fudder fragt nach

Moritz von Fridays For Future Freiburg: Wie geht’s und wie geht’s jetzt weiter?

Maya Schulz

Wie verbringen die Menschen in Freiburg die Krise? Was macht es mit ihnen und wie lenken sie sich ab? fudder fragt bei Studierenden, Sportlern und Selbstständigen nach. Folge 11: Moritz Schmidt von Fridays for future.

Seit über einem Jahr engagiert sich Moritz Schmidt, 17, bereits für die Fridays-For-Future-Ortsgruppe Freiburg. Durch die Schule ist er auf FFF aufmerksam geworden und hat dann selbst weiterrecherchiert. Er findet es schade, wenn die eigentlichen Ziele der Bewegung hinter dem Gedanken, die Schule schwänzen zu können, verblassen. Wie sich die Covid-19-Pandemie auf Fridays for Future ausgewirkt hat und wie es jetzt weitergeht, berichtet Moritz im fudder-Interview.

Moritz, wie geht es dir?

Mir geht es ganz gut, zurzeit bin ich etwas gestresst, weil bei Fridays for Future gerade recht viel los ist und der Laden wieder in Schwung kommt. Aktuell bin ich außerdem aktiv in der Kommunalpolitik, wo wir gerade dabei sind, neue Forderungen an die Stadt zu formulieren.

Hast du dich durch Fridays for Future verändert?

Auf jeden Fall! Bevor ich mich für FFF engagiert habe, war ich sehr schüchtern und zurückhaltend. Aber seitdem ich Mitglied der Ortsgruppe bin, bin ich viel offener und habe mich viel mehr Dinge getraut. Nach den Demos bin ich auch schon mal ziemlich heiser, weil ich viel durch das Megaphon spreche. Es geht vor allem darum, sich aus seiner Komfortzone herauszuwagen. Dazu hat für mich auch gehört, mich viel intensiver mit der Klima- und Umweltfrage auseinanderzusetzen als das im rein schulischen Rahmen für mich möglich war.

Wie hast du die letzten Monate verbracht?

Während der Lockdown-Phase habe ich sehr viel Zeit in der Natur verbracht und bin spazieren gegangen. Daneben hatte ich Online-Unterricht, der auch etwas anstrengend ist, weil viele Lehrer unser Arbeitspensum noch nicht richtig einschätzen können. Außerdem kann es ganz schön herausfordernd sein, einfach eine Aufgabe vorgelegt zu bekommen, ohne wirklichen Input dazu zu bekommen.

Wie hat sich die Krise auf Fridays for Future Freiburg ausgewirkt?

Zunächst einmal wurde unsere für den 3. April geplante Großdemo, für die wir schon sehr viel vorbereitet hatten, abgesagt. Regelmäßige Events wurden generell unmöglich bis sehr schwer umsetzbar. Da hatten wir natürlich auch mit Frustration zu kämpfen, gerade weil wir schon so viel Energie in die Planung gesteckt hatten. Außerdem konnten wir auch keine realen Treffen zur Organisation durchführen und sind daher auf Kommunikation über Videokonferenzen umgestiegen.

Durch die Zeit, die wir dadurch gewonnen haben, dass einfach weniger stattgefunden hat, konnten wir unsere Strukturen intern erneuern und unseren Online-Auftritt überarbeiten. Ansonsten hat die Krise auch die Chance für uns bedeutet, neue Aktionsformen auszuprobieren. So haben wir zum Beispiel anstelle der Großdemo Anfang April eine Radiosendung für Radio Dreyeckland gemacht oder uns an der Plakat-Aktion im Rahmen des "Netzstreiks für’s Klima" in Berlin mit rund 200 Schildern aus Freiburg beteiligt. Es gab die bundesweite Webinar-Reihe "Wir bilden Zukunft", bei der einige bekannte Aktivist*innen Vorträge gehalten haben, die man sich immer noch ansehen kann.

Alle zwei bis drei Monate eine Großdemo zu organisieren kostet uns sehr viel Kraft, sodass die Krise jetzt auch bewirkt hat, dass wir alle ein bisschen regenerieren konnten und weniger Druck hatten. Die Mobilisation ist sehr anstrengend, unsere Ortsgruppe hat etwa acht dauerhaft aktive Mitglieder und wenn ein großes Event ansteht, muss jeder mit anpacken. Dann geht es um Koordination, Absprachen mit der Stadt, jeden Abend bis in die Nacht plakatieren und am nächsten Morgen normal in die Schule gehen.

Welche Folgen hatte die Krise für eure Sichtbarkeit?

