Mit Sprühlack gegen den Rest der Welt: Der Freiburger Street-Artist PA.C

Manuel Lorenz

In seinen Comics lässt er Superhelden gegen das Böse antreten, an Freiburgs legalen Graffiti-Wänden führt er selbst einen unerbittlichen Kampf. Der Freiburger Street-Artist PA.C im Porträt:



Den Großteil der Zeit verbringt PA.C im Weltraum – als Comicfigur und auf LSD. Diesen Eindruck macht jedenfalls das riesige Graffiti, das er gerade an eine 15 Meter lange Wand in der Unterführung bei der Ganter-Brauerei malt. Er hockt auf dem Boden und trägt mit einer rosafarbenen Sprühdose die Umrisse eines kleinen Außerirdischen auf. Seinen Mund verdeckt eine Atemschutzmaske; in seinen Augen vermischen sich Konzentration und Abwesenheit.

Er nimmt seine Maske ab. „Ich habe noch nie LSD genommen. Ich mache das alles mit einem ganz klaren Kopf.“ High werde er erst während des Sprühens. Danach würde er in ein tiefes Loch fallen.

PA.C heißt eigentlich Patrick Criscione, ist 33 Jahre alt und kommt ursprünglich aus Bad Säckingen. Mit 14 fing er an, Cartoons zu zeichnen, mit 16 stellte ihm sein Kunstlehrer eine große Wand zur Verfügung, und Patrick malte mit Autolack sein erstes Graffiti. Zuerst nannte er sich Paddy, dann Paddy C, seit 2000 nur noch PA.C.

„Ich bin eine Powermaschine, die von Armeen bekämpft wird“

Da seien Leute, die in kaputt machen würden. Immer dieselben. Momentan seien es Kinder. Leute, die was über ihn rübermalen würden. Zwei langweilige Schriftzüge, in ein oder zwei Stunden. Sie kämen mit Bier an, würden sich betrinken – und brächten Mädels mit, die in anschauen würden, als sei er der allerletzte Depp.

„Ich bin eine Powermaschine, die von Armeen bekämpft wird“, sagt er. „Ich komme, male zwölf Stunden, sie kommen zu zehnt, zerstören es wieder, ich komme wieder, bin total fertig und am Ende, male wieder was Neues und werde immer besser und immer härter, und die Leute kapieren gar nicht, dass ich ohne Schablonen arbeite - wie eine Maschine mach’ ich meinen Linien so präzise und perfekt, dass eigentlich ich an erster Stelle stehen müsste, wenn’s um Graffiti geht, hier in Freiburg.“

Viele hätten gesagt, er müsse hier weg, er gehe hier vor die Hunde. Vielleicht mache er das, sagt er. Vielleicht gehe er bald nach Berlin.

Während seines Kunststudiums in Freiburg glaubte er noch,zum Malen einen Pinsel gebrauchen zu müssen. Damit konnte er sich nicht richtig bewegen. „Ich habe mich abgequält und total verkrampft.“ Heute ist die Sprühdose das Instrument seiner Wahl. Lack sei sowieso super: lichtecht, besser als Ölfarbe und auf einer Leinwand mit Klarlack drüber quasi unkaputtbar.



„Das wird noch richtig geil“, sagt PA.C und schaut sein unfertiges Wandbild an. Hellblau, Rosa, Lila, Grau, Aliens, Monster, Ufos, Tiere, Punkte, Striche, Körper, Kreise.

Wenn er selbst über seine Kunst spricht, benutzt er Wörter wie abgefahren, abgespacet, traumartig und surreal. Er hat jahrelang nur gefreestylet, ohne Skizzenbuch gearbeitet, einfach drauflos gesprüht. Jetzt versucht er, das, was er im Kleinen zeichnet, ins Große zu übertragen. Bevor er an die Wand geht, ein Konzept zu haben, vorher zu wissen, wie ein Character gestaltet sein muss, wo er hinkommen soll, wie der Hintergrund auszusehen hat.

PA.C hat zwei Laboratorien: sein Skizzenbuch und das Comic, an dem er gerade arbeitet: „Die Traumreise.“ Es soll eine liebenswerte Geschichte für Kinder werden, in der drei, vier Superhelden mit einem Ufo durch das „hüpahdimensionale Universum“ fliegen, das Böse bekämpfen und immer siegen. 54 Seiten hat er schon fertig.

Seine Vision: „So ein fliegendes Irgendwas, wo alles drinnen ist. Wo ich abgehen kann bis in alle Ewigkeit, das Ding zu perfektionieren.“ Ob er damit den Kampf gewinnt? „Hoffentlich“, sagt PA.C. Und setzt seine Atemschutzmaske wieder auf.

Mehr dazu:

 

Fotogalerie: Manuel Lorenz

Tipp: Wartet einen Augenblick, bis die Galerie komplett geladen ist. Ihr könnt euch dann ganz bequem jeweils das nächste Foto anzeigen lassen, indem ihr auf eurer Tastatur die Taste "N" (für "next") drückt.