Clubsterben

Mit diesen Vorschlägen soll das Freiburger Nachtleben aus der Krise kommen

Gina Kutkat

Über das Freiburger Nachtleben wurde auch vor Corona viel diskutiert. Mit einem Konzeptpapier möchte die Jupi-Fraktion mit Unterstützung von "Eine Stadt für Alle" die negative Entwicklung aufhalten. Die Vorschlagsliste umfasst fünf Punkte.

314 Tage und 314 Nächte: Seit dem 21. März 2020, dem Beginn des ersten Lockdowns in Freiburg, haben die Clubs und Diskotheken geschlossen. Und es ist unklar, wann sie wieder ihre Türen öffnen werden – und ob einige das überhaupt wieder tun. "Die Corona-Krise ist für viele Clubs und Diskotheken ein Gnadenstoß", sagt Jupi-Stadtrat Sergio Pax. Schon vor der Pandemie hätte im Freiburger Nachtleben vieles im Argen gelegen, diese Entwicklung solle nun gestoppt werden.


Mit der Überschrift "Rettet das Freiburger Nachtleben" hat die Jupi-Fraktion mit "Eine Stadt für alle" ein Konzeptpapier veröffentlicht, dessen fünf Punkte Gehör im Gemeinderat finden sollen. Dort haben beide Fraktionen zusammen zwölf von 48 Stimmen. "Bei einigen Punkten bin ich optimistisch", so Pax. Dabei fand ein Antrag zu einem Rettungsfonds für Clubs und Spielstätten – Punkt eins des Papiers – schon am 8. Dezember nicht genug Stimmen. Mehr Erfolg könnte der Vorschlag haben, der unter Punkt fünf aufgeführt ist: Eine zusätzliche Stelle im Popsupport, die sich zu einem späteren Zeitpunkt in ein Popbüro transformiert. Dafür gibt’s Unterstützung von Atai Keller, Stadtrat der SPD-Kulturliste. "Freiburg braucht das eines Tages", so Keller. "Ob eine ganze Stelle oder zwei halbe – da will ich mich nicht festlegen". In einem Punkt ist sich der Stadtrat aber sicher: "Das geht nicht von heute auf morgen. Und der Corona-Haushalt ist nicht der richtige Zeitpunkt dafür."

Anfang der Woche hatte die Interessengemeinschaft Subkultur im Freiburger Beteiligungshaushalt die Stelle eines Nachtmanagers vorgeschlagen: Eine Person, die als Vermittler zwischen Anwohnern und Nachtleben fungiert. Bei vielen Clubschließungen habe es Konflikte mit der Anwohnerschaft oder finanzielle Probleme gegeben, so die IG Subkultur. Das kann Pino Raia, Betreiber der Clubs Neko und Karma bestätigen. "Die Stimmung in Freiburg muss wieder besser werden", sagt er. Er plädiert für mehr Kommunikation und Solidarität – zwischen Clubbetreibern, Stadtverwaltung, Anwohnern und Gästen. Im August musste der Clubbetreiber 2.800 Euro Strafe zahlen, weil Gäste bei ihm tanzten – trotz Corona-Auflagen. Die Schließung mache auch ihm zu schaffen, so Raia, aber Rücklagen und die Soforthilfen würden helfen. "Ich feiere bald Einjähriges", scherzt Raia. "Am 18. März habe ich ein Jahr geschlossen."

Auch Stephan Kern hat seit einem Jahr die Türen seines Drifter’s Club an der Schnewlinstraße nicht mehr geöffnet. Deshalb begrüßt er das Konzeptpapier der Jupi-Fraktion. Und ergänzt es um einen Punkt: "Den Erhalt der seit drei Jahrzehnten bestehender Spielstätten wie zum Beispiel dem Crash und dem Drifter’s Club." Die in dem Papier vorgeschlagenen Maßnahmen der Jupi-Fraktion würden den Haushalt mit etwa 180.000 Euro belasten. Neben dem Rettungsfonds und dem Popsupport steht ein Fonds für neue Clubgründer nach der Pandemie, die Zwischennutzung von Gebäuden sowie ein einmaliger Fördertopf für innovative Projekte auf der Liste. Damit soll das Ziel verfolgt werden, Freiburg für junge Menschen attraktiver zu machen. "Als Universitätsstadt von internationalem Ruf sollten wir alles dafür tun", so Sergio Pax. Die Aussichten für den Vorstoß sind nicht gut, weil schon andere Projekte aus finanziellen Gründen verschoben oder abgesagt worden sind.

"Die Vorschläge sind sicher alle sinnvoll", sagt Atai Keller. Doch er kritisiert, dass die Clubszene separat behandelt wird. "Sie gehört zur Freiburger Kulturszene dazu." Die Corona-Pandemie würde alle Sparten treffen, ob Musik, Theater oder Party. "Deshalb sollte im Haushalt ein Nothilfefonds für alle Kulturbereiche eingerichtet werden", so Keller.

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