Nachgefragt: Dieter Hildebrandt - Faltig, aber vielfältig!

Felix Rohrbach & Leona Cordi

Das Flaggschiff des deutschen Kabaretts, Dieter Hildebrandt, zu Gast bei "Nachgefragt". Dieter Hildebrandt, dem man sein fortgeschrittenes Alter nicht anmerkt, begeisterte das Publikum wie auch die Moderatoren, Clara Koller und Jacob Hess, mit Charme, Wortwitz und einer gehörigen Portion Ironie. Doch sparte er ernste Themen wie den Tod seiner ersten Ehefrau oder die Erlebnisse während des Krieges nicht aus.



„Gibt es Liebe auf den ersten Blick?“ fragt Moderatorin Clara den Altmeister des deutschen Kabaretts mit einem bezaubernden Lächeln. Natürlich, so Hildebrandt, denn bereits zweimal hat er „le coup de foudre“ am eigenen Leib erfahren. So erzählt er bereitwillig von der ersten Begegnung mit seiner damals zukünftigen Frau Irene. Aber schon kurze Zeit später wird der lustige Dieter zum nachdenklichen Hildebrandt, der von der langjährigen und schmerzvollen Krebserkrankung seiner verstorbenen ersten Ehefrau erzählt. In ihrem Fall sieht Hildebrandt den Tod als Erlösung. Trotz dieser Erfahrungen bewahrt er sich seinen Witz und ist auch der Ansicht, dass der Tod keine Grenze für das Kabarett darstellt.

In einem eigens für ihn hergerichteten Abteil der Deutschen Bahn gibt Dieter Hildebrandt offen kund, dass er 1. Klasse fahre. Auf die schnippische Nachfrage von Clara Koller, ob er diesen Luxus denn mit seinem sozialdemokratischen Gewissen vereinbaren könne, antwortet er : „Ich habe kein sozialdemokratisches Gewissen, ich habe nur ein Gewissen.“

So unterstützt er offenkundig den Streik der Lokführer und wertet die erkämpften 11 % Lohnerhöhung als kleinen Sieg über „Blähdorn“, wie er den Chef der Deutschen Bahn liebevoll nennt. Im weiteren Verlauf der Show wettert er über Frau Merkel, Erwin Huber und Co. – denn Dieter Hildebrandt beharrt auf dem Recht auf freie Meinungsäußerung. Weder Denkpausen noch humorlose und angepasste Intendanten machen den Wahl-Waldperlacher mundtot!



Mit viel Witz und Charme erzählt er von seiner Hochzeit mit Irene, die „katholisch und betrunken“ stattgefunden hat. Nie habe er gedacht, dass eine Trauung in einer katholischen Kirche so lustig sein könnte. Das zahlreich erschienene Publikum scheint seine Meinung zu teilen und belohnt ihn mit viel Applaus.

Hildebrandt, der als Kind auf einem Bauernhof in Schlesien aufgewachsen ist, hat schon während seiner Schulzeit viele Lacher geerntet: So galt der begeisterte Fußballspieler als „Praktiker der Ausreden“, denn er war um fantasievolle Vorwände fürs schulische Zuspätkommen nie verlegen.

Politischer Ausdruckswille und die Lust am Spielen brachten den ehemaligen Regenschirmverkäufer und Platzeinweiser zum Kabarett, dem er noch viele Jahre treu bleiben möchte. Auf die Frage, was er von der Jugend erwarte, hat er nur wenige Ratschläge für uns: Mut, Ausdauer und gute Hoffnung auf eine Zukunft!

Hildebrandts Vitalität und Bühnenpräsenz sind die besten Beweise dafür, dass wir uns seine Ermunterungen zu Herzen nehmen sollten!



Mehr dazu:

fudder.de: Nachgefragt

Foto-Galerie

Tipp: Wartet einen Augenblick, bis die Galerie komplett geladen ist. Ihr könnt euch dann ganz bequem jeweils das nächste Foto anzeigen lassen, indem ihr auf eurer Tastatur die Taste "N" (für "next") drückt.