Freiburg

Nach welchen Kriterien beurteilen Weihnachtsmarktbesucher ihren Glühwein?

Rahel Schneider

Nach dem Glühweintest auf dem Freiburger Weihnachtsmarkt durch Fachjury und Labor hat die BZ Alteingesessene und Erstbesucher der Flaniermeile befragt – mit ganz unterschiedlichem Geschmack.

Beim großen BZ-Test auf dem Freiburger Weihnachtsmarkt konnten nur die beiden Glühweine der Alten Wache und des Vereins Tuniberg-Wein geschmacklich überzeugen. Eine Analyse im Labor des staatlichen Weinbauinstituts erbrachte für die beiden Testsieger hohe Werte für die Geschmacksträger Alkohol und Zucker. Dass es für "normale" Glühwein-Genießer auch durchaus andere Kriterien gibt, sich für ein bestimmtes Produkt zu entscheiden, zeigt eine Umfrage an den Ständen.

Süß oder nicht süß?
Schon am Nachmittag bilden sich die Menschentrauben vor den zehn Glühweinbuden, die rund ein Sechzehntel des Angebots auf dem Weihnachtsmarkt ausmachen. Roland Kaltenbach betreibt ein Fitnessstudio direkt gegenüber dem Weinbauinstitut an der Merzhauser Straße und trinkt seinen Glühwein schon seit Jahren bei Faller, dessen geschmackliche Qualität ihn überzeugt. Die Bewertung der BZ-Fachjury verwundert ihn, er empfindet den roten Glühwein der "Alten Wache" als zu süß. Er werde weiterhin seinen Wein bei Faller kaufen, denn "man darf nicht alles glauben, stattdessen sollte jeder selbst probieren und sich eine Meinung bilden."


Eine Studie, die den Glühwein über einen längeren Zeitraum untersucht, hält er für eine geeignete Maßnahme. Dadurch würde die Motivation der Betreiber steigen, mehr Wert auf gute Qualität zu legen.

Viele Freiburgerinnen und Freiburger seien schon seit vielen Jahren von der Qualität des Glühweins der "Alten Wache" überzeugt, meinen dagegen Gerda und Norbert Degener. Die beiden Rentner schätzen den Stand, der jetzt am Rotteckring steht. Denn da "wissen wir, was wir bekommen." Die gute Qualität rechtfertige ebenso den Preis, der 50 Cent über dem Angebot der meisten anderen Anbieter liegt.

Hauptsache regional
Die Immobilienabteilung des Erzbischöflichen Ordinariats geht einmal im Jahr gemeinsam auf den Freiburger Weihnachtsmarkt – natürlich außerhalb der Arbeitszeit. Bei der Auswahl des Glühweins legen sie besonderen Wert auf die regionale Herkunft der Weine, so Referatsleiter Claus Jilg. "Wir unterstützen die lokale Wirtschaft, denn ein Großteil der Winzer leistet sehr gute Arbeit" meint auch sein Kollege Gerhard Beha. In erster Linie gehe es jedoch um die Förderung der Gemeinschaft.

Schöne Atmosphäre
Dieser Meinung sind auch die sieben befragten Schweizer Touristen. Sie suchen sich den Glühweinstand aus, bei dem die Atmosphäre rund herum stimme, so Phyllis Rüegger. Dies sei bei dem Glühweinverkäufer "Bure Hus" der Fall, der inmitten der anderen Stände auf dem Rathausplatz liegt. Nicht nur geschmacklich sei der Glühwein hier sehr gut, auch die große Auswahl an unterschiedlichen Weinsorten sei sehr attraktiv.

Für Alric Kauz und Carmen Schinke aus Freiburg ist der Alkoholanteil des Glühweins kein Auswahlkriterium, denn "jeder hat halt andere Vorlieben". Die Entscheidung, welcher Glühwein am besten schmecke, könne nur rein subjektiv getroffen werden.

Fazit
Letztlich verlassen sich die meisten der Befragten auf ihre Geschmacksnerven, wenn es um die Wahl des richtigen Glühweins geht. Atmosphäre, Auswahl des Angebots und die Herkunft der Weine spielen ebenfalls eine Rolle bei der Entscheidung. Bis zum 23. Dezember kann an allen Ständen auf dem Weihnachtsmarkt mit großem Andrang gerechnet werden. 600 000 Besucher verzeichnet die Freiburg Wirtschaft Touristik Messe GmbH zur Halbzeit – das entspricht einer Steigerung von 30 Prozent im Vergleich zu 2018.

Mehr zum Thema: