Neue Polizeiuniformen: "Praktisch, aber unzeitgemäß"

Aljoscha Harmsen

Blau - an dieser Farbe soll man in Zukunft die Polizei in Baden-Württemberg erkennen. Es steht nämlich ein Farb- und Designwechsel der Uniformen an. "Zu militärisch, zu unpraktisch" findet die Gewerkschaft der Polizei (GDP) die neuen Uniformen und nennt die Landesregierung unfähig. fudder hat Freiburger Polizisten nach ihrer Meinung dazu gefragt und auch mit Bekleidungs-Experten über die neuen Polizei-Blaumänner gesprochen.



"Nicht nur, dass die Uniformen zu militärisch und unpraktisch sind, sie erschweren auch noch die Unterschdung privater Sicherheitsdienste von der Polizei", sagt Josef Schneider, Landesvorsitzender der GDP. 92 Prozent der Polizeibeamten hätten sich bei einer Umfrage gegen einen Farbwechsel ausgesprochen. Schuld an der Einführung ist eine EU-Richtlinie, die die Farbe der Polizei in Europa vereinheitlichen möchte. "Das Kabinett hat dem Farbwechsel am 10. Juli vergangenen Jahres zugestimmt", erklärt Thomas Bastian, Mitarbeiter des Innenministeriums von Baden-Württemberg.

Bis zum Jahr 2011 soll das Erscheinungsbild der Polizei einheitlich blau sein, und ab Juli diesen Jahres wird es einen Trageversuch geben. "Mindestens sechs Monate dauert er, damit er noch in die kalte Jahreszeit hineinreicht, um die Kälteschutzkleidung zu testen." Einen weiteren Grund für die Umstellung auf Blau findet Bastian in der Farbenpsychologie. Dort gilt Blau als Farbe der Ordnung.

Berndt Wittmeier
, Bezirksvorsitzender der Polizeigewerkschaft in Freiburg, ist weniger kontrovers als sein Kollege Schneider: "Es ist ein politischer Beschluss, dass auf blau umgestellt wird, daran können wir nichts ändern." Er und seine Kollegen hätten lieber Jeans statt gebügelten Hosen. Besonder schlimm sei auch, dass die Lederjacke möglicherweise wegfalle, wenn im Test die Multifunktionsjacke besser abschneide, aber dafür seien die neuen Uniformen funktionell besser.

"Schneider reitet zu sehr auf dem Wort 'militärisch' herum", findet Wittemeier. Er teilt den Vorwurf des Landesvorsitzenden nicht. Auch, weil es zwei verschiedene Uniformen gibt, eine Arbeits- und eine Repräsentationsuniform. "Der normale Polizist bekommt die repräsentative gar nicht, die ist nur für die Führungsebene gedacht, sagt Wittemeier."

"Die Uniformen haben sich seit Ende der 70er Jahre nicht mehr verändert. Die neuen sind funktioneller, weil sie Softfshelljacken mit Goretex haben, besseren Tragekomfort durch die herausnehmbaren Teile bieten, und weil man in den Kargohosen mehr mitschleppen kann." Polo-Shirts und Basecaps hätten die Freiburger auch gerne gehabt, aber die wird es vorerst nicht geben. "Wir setzen uns dafür ein, dass sie doch noch kommen, denn es gibt sie für Polizisten auf der ganzen Welt, nur nicht hier."



Ganz verzichten müssen die Beamten möglicherweise nicht darauf. "In Einsatzhundertschaften könnten Basecaps das Barrett ersetzen und das Polo-Shirt ebenfalls getragen werden", erklärt Bastian. "Die Freiburger Position ist, dass wir Basecaps unterstützen, aber im Großen und Ganzen nehmen wir die neuen Uniformen hin", so Wittemeier. In Baden-Württemberg werden für den Trageversuch 200 Uniformen ausgegeben; die Polizeidirektion Freiburg bekommt fünf.

Gerolf Hummel erster Eindruck von den Uniformen erinnert ihn an eine Musikkapelle. Er ist auf Textil- und Bekleidungsindustrie spezialisierter Unternehmensberater der Exclutex Consulting GmbH in Denzlingen. Kirstin Hochwald ist Einkäuferin des Modehauses Kaiser und sah auf den ersten Blick eher einen Marineoffizier.

"Die Farben passen sehr gut zum nordeuropäischen Typ", findet Hummel, "aber die Schultern sind zu stark betont, das wirkt eckig und unfreundlich." Insgesamt ist ihm der Stil zu streng, zu unsportlich und einen Fehler sieht er auch noch: "Das Wappentier auf dem Landeswappen ist nach links orientiert, in der Stickerei aber nach rechts."

"Sehr funktionell, sauber und streng, aber ich finde, die Streife sollte etwas lässiger aussehen, damit mehr Bürgernähe entsteht", sagt Hochwald. "Die Streifen auf der Kleidung wirken wie aus einem Guss." Beide finden die neuen Uniformen gelungener als die vorherigen. Aber sie vermissen ein Basecap, ein Strickoberteil für Damen und einen Pullover. "Zu wenig sportiv und casual und nicht zeitgemäß", urteilt Hummel, "Kargohose und Tuchjacke passt gut. Insgesamt besser als vorher, aber mit Abstrichen bei der Umsetzung", findet Hochwald.

Die Farbe der Polizeiuniformen wird nicht zum ersten Mal umgestellt. Mitte der 70er Jahre passte sich Baden-Württembergs Polizei den anderen Landespolizeien an und stellten von Blau auf Grün um. Einige Polizisten werden also zum zweiten Mal einen Farbwechsel miterleben.



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