: die Freiburger mit frischem Frühstück zu versorgen. Seit vier Wochen zieht er mit dem Brezel-Taxi seine Runden durch Freiburg und Umgebung und liefert frische Brötchen, aber auch Aufschnitt und Aufstriche in die einzelnen Haushalte.


Frische Brötchen und Brot

Als Tobias Weber die Tür zur Backstube öffnet, riecht es sofort nach frisch gebackenem Brot. Sein Bäckerkollege Fabian ist schon seit ein Uhr Nachts auf den Beinen und hat bereits frische Brötchen und Brot gebacken. Um fünf Uhr stoßen Sophia, ihr Mann Frank und Christoph dazu, um Tobias Weber und das Brezel-Taxi zu unterstützen. Die drei Helfer arbeiteten vor dem Lockdown in einem Restaurant, das aber momentan geschlossen ist.

Seit rund zwei Wochen helfen sie Tobias bei seinem neuen Projekt. Sie packen die Tüten mit den Bestellungen fürs Brezel-Taxi und liefern diese mit dem Auto aus. In der Regel setzt der Bäckermeister pro Schicht drei Personen ein, die die Backwaren herrichten und liefern.



Brezel-Taxi liefert mehr als nur Brötchen

Heute haben 80 Haushalte bestellt. Das sind rund 1000 Brötchen. Der Bestellprozess ist einfach: Wer Brötchen beim Brezel-Taxi bestellen möchte, wählt bis 19 Uhr am Vortag über den Online-Shop die gewünschten Sorten aus. Wer gleich ein ganzes Frühstück möchte, kann sich auch noch hausgemachte Konfitüren, Aufschnitt und Milchprodukte dazu aussuchen. Das alles wandert dann in den Warenkorb. Bis auf eine Lieferpauschale entsprechen die Preise denen im Supermarkt. Es gibt keinen Mindestbestellwert, aber eine Lieferpauschale von 2,60 Euro. Zahlen kann man mit Paypal, Sofortüberweisung über Klarna, Giropay oder Kreditkarte. Am nächsten Morgen, also Samstag oder Sonntag, bekommt man seine Waren zwischen sechs und neun Uhr zugestellt.
"Ich finde es schön, das Ergebnis gleich zu sehen. Man macht etwas, und drei Stunden später hat man ein schönes Brot in der Hand." Tobias Weber
Um sieben Uhr fährt Tobias Weber los: Die heutige Route führt den Bäckermeister und sein Team unter anderem nach Ebringen, Kirchzarten, Sölden, Wittnau, Umkirch und in diverse Freiburger Stadtteile. Sein Lieferdienst ist ein Ableger des überregionalen Unternehmens "Brezel-Taxi", das zuerst in Konstanz und Überlingen lieferte und sich dann auf andere Städte ausweitete, inzwischen wird in neun Regionen ausgefahren. Es gibt noch andere Backwaren-Lieferdienste in Freiburg und auch deutschlandweit hat sich das Konzept in den vergangenen Jahren etabliert: Frühstückszwerge, Brötchenburschen oder Express-Brötchen sind jedoch alle noch ohne Ableger in Freiburg.

Gründer stärken regionale Unternehmen

Die Philosophie des Brezel-Taxis ist vor allem, kleine Handwerksbetriebe zu unterstützen, die Wert auf Regionalität legen. Die Bäckereien werden hinsichtlich ihres Shops, dem Routenplaner, Social-Media und Werbung von den Gründern unterstützt. Als Gegenleistung firmiert der Bäcker als Brezel-Taxi und zahlt eine Provision an die Gründer.

Aus der Kurzarbeit rauskommen

Tobias Weber ist sehr zufrieden mit dem Wachstum des Lieferdienstes: "Von Woche eins zu Woche vier haben wir vervierfacht und das nur mit Social-Media". Die Macht von Social-Media habe ihn völlig überrascht, sagt er. Für ihn ist der Frühstücks-Service gerade in der Pandemie ein geeignetes Mittel, um aus der Kurzarbeit rauszukommen. Zwar habe man einen Umsatzeinbruch von 50 Prozent, aber eine Unterstützung bekäme er nicht vom Staat, sagt der Bäcker. Wenn es allerdings so weiterginge mit dem Wachstum, könne er auch zukünftig, nach dem Lockdown neues Personal, also neue Fahrer oder Werkstudenten einsetzen.

Ein weiteres Ziel sei auch, einen zweiten Partner zu finden, mit dem er sich die Arbeit teilen kann. Außerdem arbeitet Weber gerade daran eine geeignete Verpackung zu finden, mit der er auch gekühlte Waren, wie Käse, anbieten kann.
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