Umfrage

Mit diesen sexistischen Sprüchen wurden Frauen in Freiburg konfrontiert

fudder-Redaktion

Mit "Männerwelten" schufen Joko und Klaas Aufmerksamkeit für übergriffige Nachrichten und Kommentare, die Frauen online erhalten. Wir haben weiblich gelesene Menschen gebeten, uns solche zu schicken und veröffentlichen einige davon anonym.

Mit der von Sophie Passmann und anderen in der Öffentlichkeit stehenden Frauen präsentierten Ausstellung "Männerwelten" lösten Joko und Klaas vergangene Woche eine Diskussion aus. Neu ist sie nicht, aber sie zeigt wieder einmal, mit welchen Worten und Bildern Frauen immer wieder konfrontiert werden – ungefragt und plötzlich. Wir haben weiblich gelesene Menschen aus der Region gebeten, uns sexistische Kommentare oder übergriffige Szenen zu schicken und veröffentlichen diese anonym. In ihnen schildern verschiedene Frauen von einem Übergriff oder sexueller Belästigung – im Netz und im realen Leben.

  • Täter greift mir auf einer Party im Harmonie Gewölbekeller von hinten fest zwischen die Beine und tut anschließend so, als wäre nichts gewesen. Ich verlasse die Veranstaltung aufgelöst.

  • Er: Magst mal telen?
    Sie: Ne
    Er: Wieso?
    Sie: Ich hab einen Freund
    Er: Telen, du Nuss, nicht ficken man!
    ...
    Sie: (meldet sich nicht mehr)
    Er: Mensch, wieso bist du manchmal so garstig?
    Er: (schickt einen Link, Titel: In drei Schritten zur Blow-Job-Königin)
  • Ein Typ beim zweiten Date zu mir:"Was bisexuell? Na dann haben wir wohl bald einen Dreier!"
  • Mit dem Kioskbesitzer um die Ecke in Freiburg plauschte ich ab und an. Man kannte sich eben. Seine abwertenden Kommentare Frauen gegenüber gefielen mir aber nicht. An Weihnachten 2019 kam es zum Übergriff. Aus einer freundlichen Weihnachtsumarmung wurde ein Po-Grabscher mit der Aussage "Ich darf ja?!" Ich war perplex, habe es überspielt und gelacht. Normalerweise setze ich mich zur Wehr. Seither meide ich den Ort. Oft denke ich mir, dass ich nun meinen Mut zusammen nehme und nochmal zu ihm gehe, um zu sagen, dass das nicht in Ordnung war. Ich will den Vorfall aus dem Kopf bekommen, denn er belastet mich noch immer.


  • Ich erinnere mich noch an das erste Mal als mir hinterhergepfiffen wurde. Ich war 11 und weil mein blaues Fishbone-Shirt in der Wäsche eingegangen war, war es leicht bauchfrei. Eine Gruppe von etwa fünf Bauarbeitern pfiff mir hinterher.
  • "Wollen wir jetzt hier Sex haben?", sagte ein fremder Mann zu einer Freundin und mir, als er auf das nebenliegende Feld deutete. Wir waren 14.
  • Nachdem ein guter Kumpel mir einfach so an den Hintern griff: "Jetzt mach nicht so ein großes Ding draus."
  • Gleichaltrige Täter aus der Klassenstufe hielten es bei uns in der Schule für selbstverständlich ihren Klassenkameradinnen an Po und Brüste zu fassen, machten teils einen Wettbewerb daraus.
  • Chatverlauf mit einem Fremden:
    Er: Angenommen ich komm auf dich zu und frag dich direkt, ob du Lust hast, mit mir essen zu gehen, ist das die beste Methode ein Ja zu bekommen? Also, ist alles andere zwecklos?
    Er: Verstehe Frauen nicht
    Er: Ignorieren kannst du gut
    Er: Bist du zufrieden mit deiner Oberseite
    Er: Hast du oft was mit Typen?

