Tonpony

Mit einem Podcast motivieren zwei Emmendinger dazu, die Krise als Chance zu nutzen

Gina Kutkat

Als ihr Tonstudio in der Krise schließen musste, motivierte das Lena Lapschansky und Benjamin Riesterer dazu, den Podast "Luftakrobaten" ins Leben zu rufen. Die beiden Soundprofis sprechen mit kreativen Menschen, um andere zu motivieren.

Ihre Welt ist das Akustische. Sie arbeiten mit Geräuschen, Sounds und Tönen, jagen ausgefallenen Klängen nach und produzieren Jingles, Videos, Radiospots oder Markensongs. Man könnte sagen: Lena Lapschansky,37, und Benjamin Riesterer, 36, aus Emmendingen machen Töne sichtbarer. Normalerweise kommen täglich Menschen in ihr Tonstudio "Tonpony", um Songs einzuspielen, Hörspiele einzusprechen oder Musik aufzunehmen.


Doch die Corona-Krise hat auch die Arbeit der beiden Soundbegeisterten durcheinandergebracht: Treffen im hauseigenen Studio waren untersagt, Reisen fielen aus und damit Aufträge weg. "Anfangs waren wir ratlos, wie sich die Corona-Situation auf unser Unternehmen auswirken wird. Können wir diese Zeit überstehen und die laufenden Kosten bestreiten?", erinnert sich Lena. Sie und Ben mussten umdenken. "Die Krise hat uns motiviert, etwas anderes zu machen", sagt Ben. "Und das war dann der Podcast."

Die ersten neun Podcast-Folgen sind produziert

Die beiden Tonpony-Geschäftsführer hatten schon länger geplant, sich in der Welt der Podcasts auszuprobieren, denn das nötige Know-How und Equipment besitzen sie. Innerhalb kurzer Zeit hatten sie ein Set-Up, entwickelten Idee, Konzept und Namen für ihren Podcast, sodass die erste Folge der "Luftakrobaten" schon am 21. März erscheinen konnte – mittlerweile sind acht weitere Folgen produziert. "Wir arbeiten viel mit interessanten Menschen zusammen und wollten Künstler, Unternehmer und andere kreative Menschen fragen, wie sie in der Krise klarkommen und welche positive Botschaften sie haben", erklärt Lena die Ausgangsidee. Für Lena und Ben ist die Botschaft: In der Krise liegt eine Chance.



Luftakrobaten, sagt Lena, sind für sie Menschen, die schnell auf Einschränkungen reagieren, zwischen Situationen switchen und neue Lösungen finden können. Oder wie es im Jingle heißt: "Durch die Lüfte fliegen, schneller als der Wind". Wie der Freiburger Fotograf Felix Groteloh, der erzählt, wie ihn Telefonate mit Freunden und Kollegen aus dem Loch zogen. Käsekuchenbäcker Stefan Lindner berichtet, wie er als Unternehmer auf die Krise reagiert. Und Partysänger Ikke Hüftgold wird mit Live-Streams erfinderisch und kümmert sich um Arbeiten, für die er jahrelang keine Zeit hatte. "Wir haben uns überlegt, wen man gut anrufen kann und wer was zu erzählen hat", sagt Lena.


"Wir arbeiten viel mit kreativen Menschen zusammen und wollten unsere Bekannten fragen, wie sie in der Krise klarkommen und welche positive Botschaft sie haben." Lena Lapschansky, Tonpony
Denn zum Konzept der Luftakrobaten gehört der Spontananruf, der die Gäste mal abends um 22 Uhr oder morgens um 11 unangekündigt erreicht. "Wir nutzen das Überraschungsmoment", sagt Ben. Denn dann würden meistens die besten Gespräche entstehen, sind sich die beiden sicher. Und sprechen können die beiden, das wird schnell klar. Ein weiterer Pluspunkt: Die professionelle Produktion der einzelnen Folgen. Der Podcast ist wie ein Casting aufgebaut; am Ende einer Runde kann jeder Kandidat und jede Kandidatin eine eigene Folge gewinnen. "Dort darf der Gewinner oder die Gewinnerin dann frei entscheiden, was gesendet wird", sagt Lena. Die Gewinnerepisode wird aufgenommen, sobald sich alles wieder gänzlich beruhigt hat. "Wir möchten die Folge direkt mit Gast bei uns im Tonstudio aufnehmen", sagt Lena.

Die Beiden möchten den Podcast auch nach Corona weiterführen, denn das Feedback war durchweg positiv und hat ihnen schon den einen oder anderen neuen Auftrag eingebracht. Denkbar ist auch, dass sie ihr Sound-Know-How in Form eines mobilen Podcast-Studios an andere vermieten. Mittlerweile ist in den Tonpony-Studios wieder Normalität eingekehrt, die Anfangssorgen sind weg und Lena und Ben konzentrieren sich auf ihren Schwerpunkt: Das Produzieren von Musik und Sounds. "Gerade jetzt investieren stabile Unternehmen in eine qualitativ hochwertige Kommunikationsstrategie. Videos, Podcast, Radiospots, eigene Markensongs", erklärt Lena. Außerdem gab es für die Beiden noch ein zweites positives Projekt aus der Krise: Im Mai haben sie mit Fritz Fantastisch das Video und Song zu "Eine Party nach Corona" produziert.



Neben Songs und Videos ist das Soundmarketing ein Pfeiler von Tonpony: Für ihre Kundinnen und Kunden erstellen sie Sound-Pakete, die unter anderem einen Song, ein Jingle und ein Logo enthalten. Zusammen mit professionellen Musikern, Sprechern und Sängern kümmern sie sich dann jeden Baustein, der zum Soundmarketing dazugehört. Akustische Markenführung heißt das in Fachsprache. Was die Wirkung von Sound angeht, sei in der Gesellschaft noch Luft nach oben, findet Ben. "Ton wird aber immer wichtiger und Menschen bauen zum Akustischen eine emotionale Verbindung auf."

Dass Geräusche auch richtig genutzt und gezielt eingesetzt werden, dafür stehen Lena und Ben seit vier Jahren mit Tonpony. Ein Name, der zufällig zustande kam, als sie auf Namenssuche waren und ein Pony sahen. "Tonpony passt, denn wir sind auch viel unterwegs – und wir lieben Töne", sagt Lena. Die Gründung ihrer eigenen Firma war nur die logische Schlussfolgerung einer natürlichen Entwicklung: Die beiden Emmendinger kennen sich seit über 20 Jahren und haben in vielen kreativen Projekten zusammengearbeitet. Immer wieder zeigte sich der Bedarf an Experten im Bereich Musikproduktion und Sprachaufnahmen auf Basis eines fundierten Marketingkonzeptes – und in diesem Bereich kennen sich Lena und Ben bestens aus.
So geht Podcasthören

Ein Podcast ist eine Audiosendung, die Du über das Internet anhören kannst. Manche Podcasts erscheinen in festgelegten Abständen, manche als abgeschlossene Staffeln.

Es gibt verschiedene Methoden, Podcasts anzuhören.Oft haben Podcast-Serien eigene Webseiten, manchmal findet man sie auch auf den Webseiten der Radiosender, die sie produzieren. Manche Anbieter (so auch Tonpony) laden Podcasts auch zum Streamingdienst Spotify hoch, wo man sie dann im Browser anhören oder herunterladen kann. Die bequemste Art, Podcasts zu hören, ist über eine App auf dem Smartphone oder Tablet.