Hobby

Meine Meinung: Wieso das Klischee "Pferdemädchen" ausgemistet gehört

Adriane Diener

Über Reiterinnen und ihre Pferde hört man so einiges. Oft werden Reiterinnen als "Pferdemädchen" abgestempelt. fudder-Autorin Adriane ist selbst Reiterin, räumt mit ein paar Vorurteilen auf und erklärt, wieso Reiten nicht nur was für Mädchen ist.

Ich bin seit meinem fünften Lebensjahr Reiterin und neben Motorradfahren ist es mein liebstes Hobby. Schade ist nur, das viele dem Reitsport und vor allem uns Reiterinnen mit Vorurteilen gegenüber treten. Natürlich ist Reiten ein Hobby, was viel Zeit in Anspruch nimmt und nicht einfach nebenher erledigt werden kann. Womit wir zum ersten Klischee kommen:

1. Pferdemädchen haben nie Zeit

Wenn ich so darüber nachdenke, muss ich sagen, dass wir Reiter und Reiterinnen gerne unsere Zeit am Stall und bei unseren Pferden verbringen. Aber genauso wie andere Ballettunterricht nehmen oder stundenlang lesen, verbringen wir unsere Zeit damit, es unseren Pferden recht zu machen. Pferde brauchen viel Aufmerksamkeit und Bewegung. Der Stall muss gemistet, Sattel und Trense geputzt und die Pferde nebenbei noch betüdelt werden. Aber das macht uns Spaß, weil wir wissen, für wen wir das machen: Nämlich für uns und unser liebstes Hobby. Folglich haben Reiterinnen weniger Zeit. Nur, dass es wenig damit zu tun hat, ob man ein Pferdemädchen ist oder nicht, sondern damit, das Pferde viel Zeit in Anspruch nehmen. Man kann sich vielleicht nicht jeden Tag spontan mit uns treffen, dafür aber umso intensiver und länger, wenn wir uns die Zeit nehmen.

2. Pferdemädchen sind eine Gruppe für sich

Da wir Reiter und Reiterinnen viel Zeit am Stall verbringen und wir viele andere Pferdemädels als Freundinnen haben, kommt ab und zu das Klischee auf "Pferdemädchen sind eine Gruppe für sich". Pferdemädchen würden sich nur untereinander treffen und wirken von außen betrachtet irgendwie seltsam, heißt es. In ihre Gruppe kommt man nur rein, wenn man ein Pferd und einen gewissen Kleidungsstil hat. Aber so stimmt das nicht. Wir Reiterinnen sind vielleicht etwas verrückt. Wir gehen bei Wind und Wetter zum Stall. Für sein eigenes Pferd zahlt man gern den Hufschmied und die ganzen Tierarztkosten, ohne zu wissen, wann man selbst das letzte Mal beim Arzt war. Im Sommer geht man gleich um 6 Uhr morgens reiten, damit das arme Pferd nicht in der Mittagshitze bewegt werden muss. Ich glaube, die Liste muss man nicht weiterführen. Wir Reiterinnen sind speziell. Aber genauso wie man unsere Liebe zum Pferdesport vielleicht nicht versteht, verstehen wir vielleicht die Liebe zum Fußball nicht. Wir fahren am Wochenende auf Turniere und Fußballfans fahren zum nächsten Spiel ihres heißgeliebten Vereins. Was ich aber mit Sicherheit sagen kann, ist, wenn du einen Pferdemenschen als Freund hast, ist er vielleicht nicht immer der staubfreieste, pünktlichste oder ordentlichste Mensch, dafür aber jemand, mit dem man im wahrsten Sinne des Wortes Pferde stehlen kann.

3. Reiterinnen und Reiter sind reich

Das scheint ein weiteres Klischee zu sein. Pferdemädchen oder allgemein Reiter, geben laut der Gesellschaft ihr ganzes Geld fürs Pferd aus. Es stimmt, Reiten ist nicht billig und ein eigenes Pferd zu besitzen schon gar nicht. Allerdings muss man sagen, das zwei Mal im Jahr in den Urlaub fahren oder der nächste Shoppingtrip auch nicht gerade günstig sind. Man setzt seine Prioritäten selber und gibt dementsprechend Geld dafür aus. Auch wir müssen hart für unser Geld arbeiten, aber stellen unser Hobby eher in den Vordergrund. Für den einen ist es der Urlaub auf Mallorca in einem Luxushotel, für den anderen die neuen Schuhe von Louboutin und für uns Reiter haben halt unsere Pferde eine hohe Priorität. Pferdemädchen geben ihr Geld also gerne für ihr Pferd aus, aber anders als das Klischee es sagt, müssen wir auch was für dieses Geld tun.

4. Pferdemädchen sind kindisch

Das vorherige Klischee ist ein Pendant zum nächsten: "Pferdemädchen sind kindisch". Pferdemädchen sind die, die galoppierend über den Pausenhof gerannt sind und Pferdepullis getragen haben. