Mit Grünpflanzen gegen die Hitze

Stephanie Streif

Stadtverwaltung plant, Feuerwehren und Schule zu begrünen.

Auch Freiburg muss sich an den Klimawandel anpassen. Eine mögliche Strategie ist es, Dächer und Fassaden zu begrünen, denn dort, wo Pflanzen wachsen, wird es deutlich kühler. Im Juli hat die Stadtverwaltung den gemeinderätlichen Gremien eine Machbarkeitsstudie vorgestellt, in der für 26 priorisierte Gebäude in der Stadt insgesamt 50 Begrünungsempfehlungen erarbeitet wurden. Noch ist unklar, woher das Geld dafür kommen soll.

Auf den ersten Blick gibt es in Freiburgs Innenstadt kaum Grün. Wer genauer hinsieht, entdeckt die ein oder andere Pflanze, die sich an Fassaden hochrankt oder – wie im Falle der Konviktstraße – auch mal über die Gasse wuchert. Möglich ist mehr. Und es muss mehr werden, denn der Klimawandel heizt vor allem Städte auf. Nicht nur Freiburgs Stadtverwaltung hat sich auf den Weg gemacht, um gegen die urbanen Hitzeinseln anzupflanzen: Den Sommer über wurde Bauteil B des Green-City-Tower am Eingang des Güterbahnhofsareal begrünt. Der Turm soll folgen. Auch schön: das Green-City-Hotel in Vauban oder die Living Wall, wie sie im Café "Hier & Jetzt" an der Zähringer Straße hängt. Rund 750 Einzelpflanzen sprießen dort aus der Fassade. "Hier wurde so viel Stein verbaut", sagt Café-Besitzer Christian Miess: "Dem wollte ich mit der grünen Wand etwas entgegensetzen."

Um die Stadt für den Klimawandel zu rüsten, hat Freiburgs Gemeinderat schon im Jahr 2019 zugestimmt, eine Stelle dafür zu schaffen: Verena Hilgers heißt die Klimaanpassungsmanagerin, die zum städtischen Umweltschutzamt gehört. Sie steuert die Weiterentwicklungskonzeption und koordiniert deren Umsetzung – auch im Bereich der Gebäudebegrünung. Die jüngst erschienene Machbarkeitsstudie zur Umsetzung von Dach- und Fassadenbegrünung hat das Umweltschutzamt federführend betreut. Das Ziel: dort, wo sich Stein und Beton besonders aufheizen, den sogenannten Hotspots der Hitzebelastung, mit Grünpflanzen gegenzusteuern.

Das Ergebnis: Drei städtische Gebäude könnten zeitnah begrünt werden, darunter das Walter-Eucken-Gymnasium in der Wiehre sowie die Feuerwehrhäuser in Industriegebiet Nord und Hochdorf. Woher das Geld dafür kommen soll, ist allerdings noch unklar. Hilgers hofft auf Fördergelder vom Bund, denn im jetzigen Doppelhaushalt ist dafür kein Geld vorgesehen. Ein Antrag beim Förderprogramm "Klimaanpassung in sozialen Einrichtungen" laufe, so Hilgers. "Ob wir das Geld bekommen, ist allerdings noch offen."

Von den Erfahrungen anderer Städte lernen

Nach Meinung von Florian Freutel, der für Vertiko arbeitet, einer in Buchenbach-Himmelreich ansässigen Firma, die Systemherstellung und Fachplanung für Vertikalbegrünungskonzepte anbietet, ist in Freiburg noch vieles möglich. Es gibt Städte, die schon früher Förderprogramme angeboten haben, sagt er. Freutel betont aber auch, dass Freiburg somit von den Erfahrungen anderer Städte lernen konnte und mit einer eigenen Klimaanpassungsmanagerin professionell aufgestellt sei.

Ein wichtiger Baustein ist in diesem Bereich auch das Freiburger Förderprogramm "GebäudeGrün hoch3", das im Oktober 2021 an den Start gehen soll. Neben dem Förderprogramm "Artenschutz in der Stadt" sei das eine wichtig Initiative, die die Begrünung in der Stadt durch eine kostenlose Fachberatung und finanzielle Zuwendung unterstütze, sagt Rathaussprecher Toni Klein. Es gebe darüber hinaus noch weitere Bemühungen – unter anderem den Aktionsplan Biodiversität mit Maßnahmen zur Förderung der biologischen Vielfalt im Siedlungsbereich oder die Teilnahme am Labeling-Verfahren "Stadtgrün naturnah".

Darin, dass in Freiburg mehr Dächer und Fassaden begrünt werden sollten, sind sich fast alle Gemeinderatsfraktionen einig. Stadtrat Wolf-Dieter Winkler (Freiburg Lebenswert) hat Oberbürgermeister Martin Horn bereits Ende April in einem Brief darum gebeten, das Konzept der "coolen Straßen", wie es in Wien existiert, nach Freiburg zu holen. Dort wurden bereits vor einem Jahr 18 Straßen mit Pflanzen, Brunnen und Sprühnebel-Stelen ausgestattet, um sie im Sommer herunter zu kühlen.

"Klar ist, die Stadt muss mit gutem Beispiel vorangehen, um auch privat Nachahmer zu finden", heißt es aus der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen. Dabei gelte es, bei laufenden Bebauungsplanverfahren immer Lösungen zu finden, die möglich viel Grün erhalten oder schaffen. Potential bestehe auch im Rahmen der Verkehrswende, etwa indem bisher versiegelte Flächen zu Grünräumen umgewandelt würden. Was es nach Meinung von Julia Söhne, der Fraktionsvorsitzenden der SPD/Kulturliste, jetzt dringend braucht, sind umfangreiche Förderprogramme oder eine bundespolitische Lösung zur Entlastung der Mieter: "Noch sind die Kosten für Begrünungsmaßnahmen privater Wohnhäuser vollständig auf die Miete umlegbar", sagt sie.

Auch Stadtrat Gregor Mohlberg (Eine Stadt für alle) hält es für wichtig, dass Freiburgs Dächer und Fassaden bepflanzt werden. Nur dürfe das nicht alles sein: Weder ließen sich damit der Klimawandel stoppen noch Hitze-Hotspots vollumfänglich abkühlen. Mohlberg fordert den Erhalt und die Neuschaffung von echten Grünräumen: "Dazu müssen wir insbesondere große Plätze und Teile des Straßenraums, Parkflächen und Großparkplätze entsiegeln und teilweise zurückbauen. Nur hier entstehen nachhaltig funktionierende Grünflächen."