Ostertraditionen

Nachgefragt: Wie feiern andere Länder eigentlich Ostern?

Selma Leipold

Eier verzieren und Schokohasen essen: Ostern steht vor der Tür. Aber wie wird das Fest anderswo gefeiert? Wir haben Freiburger aus verschiedenen Ländern und Kulturen nach Ostertraditionen gefragt.

Dänemark

Laura Jensen, 21, macht eine Ausbildung zur Krankenpflegerin: "In Dänemark ist Ostern ein Familienfest. Man färbt zusammen Eier, dekoriert das Haus mit Zweigen aus dem Garten und viele dekorieren auch mit Porzellaneiern, die von der königlichen Porzellanfabrik hergestellt werden. Man sucht in Dänemark an Ostern keine Eier und der Osterhase spielt auch keine Rolle. Am påskefrokost, also am Ostern-Mittagessen gibt es traditionell Hering als Vorspeise und dann kalte und warme Gerichte, nämlich Leberwurst, Frikadellen und Lamm. Man trinkt dazu Osterbier, das ist stärker als normales Bier und wird extra zu Ostern jedes Jahr gebraut. Außerdem gibt es noch eine Tradition, die ich echt süß finde! Es gibt den "gækkebrev", das ist ein Rate-Osterbrief, mit traditionellen Osterversen und einem Schneeglöckchen. Der Brief endet immer mit dem Satz "Mein Name steht mit Pünktchen", wenn man den Absender erraten kann, bekommt man von demjenigen ein gefülltes Osterei, wenn nicht muss man selbst dem Absender ein Osterei schenken."

Türkei

Oya Kizil, 25, studiert Medienmanagment: "In der Türkei feiert man kein Ostern wie hier in Deutschland, weil es eben ein christliches Fest ist. Es gibt aber auch im Islam eine Fastenzeit und ein Fest zum Brechen der Fastenzeit. Das ist das Zuckerfest im Mai, also "Ramazan Bayrami" auf Türkisch. Das findet am Ende des Fastenmonats Ramadan, der im April ist, statt. Ich selbst faste nie, ich habe es nur mal zwei Tage ausprobiert als ich in der Türkei war und viele Freunde gefastet haben. Ramazan Bayrami selbst haben wir aber immer gefeiert. Man besucht traditionell die Älteren, also Oma, Opa, Tante, Onkel und so weiter, aber auch türkische Freunde. Und die Älteren beschenken dann wiederum die Jüngeren, man bekommt zum Beispiel Süßigkeiten, Kleidung oder auch Geld. Und vor allem gibt es natürlich immer sehr viel leckeres Essen und es ist einfach eine schöne Zeit mit Freunden und Familie."

Kroatien

Lara B., 20, studiert Medienwissenschaften: "Vor Ostern färben wir die Eier traditionell mit roter Zwiebelschale und nicht mit künstlichen Farben und machen Pflanzenabdrücke auf die Eier. Damit schmücken wir dann das Haus. Ostersonntag gehen wir morgens mit der Familie in die Kirche und bringen einen Korb mit dem Osteressen mit, den wir dann in der Kirche segnen lassen. Danach bleiben wir immer noch etwas bei der Kirche, wo wir Bekannte und Verwandte treffen und uns frohe Ostern wünschen. Zurück zu Hause gibt es dann ein großes Osteressen mit Familie und Freunden. Wir essen immer Lammbraten, selbstgebackenes Brot und Schinken und Speck und trinken traditionell Rotwein. Außerdem gibt es immer "Orahnjača", "Makovnjača" und "Sirinca", das sind alles Gebäcke.
Nach dem Essen machen wir immer einen kleinen Wettbewerb, bei dem man die Eier gegeneinanderschlägt und das Ei, das keine Risse bekommt, ist dann das Gewinner-Ei. Das Eiersuchen ist bei uns allerdings keine Tradition."

Indien

Miena Heckle, 21, studiert FrankoMedia und Italienisch:
"Ostern gibt es im Hinduismus, also auch in den größten Teilen Indiens nicht. Unsere Götterwelt ist eine ganz andere, wir haben nicht wie im Christentum einen Gott, sondern mehrere Millionen Götter. Dadurch gibt es bei uns auch nicht dieses eine zentrale Ereignis, wie im Christentum die Auferstehung Jesu. Durch die vielen verschiedenen Götter haben wir deshalb auch sehr, sehr viele Feiertage. Es ist aber schwer, die in Deutschland wirklich zu feiern, da es hier keine Tempel gibt. Wir haben auch keine konkrete Fastenzeit, wie es in der Zeit vor Ostern der Fall ist. Es gibt aber verschiedene einzelne Tage im ganzen Jahr, an denen man fastet und zum Beispiel kein Fleisch isst. Im Hinduismus glaubt man an die Wiedergeburt, man fastet deshalb, um Strafen für begangene Sünden zu reduzieren."

Äthiopien

Johannes Assefa, 25, studiert Mathematik: "Ostern in Äthiopien ist ein religiöses Fest, bei dem nicht nur die Familie, sondern auch entferntere Verwandtschaft und Bekannte zusammenkommen. In den 55 Tagen vor Ostersonntag wird gefastet, man isst keine tierischen Produkte. Beim Osterfest steht dann dementsprechend, neben dem religiösen Part der äthiopisch-orthodoxen Kirche, wo die Auferstehung Jesu gefeiert wird, das Fleisch im Mittelpunkt. Manchmal kaufen wir sogar ein ganzes Lamm, wenn genug Leute kommen. Man isst traditionell zusammen von einem großen Teller mit den Händen auf einem "Mesob", das ist ein korbgeflochtener Tisch. Es gibt immer äthiopischen Sauerteigfladen (Injera) mit verschiedenen Soßen. Danach gibt es eine Kaffeezeremonie, bei der der Kaffee geputzt, geröstet, gemahlen und dann aufgegossen wird. Für das Heimatgefühl tragen die Frauen dazu manchmal "Habesha", also traditionelle Kleider und Gewänder aus Äthiopien. Außerdem gibt es Weihrauch in der Luft. Essen und Kaffee zusammen kann schon mal einen halben Tag dauern, wobei das Essen abends direkt weiter geht, wenn man wieder hungrig wird."

Israel

Miriam Suissa, 22, studiert Sonderpädagogik: "Israel ist ein jüdisches Land, das heißt, wir feiern kein Ostern. Im Christentum wird Ostern mit Pessach gleichgesetzt, das ist das größte Fest im Judentum. Da feiert man den Auszug der Israeliten aus der ägyptischen Sklaverei. In christlichen Ostergottesdiensten wird sogar häufig an dieses Ereignis erinnert. Der Sederabend ist der Abend, an dem man feiert. Danach beginnt die Pessachwoche, von Ende März bis Anfang April. In dieser Zeit darf nichts Gesäuertes gegessen werden, man isst deshalb nur Matze, das ist ein bisschen wie Knäckebrot. Das Fasten in der Pessachwoche nennt man auch "Kosher für Pessach".

Der Sederabend ist immer ein sehr schöner Abend. Im Judentum gilt bei Festen generell je mehr Leute, desto besser. Wir feiern immer mit der Familie und mit Freunden, es wird gesungen, die Haggadah wird vorgelesen und es gibt den Seder-Teller, da liegen bestimmte traditionelle Speisen drauf, wie zum Beispiel bittere Kräuter, die für die Bitternis der Sklaverei stehen.
Man feiert natürlich auch oft in der Synagoge, aber ich feiere es am liebsten zu Hause mit Freunden und Familie."