Wir haben eine sehr lange Pause gemacht, in der es keine analogen Aktionen gab. Nur, als es um die Abwrackprämie ging, haben wir eine Fahrraddemo organisiert, bei der die Abstandsregeln leichter einzuhalten sind. Jeden Freitag etwas auf die Beine zu stellen, kostet sehr viel Kraft. Außerdem kommen weniger Leute, wenn durch Regelmäßigkeit eine Routine entsteht, weil es "nichts Besonderes" mehr ist. Genau diese Kontinuität ist es jedoch, die Fridays for Future stark macht und die es gilt in Bezug auf den Klimaschutz umzusetzen. Bei den Aktionen, die wir organisiert haben, wurde uns häufig anhand von Fotos vorgeworfen, die Abstandsregeln nicht einzuhalten, was an der Perspektive der Fotos gelegen hat. Ein paar Mal haben wir uns auch öffentlich zu Verschwörungstheoretikern geäußert, woraufhin wir den Vorwurf bekamen, dass wir doch "bitte bei unserem Thema bleiben sollen", das war schon eine große Herausforderung. In Bezug auf die Sichtbarkeit war es aber trotzdem eine gute Möglichkeit, die Online-Ergänzungen für unseren Auftritt auszuprobieren.

Wie geht’s jetzt für Fridays For Future Freiburg weiter?

Seit drei Wochen können wir uns wieder in kleinem Rahmen treffen und man kann sagen, dass eine große Aufbruchsstimmung herrscht. Aktuell konkretisieren wir unsere Forderungen an die Stadt und planen unsere nächste Großdemo am 25. September 2020. Es ist immer sehr aufwendig, für die Demos genug Ordner zu finden und durch die Krise wird das nochmal erschwert. Laut den Bestimmungen ist aktuell für alle 20 Teilnehmenden ein Ordner erforderlich, zuvor galt diese Regelung für 100 Teilnehmende. Wir stehen daher in ständigem Austausch mit Stadt und Ordnungsamt, damit alles pandemiegerecht durchgeführt werden kann.

In den letzten Monaten und Wochen hat sich gezeigt, dass die Menschen sich schnell umstellen und einschränken können, wenn es dringend notwendig und von der Politik angeordnet ist. Da ist es einerseits frustrierend, zu sehen, dass das, für das wir schon so lange kämpfen, so schnell umgesetzt werden könnte, andererseits auch sehr motivierend, weil man sieht, dass es möglich ist. Die Corona-Krise zeigt, dass die Klimakrise bisher nie wie eine Krise behandelt wurde. Außerdem hat sich jetzt das erste Mal gezeigt, dass die Politik auf die Wissenschaft gehört hat. Für uns ist es ein großer Ansporn, zu sehen, dass rasches und konsequentes politisches Handeln auf wissenschaftlicher Basis möglich ist.
Am 25. September 2020 findet der nächste internationale Großstreik statt. Dieser "global day of climate action" schließt aber nicht nur Demos, sondern alle globalen Aktionen rund um das Thema "Klimaschutz" mit ein. In Freiburg wird, wenn alles klappt, eine Großdemo stattfinden. Genauere Informationen gibt es auf der Website von FFF Freiburg freiburgforfuture.de.

Kann man "das Ruder noch rumreißen"?

Das ist eine sehr schwierige Frage. Ich denke ja, Klimaschutz schaffen wir – allerdings nur unter der Prämisse, dass sich zügig etwas ändert, denn es wird sehr, sehr knapp mit der 1,5-Grad-Grenze. Klimagerechtigkeit ist aber noch ein anderes, sehr komplexes Thema. Ich denke, es ist wichtig, dass der Druck auf die Politik von allen Ebenen kommt. Jeder muss in seinem Dunstkreis sowohl auf der Straße als auch in den Parlamenten und durch Konsumentscheidungen aktiv werden. Es ist wichtig, auf die eigenen Kaufentscheidungen zu achten, die richtigen Rahmenbedingungen müssen aber von der Politik kommen. Und genau darum geht es auch bei Klimagerechtigkeit. Weltweit sind die reichsten 10 Prozent für 50 Prozent der Emissionen verantwortlich (Quelle Oxfam 2015), bekommen jedoch bei weitem weniger Konsequenzen des Klimawandels zu spüren als zum Beispiel der Globale Süden.

Wie sieht es in Freiburg aus?

Die Menschen in Freiburg sind auf jeden Fall gut dabei und wir erfahren viel Unterstützung. Die Stadtverwaltung muss es ja jedem recht machen, will kein Risiko eingehen und lahmt daher hinterher. Da ist also noch Luft nach oben.