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Modelmanager Enzio Maggiore: Wie geht’s und wie geht’s jetzt weiter?

Gina Kutkat

Wie verbringen die Menschen in Freiburg die Krise? Was macht es mit ihnen und wie lenken sie sich ab? fudder fragt bei Studierenden, Sportlern und Selbstständigen nach. Folge 18: Modelmanager Enzio Maggiore.

Enzio Maggiore, geboren und wohnhaft in Freiburg. Nachdem er mit 17 Jahren anfing, Events zu veranstalten, konzentrierte er sich ab 2012 auf das internationale Modelgeschäft. 2012 entdeckt er Anna Ewers, die kurz darauf internationales Topmodel wurde. Seitdem ist sie bei Enzio Maggiores Management "Enzio.M" unter Vertrag. Letzteres versteht sich nicht als klassische Modelagentur: Die Talente werden von Enzio und seinem Team selbst gescoutet – mittlerweile größtenteils über Instagram – , aufgebaut und anschließend gemanagt.

Enzio, wie geht es dir?

Super, danke der Nachfrage. Auch wenn mich eine Sache schon beschäftigt: Es wird vermutlich nie wieder eine Zeit geben wie vor der Corona-Pandemie. Das Thema bestimmt auch komplett den Alltag in unserem Office: Wir sind permanent damit beschäftigt zu schauen, wie unsere Models trotzdem arbeiten können. Und eine "Nach-Corona-Zeit" wird es vielleicht nicht mehr geben, wir werden lernen müssen, in einer neuen Normalität zu leben.

"Ehrlich gesagt bin ich sogar etwas geschockt über alles, was passiert ist."

Wie hast Du die letzten Monate verbracht?

Es war für alle eine große Veränderung, auch für mich. Ehrlich gesagt bin ich sogar etwas geschockt über alles, was passiert ist. Ich habe die letzten Monate dazu genutzt, mich viel über Covid-19 zu informieren. Vor allem habe ich mir auch über meine Zukunft Gedanken gemacht. Wie kann ich mit dem Wandel wachsen und welche neuen Chancen bestehen darin?

Wie bist Du generell mit der Krise zurechtgekommen?

Nach dem ersten Schreck sehr gut. Ich habe mich sieben Tage lang in meine Wohnung zurückgezogen und war dann wieder motiviert, mich um meine bestehende Talentmanagement- und um unser neues Management "100 % Management" zu kümmern. Meine Mitarbeiter und ich haben die Zeit des Lockdowns genutzt, um neue Ideen umzusetzen.



Welche Auswirkungen hatte Corona auf deine Arbeit als Modelagent?

Nachdem die Talente natürlich erst einmal nicht mehr reisen durften und alles still stand, haben wir uns schnell überlegt, wie man den Markt verändern könnte und wie die Talente trotzdem arbeiten können. Natürlich jeweils in ihrem Land und unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen. So kam es, dass Anna Ewers beispielsweise für ein Shooting nicht nach Frankreich, sondern nach München gefahren ist. Mit einem Auto und einem kleinen Set vor Ort: Statt zwanzig Mitwirkenden hat sie das Shooting nur mit einer Handvoll Leuten bestritten. Die Fotos sind trotzdem toll geworden.

Wie hat Corona die Modeindustrie insgesamt getroffen?

Es hat sich alles total verändert. Alleine das Reisen war ein wichtiger Bestandteil der Modebranche, das fällt jetzt fast komplett weg. Jeder versucht, damit umzugehen und das Beste daraus zu machen. So finden die Fashion Weeks zur Zeit mit einem kleinen Publikum statt und die Models werden auf Covid-19 getestet, bevor sie auf den Laufsteg gehen. Es gibt hohe Sicherheitsvorkehrungen und vieles läuft auch nur online ab. Trotzdem finde ich es schön zu sehen, wie die Modeindustrie sich nicht unterkriegen lässt und mit dem Wandel der Zeit mitgeht.
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fudder möchte in dieser Serie junge Menschen aus Freiburg und der Region vorstellen und sie fragen, wie es ihnen in der Krise geht. Dabei möchte die Redaktion einen Querschnitt der Gesellschaft zeigen. Seit Mai stellen wir regelmäßig eine Folge von "Wie geht’s und wie geht’s jetzt weiter?" online.

Übersicht: Alle Folgen der fudder-Serie

Welche Auswirkungen hatte die Pandemie auf deine Agentur "Enzio.M"?

Das sollte eigentlich unser erfolgreichstes Jahr werden. Stattdessen waren wir zu Beginn der Krise erstmal vorsichtig, da wir die Auswirkungen nicht einschätzen konnten. Es wusste ja keiner, was als nächstes kommt oder wie es weitergeht. Wir haben große Verluste gemacht; ich konnte aber mein Team halten.

"Die Sicherheit unserer Talente und Mitarbeiter steht an erster Stelle."

Wie arbeitet ihr aktuell?

Unter den neuen "normalen" Bedingungen. Die Talente können wieder arbeiten. Allerdings unter bestimmten Sicherheitsvorschriften und mit vielen Überlegungen, wie sie reisen können und müssen, ohne zum Beispiel in Quarantäne zu müssen. Ich steuere das von Freiburg aus, täglich kommt ein neues Problem dazu. Zum Glück arbeiten wir in einem großräumigen Büro, in dem sich alle coronakonform verteilen können.
Enzio M.: Website & Instagram

Was ist die größte Veränderung in deinem Business?

Dass alles genau durchdacht werden muss. Die Sicherheit unserer Talente und Mitarbeiter steht an erster Stelle. Wir denken über jeden Schritt genaustens nach; auch darüber, welche Reisen wir selbst wirklich antreten müssen, oder ob es vielleicht auch über einen Videocall geht.

Was hast Du in der Zeit der Pandemie wichtiges gelernt?

Dass man immer auf etwas Neues gefasst sein muss und man im täglichen Business immer einen kleinen Schritt weiter vorausdenken muss und einen kleinen Schritt schneller sein muss als das, was eintrifft.

Wie geht’s jetzt für dich weiter?

Ich lasse mich nicht unterkriegen und versuche mit meinem Team neue Projekte zu entwickeln, die der Zeit angemessen sind. Bestimmt wird man davon bald etwas zu sehen bekommen.

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