Digitalien

Mit dieser Nabu-App kannst du Vögel bestimmen lernen

Viola Priss

Frühmorgens bis spätabends kannst Du sie jetzt hören und sehen wie nie: Vögel. Wir haben den Freiburger Nabu-Vorsitzenden Ralph Schmidt gefragt, wie man ganz einfach in die Welt der Vögel eintauchen kann.

Der Frühling, besonders der April, ist Vogelhochzeit. Wusste schon Rolf Zuchowski ( alle, die um die 1990er Jahre geboren sind und nun entsprechenden Ohrwurm haben, seien an dieser Stelle herzlichst gegrüßt). "Vogel-Hoch-Zeit", nennt diese Wochen aber auch Vogelspezialist Ralf Schmidt, erster Vorsitzender des Freiburger Naturschutzbundes Nabu. Zwar sagt er, fasziniere ihn "so ziemlich alles, was sich in der Natur bewegt." Aber die Vögel haben es ihm dann doch ganz besonders angetan. Das teilt er in seiner Arbeit beim Nabu mit anderen, darüber hinaus steckt er Laien damit aber auch an: "Normalerweise würden jetzt die ganzen geführten Vogelwanderungen in Freiburg, dem Umland und dem Schwarzwald stattfinden", so Schmidt, "da das aber derzeit Corona-bedingt nicht möglich ist, bietet die Nabu-App auch Ungeübten reichlich Möglichkeiten, neben Amsel und Meise den Sperrling, später vielleicht auch den Wendehals am Aussehen und Gesang zu erkennen."


Mit 308 bebilderten Fotos illustriert, dürften die nächsten Runden im Wald oder auf der Wiese damit jetzt zum Geo-Tracking der anderen Art werden. Die kostenlose Basisversion bietet neben detaillierten Art-Portraits auch Infos über häufige Verwechslungsmöglichkeiten oder eine Sucheinschränkung der 100 häufigsten Arten für Anfänger an.

Gesang von Alarm unterscheiden können

Mit der App kann man durch eine Erweiterung auf akustische Entdeckungstour gehen – und Vogelstimmen mit 1000 Gesängen und Rufen kennenlernen, sowie das Trommeln der Spechte und insgesamt alle 308 Vogelarten voneinander zu unterscheiden. Nach einer neuen Studie der "Nature Research" ist dazu jetzt ein einmaliger Zeitpunkt. Dieser zufolge ist derzeit der menschenverursachte Lärm, sogenanntes seismische Rauschen, so gering wie sonst nie. "Klar, nicht jeder ist Frühaufsteher, aber wenn man sich doch mal überwinden kann und vor Sonnenaufgang aufsteht, das wäre derzeit so fünf, sechs Uhr morgens, kommt man garantiert in den Genuss eines Konzerts vor der Haustür", schwärmt Ralph Schmidt. Und das Fiepen, Piepen und Trillern ist bei Weitem nicht immer dasselbe. "Ein Ruf, ein Gesang, ein Alarmruf, das klingt alles unterschiedlich" Auch die biologische Uhr der gefiederten Freunde, dürfte Home-Office-Geplagte bereichern. "Die Hauptsingzeit", erklärt Schmidt, "ist zum einen morgens, bis spätestens 9 Uhr, da hört man besonders Amsel, Rotkehlchen oder Hausrotschwanz." Also womöglich idealer Grund, raus zu gehen und zu lauschen. "Mittags ist eher Ruhe", erklärt Schmidt. "Dann kommen zum Abendkonzert, zu Sonnenuntergang, nochmal Singdrossel, Amsel und andere zusammen." Feierabendkonzert, ganz ohne Digitalgerät, unplugged und ohne Großveranstaltung.

Support your local birdies

Du wohnst in der Stadt und hörst allenfalls das Surren der Motoren? Dem hält der Nabu dagegen, wovon Vogel wie Vogelfreund profitieren. Ein Nisthaus ist nicht nur schnell gebaut, damit bekommst du gewissermaßen dein eigenes Haustier – und trägst aktiv zum Schutz der heimischen Vogelwelt bei. "Noch vor 60 Jahren", so erzählt Schmidt," gab es in unserer Region überall das Rebhuhn und das Braunkehlchen zu sehen und hören. Inzwischen sind die völlig ausgestorben." Der Grund dafür seien schwerwiegende Veränderungen in Landschaft und Struktur. "Deshalb ist es empfehlenswert, vom pflegeleichten Steingarten auf die Gartenhecke umzusteigen", rät er derzeitigen Hobbygärtnern. Damit hilft man außerdem Insekten. Da diese als Nahrung, den Vögeln neben Nisträume fehlen, ziehen Zugvögel, die früher häufig im Breisgau Zwischenstation machten, immer häufiger direkt weiter. Dennoch gibt es sie und auch sie kehren nach und nach momentan zurück. "Mit etwas Glück erwischt man derzeit Zugvögel wie den Wendehals, die Gartengrasmücke oder auch das Gartenrotschwänzchen", sagt Schmidt. Wer dann auf den Geschmack gekommen ist, der kann sich den Zeitraum vom 8. bis 10.Mai vormerken. In diesem Zeitraum ruft der Nabu zum kollektiven Beobachtungs- und Lauschangriff in der "Stunde der Gartenvögel" auf. Auf der Website des Nabuskannst Du deine Ergebnisse eintragen und später online nachverfolgen, wie Du damit der Wissenschaft hilfst, den Vogelbestand deiner Region zu beurteilen. Naturschutz durch Hinhören und Hinsehen also. Open-Air Konzerte der anderen Art, Eintritt frei.