Platz der Alten Synagoge

Mit einer Mahnwache wollen vier Freiburger Gruppen George Floyds gedenken

Anika Maldacker

In den USA ist die Stimmung nach dem Tod von George Floyd angeheizt, auch in Deutschland ist das Thema Rassismus seit einigen Tagen präsenter als sonst. Am Samstag rufen vier Freiburger Gruppen zu einer Mahnwache für Floyd auf.

Nach der Tötung des US-Amerikaners George Floyd schwappt die Welle der Empörung auch nach Europa – auch in Freiburg bekunden Lokalpolitikerinnen und -politiker ihre Solidarität mit schwarzen Instagram-Bildern. Vier Gruppen wollen am Samstag mit einer Mahnwache George Floyds gedenken. Um 11.30 Uhr rufen die BIPoC-Gruppe an der Uni Freiburg, das Antidiskriminierungsreferat der Uni, sowie die Gruppen Our Voice und Here and Black dazu auf, am Platz der Alten Synagoge inne zu halten. Sie wollen an George Floyd und andere Schwarze Menschen erinnern, die durch anti-schwarze-rassistische Polizeigewalt starben oder davon betroffen waren und sind.

BIPoC steht für Black, Indigenous and People of Color, also Schwarze, Indigene und nicht weiß wahrgenommene Menschen. Die Bezeichnung wird von Menschen mit Rassismuserfahrung genutzt.

Die 22-jährige Studentin der Kulturanthropologie und Europäischen Ethnologie, Uluka Zimba hat die Mahnwache mit ihren Mitstreiterinnen und Mitstreitern von der BIPoC-Gruppe an der Uni Freiburg mit auf die Beine gestellt. "Wir haben uns dafür entschieden, dass bei der Mahnwache nur Schwarze Menschen Redebeiträge halten werden", erklärt Uluka, "denn wir sind diejenigen, die unmittelbar von Anti-Schwarzen-Rassismus betroffen sind und wir bekommen selten ein Mikro in die Hand." Wer nicht von Rassismus betroffen sei, könne auch schwer etwas dazu sagen.

Als sie von dem Tod George Floyds und dessen Umständen erfahren hat, hat sie ihr Handy zunächst weggelegt und sich nicht weiter informiert. "Ich lese nicht mehr über alle Fälle von Polizeigewalt, das kann man sich nicht immer zumuten, weil es so oft stattfindet", sagt sie. Als sie jedoch spürte, dass viele ihrer Freunde betroffen sind, hat sie sich doch mehr mit dem Fall befasst. Die BIPoC-Gruppe der Uni hat sich über Pfingsten beraten. Die Gruppe ist wütend, aber auch erschöpft, denn ihr Kampf gegen Anti-Schwarzer-Rassismus wird oft von zu wenigen gesehen. Sie wollen aktiv werden – und melden eine Mahnwache an. "Es ist gut, dass ich meine Gefühle und Energie nun in diese Mahnwache stecken kann und so einen Umgang mit dem Fall finde", sagt Uluka.

Es ist auch eine der ersten öffentlichen Veranstaltungen, bei der die BIPoC-Gruppe außerhalb der Uni als Team auftritt. Die Gruppe hat sich vor anderthalb Jahren gegründet. Uluka ist das letzte verbliebende Gründungsmitglied des nun fünfköpfigen Kernteams.

Ob das Thema Anti-Schwarzer-Rassismus und rassistische Polizeigewalt weiterhin so viel Aufmerksamkeit wie derzeit bekommt, darüber denkt Uluka kritisch. "Ich will optimistisch sein, bleibe aber realistisch", sagt sie und erinnert an den rassistisch motivierten Anschlag in Hanau, über den in der Öffentlichkeit schnell nicht mehr gesprochen wurde. Über die Posts am vergangenen Dienstag unter dem Hashtag "Blackouttuesday" war sie etwas irritiert. "Viele, die schwarze Fotos gepostet haben, haben sich noch nie antirassistisch geäußert", sagt sie. Dabei ist das Thema kein neues. Die Initiative Black Lives Matter gibt es schon seit 2015, Gruppen wie Initiative Schwarze Menschen in Deutschland vertreten seit den 80ern die Interessen Schwarzer Menschen im Land.
Tipp: Wer sich mit dem Thema Schwarzer Anti-Rassismus befassen möchte, dem empfiehlt Uluka das Buch "Exit Racism" von Tupoka Ogette. Außerdem empfiehlt sie, Schwarzen Freunden zuzuhören und deren Wahrnehmungen und Emotionen nicht immer sofort zu hinterfragen oder herunterzuspielen.

Die BIPoC-Gruppe der Uni Freiburg und andere BIPoC-Gruppen plädieren dafür, das Wort Schwarz im Zusammenhang mit der Hautfarbe groß zu schreiben, weil es ein politischer Begriff ist. Wir wollen in diesem Text dieser Forderung folgen, weil wir es für wichtig erachten, die Forderungen dieser Gruppen Aufmerksamkeit zu schenken.


  • Was: Mahnwache in Gedenken an George Floyd
  • Wann: Samstag, 6. Juni, 11.30 Uhr
  • Wo: Platz der Alten Synagoge