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  • "Du machst mich so an." Solche Nachrichten kriege ich ständig, teils mit oder ohne Dick Pic. Einmal bekam ich ein Foto von einem ausgedruckten Bild von mir, das voller Sperma war.
  • Sonntagnachmittag, Herdern. Ich warte an der Haltestelle Hauptstraße auf eine Freundin. Ich höre ein Rumpeln, sehen einen ungepflegten Mann um die 30, wie er eine leere Dose durch die Gegend tritt. Er mustert mich von oben bis unten – wie ein Objekt. Das löst Unbehagen in mir aus. Ich drehe mich weg. Der Mann spricht mich an: "Hast du Angst vor wilden Tieren?" Ich warte einige Sekunden und hoffe, dass er weggeht, dann sage ich "Nein". "Soll ich dir zeigen, wie das ist?", fragt er. Ein Schauer läuft meinen Rücken runter. Ich antworte entschiedener, genervt und sichtlich angewidert: "Nein". Dann kam zum Glück meine Freundin. Er ruft mir hinterher, dass ich ganz schön aufreizend angezogen sei. Ich trage Birkenstocklatschen, einen knielangen Rock und ein stinknormales T-Shirt ohne Ausschnitt.
  • Nachricht an eine Drag Queen:
    Er: Hallo, sie sehen Hammer aus, besonders als Herrin
    Er: Wäre gern ihr Sklave, Herrin, zahle 500 Euro
  • Vor circa 25 Jahren gab mir ein damals 8-Jähriger sein Deutsch- und Religionsheft. Ich bewahrte es auf. Vergangenes Jahr sah ich ihn zufällig auf Facebook und fragt ihn, ob ich ihm die Hefte nicht schicken sollte. Ich dachte, das sei eine schöne Erinnerung für ihn. Er schlug vor, dass wir uns treffen. Ich sagte, ich würde mich melden, sobald ich in der Nähe sei. Dann sendete er aus heiterem Himmel Dick-Pics.
  • Chat mit einem Fremden:
    Er: Hey
    Er: Bist du gut zu vögeln?
    Er: Der war gut oder?
    Sie: Dir muss echt mal wieder jemand die Zündung einstellen.
  • Auf Ebay-Kleinanzeigen habe ich verschiedene Artikel zum Verkauf angeboten, darunter ein Kinderbikini – ohne mir dabei Böses zu denken. Mein Profil enthielt nur meinen Namen, kein Foto. Ich erhielt eine Nachricht von einem Nutzer, der darum bat, mich anrufen zu können. Seine Nummer war unterdrückt und er bat mich ihm Fotos davon zu schicken, wie ich diesen Bikini trage. Er bettelte fast, sagte "er habe diesen Fetisch". Ich habe ihm gesagt, dass er sich eine andere Plattform suchen soll und aufgelegt. Danach habe ich den Nutzer bei der Plattform gemeldet.
  • "Was ist jetzt dein Problem?", sagte ein Typ zu mir, mit dem ich nicht geredet oder getanzt hatte und der mich einfach auf der Tanzfläche von der Seite auf den Mund küsste.
  • Ich verlasse im Winter frühmorgens alleine eine Veranstaltung im White Rabbit und werde draußen direkt von einem Täter auf Englisch abgesprochen, ich beachte ihn nicht und gehe schnell weiter. Er läuft mir hinterher und spricht mich immer wieder an, wohin ich denn gehe, warum ich ihn nicht beachte und dass er kein "bad guy" sei. Die Situation geht über Minuten, auf der Straße sind keine anderen Menschen zu sehen. Er lässt es erst sein, als ich panisch meine Mutter anrufe.
  • Ich hatte soeben meinen Vater auf der Intensivstation der Uniklinik in Freiburg besucht. Er war in einem schlimmen Zustand, und ich war weinend und alleine am helllichten Tag im Sommer auf dem Weg nach Hause als ein alter, dicker Mann auf seinem Fahrrad mir mehrmals hinterherpfiff. Er sah mir ins Gesicht und sah, dass ich weinte und fuhr immer langsamer und pfiff immer lauter. Es schien für ihn völlig in Ordnung zu sein, eine eindeutig verstörte Frau zu belästigen.
  • Fremder über Facebook:
    Er: You are a dream!!!!! So sexy – I must get hot!!!!
    Er: Was für ein Gesicht, diese Augen – und die sinnliche Stimme – alles macht mich unruhig.
  • Ein Täter belästigt mich und zwei Freundinnen auf einer Party physisch und verbal. Wir machen ihm unmissverständlich klar, dass wir seine Gesellschaft nicht möchten, woraufhin er mich erneut fragt, ob ich denn nicht endlich mal "ficken" wolle. Ich entgegnete mit einer Ohrfeige, was der Täter zum Anlass nahm auf mich loszugehen. Freunde und unbeteiligte Personen stellten sich zu meinem Glück schützend vor mich.
  • Auf dem 20-minütigen Nachhauseweg nach einer Weihnachtsfeier nachts gegen 3 hatte ich Pumps an, deren Absatz klackerte. Mich sprachen auf dem Weg von der Altstadt bis in die Unterwiehre drei Männer an. Einer sagte, er fände mich heiß, ob ich wirklich heim möchte. Der nächste fragte erst nach Zigaretten, kam mir dann körperlich viel zu nah. Der dritte fragte, ob er Fotos von meinen nackten Beinen machen dürfte.
  • Ein Typ lief mir die gesamte KaJo hinterher und bettelte mich um ein Date und meine Nummer an. Als ich sagte, ich hätte einen Freund, sagte er: "Die Beziehung hält doch eh nicht" und dass ich es eines Tages bereuen würde , ihm keine Chance gegeben zu haben. Nicht wissend, ob das eine Drohung sei, flüchtete ich in den Karstadt um ihn abzuhängen.
  • Täter wurden auf Veranstaltungen im White Rabbit, Schmitz Katze, Drifters, Crash, Ruefetto und Balz Bambii verbal und körperlich übergriffig. Die wenigsten akzeptieren ein deutliches "Nein", werden dann erst recht aufdringlich, teils regelrecht aggressiv. Manchmal suchen Freunde oder ich selbst Hilfe bei anderen Partygästen oder dem Personal, manchmal ist der Abend so im Arsch, dass man einfach geht.