Stadtjubiläum

Mit der Zeitreise-App auf Tour durch Freiburg

Jens Kitzler

Freiburg gestern und heute – auf dem Handydisplay. Das Jubiläumsprojekt "Freiburg Zeitreise App" bietet sechs multimediale Stadtführungen an. Es ist Teil der Angebote zum Stadtjubiläum.

Die "Freiburg Zeitreise App" nutzt die technischen Möglichkeiten des Smartphones, um an Orten in Freiburg die Vergangenheit, Gegenwart und bisweilen sogar die Zukunft sichtbar zu machen.


"Otto Winterer ist mein Name", tönt es auf dem Rathausplatz, "seit 1888 Bürgermeister von Freiburg." Es ist eine sonore Männerstimme und etwas komisch hört sie sich nur an, weil sie gleichzeitig aus sechs oder sieben Handys krächzt. Deren Besitzer sind auf Tour mit der neuen Freiburg Zeitreise App, die Vergangenheit, Gegenwart und teilweise die Zukunft von Orten in der Stadt auf die Displays der Smartphones oder Tablets bringt.

Einen Kern dieser App kennen Interessierte schon aus der 2017 vorgestellten App "Future History": Hält man das Smartphone mit angeschalteter Kamera auf ein bedeutsames Gebäude, kann der Anwender auf dem Bildschirm in realer Perspektive zwischen dem aktuellen Live-Bild und einer historischen Ansicht hin- und herschalten.

Für die Zeitreise hat Future-History-Entwickler Rolf Mathis das System weiterentwickelt. Wer es ausreizen will, begibt sich mit seinem Smartphone auf eine der sechs angebotene Touren. Den "Überblick Stadtgeschichte" beispielsweise kann man auf dem Rathausplatz starten. Vor Ort klickt der Nutzer auf dem Bildschirm den Standort an und sein Trip beginnt mit einer überblendbaren Alt/Neu-Ansicht des Rathauses und einem Video. Im Film erläutert Alt-Oberbürgermeister Otto Winterer, gesprochen von einem Schauspieler, die Freiburger Stadtentwicklung. Und so geht es in 17 Stationen weiter durch die Stadt. Neben "Augmented Reality", also der Einblendung historischer Ansichten in die reale Szenerie, gibt es Texte und Tondokumente zu den Standorten. Freiburg-Neulinge lotst die Navigation der App von einem Punkt zum nächsten, vorausgesetzt, die GPS-Ortung am Handy ist an.

Weitere Touren befassen sich mit der Zerstörung der Stadt im Zweiten Weltkrieg, mit der Industrialisierung im Stühlinger und mit der Vergangenheit des Quartiers Vauban, das sich aus einer Kaserne heraus zum Vorzeige-Stadtteil entwickelt hat. Hier zeigen Luftbilder, welchen Weg das Areal vom Militärgelände bis zum grünen Wohnviertel zurücklegte.

Nicht unbedingt erwartbar: Eine Tour führt durch die Tuniberg-Gemeinden bis zum Mundenhof, historisch geht es hier unter anderem um Weinbau und die Eingemeindungen der Ortsteile in den 1970er-Jahren. Um diese Strecke zu bewältigen, sollte man neben dem Smartphone auch ein Fahrrad mitnehmen, der Rundkurs beläuft sich auf 27 Kilometer.

Eine Tour beschäftigt sich mit der Zukunft

Die Führung "Alles neu – Freiburg Stadtgeschichte" ist ein Ausreißer: "Eine Tour, die sich nur mit der Zukunft beschäftigt", sagt Entwickler Rolf Mathis. Es geht um die Veränderung der Innenstadt zwischen Colombipark und dem künftigen Wohngebiet Kleineschholz. Hin und her blenden können die Nutzer hier zwischen Fotos aus der Gegenwart und den Illustrationen, in denen Planer und Architekten die spätere Gestalt der Stadtviertel dargestellt haben.

Die App ist Teil des 900-Jahre-Stadtjubiläums und so wurden auch die Kosten von etwas weniger als 50.000 Euro aus dem Finanztopf für das Jubiläum bezahlt. Der Auftrag kam von der Wirtschaftsförderungsgesellschaft FWTM. Ob die App regelmäßig aktualisiert und so nach dem Jubiläumsjahr weiterbetrieben werden kann, ist noch offen. "Da werden wir uns zu Jahresende mit der FWTM zusammensetzen", sagt Rolf Mathis.
Die "Freiburg Zeitreise App" ist kostenlos erhältlich im Google Playstore: Freiburg Zeitreise und im Apple-Appstore: Freiburg Zeitreise