Erfahrungsbericht

Mit dem Perso am Laptop: Führerschein machen trotz Corona

Marie Schweizer

Drei Monate warten auf den Fahrlehrer: Wer sich aktuell bei einer Fahrschule anmeldet, muss Online-Theoriestunden und verzögerte Praxisstunden in Kauf nehmen. fudder-Autorin Marie Schweizer ist grad mittendrin.

Marie Schweizer ist 17 Jahre alt und besucht die 11. Klasse des Kolleg St. Sebastian in Stegen. Für fudder berichtet sie, wie die Fahrschulen sich während Corona-Zeiten veränderten und was die Schüler davon halten.

Früher hatte ich mir fest vorgenommen, sobald ich 16 einhalb bin, also im Dezember 2020, mit dem Führerschein anzufangen. Ich war motiviert, es gleich hinter mich zu bringen. Nach und nach begann dann die Zeit – wie immer schneller als gedacht – sich nach einer Fahrschule zu erkundigen.

Was das Ganze jedoch schwieriger gestaltete war – wer hätte es gedacht – Corona. Die Fahrschulen durften mehrere Monate nicht öffnen und keine neuen Schüler aufnehmen. Alle meine Freunde ärgerten sich aufgrund der Verzögerung und waren besorgt, wie es weitergehen würde. Auch ich.

Im virtuellen Raum mit 20 anderen Jugendlichen

Ab dem 11. Mai 20210 wurden dann endlich wieder Online-Theoriestunden sowie Praxisfahrstunden angeboten, jedoch mit langen Wartezeiten. Ich begann nun, die notwendigen Formulare auszufüllen, ins Rathaus zu gehen und mich für mehrere Theoriestunden auf der Homepage anzumelden, die typische Prozedur.

Ich war ganz aufgeregt, die Kurse zu besuchen. Natürlich hatte ich wegen des Homeschoolings schon viele Onlinestunden gehabt, aber die Lehrer von meiner Schule kannte ich, diese hier nicht.
Bevor die erste Stunde am Nachmittag begann, erstellte ich mir ein BigBlueButton-Konto und installierte Microsoft Edge. Schließlich gelangte ich in den virtuellen Raum mit etwa 20 anderen Jugendlichen. Sofort wurden wir aufgefordert, unsere Kameras anzuschalten. Mein erster Gedanke war, dass zum Glück nur die Lehrer einen sehen konnten. Ohne Kamera würde die Unterrichtszeit natürlich nicht angerechnet werden.

Aus der Konferenz geworfen

Ich erhaschte einen Blick auf all die verschiedenen Namen der anderen Teilnehmer. Es waren sehr außergewöhnliche dabei, was mir gefiel, denn in Corona-Zeiten hatte ich fast vergessen, dass es neben meinen Mitschülern noch andere Leute gab.

Der Fahrschullehrer meinte nun jedoch, dass die Technik aktuell nicht gut genug sei und man die Theoriestunde verschieben müsse, wir wurden aus der Konferenz geworfen. Etwas überrumpelt saß ich nun da, denn so hatte ich mir das nicht vorgestellt.

Der zweite Versuch fand ein paar Tage später statt, diesmal funktionierte alles. Es hieß nun: "Alle die Kameras an, Mikro aus und Perso zeigen". Der Personalausweis ist sehr wichtig, damit man nicht einfach die Oma oder kleine Schwester vor den Laptop schickt.
"Zwei Stunden interessiert auf einen Bildschirm zu starren wurde nach einer Weile immer langweilig."

Die Konferenz war so aufgebaut, dass die Schüler aufmerksam zuhören und mitmachen sollten und Fragen stellen konnten. Der Fahrlehrer wurde in einem kleinen Kasten am Bildschirmrand angezeigt, der restliche Bildschirm bestand aus der PowerPoint-Präsentation. Die typischen Themen waren beispielsweise lebenslanges Lernen, Vorfahrt und Grundregeln, technische Bedingungen oder persönliche Voraussetzungen. Die Präsentation bestand aus Bildern, Stichworten zum Merken, Kurzfilmen oder Mitmach-Spielen, die man normalerweise in Präsenz durchgeführt hätte. Ein anderer Fahrschullehrer war hinter der Kamera, kontrollierte immer mal wieder die Bildschirme und richtete die Technik.

Je nach Lehrer und Mitschüler waren die Stunden etwas anders gestaltet, doch zwei Stunden interessiert auf einen Bildschirm zu starren wurde nach einer Weile immer langweilig. An Lehrersätze wie: "Ich glaub, der schläft" oder "Ich mach’s wie ihr und esse jetzt auch" war man deshalb gewöhnt.

Drei Monate Wartezeit

Die Lehrer von der Fahrschule versuchten immer, die Sache locker und lustig zu nehmen und trotzdem konsequent die Stunden durchzuziehen. Ich fand es interessant, mehr zu lernen und natürlich auch praktisch, mich nicht groß richten zu müssen oder bei dem vergangenen schlechten Wetter irgendwo hinzuradeln.

Die Theorieprüfung, die ich nun bald absolvieren kann, wird aber natürlich unter Einhaltung aller Regeln in Präsenz stattfinden. Erst nach Absolvierung dieser ist es erlaubt, mit den praktischen Fahrstunden zu beginnen. Aufgrund der Verschiebungen Anfang des Jahres wird mit dreimonatiger Wartezeit gerechnet, um einen Fahrschullehrer zu bekommen. Ich bin gespannt, wie es schließlich ablaufen wird.

Ein paar meiner Freunde sind schon fleißig am Fahrstunden nehmen, da sie letztes Jahr gestartet sindn, und berichten, dass es kein Problem ist, die Maske ständig zu tragen. Anstrengend ist nur, länger auf die speziellen Stunden wie Überlandfahrt zu warten. Aber wie bei normalen Schulen ist auch hier jede unterschiedlich.

Ich bin froh, so schnell mit dem Theorieteil fertig geworden zu sein und nicht noch länger warten zu müssen. Dazu bin ich nun ganz zuversichtlich, dass es durch die aktuellen vielen Lockerungen schon bald wieder normal und einfacher für alle wird.

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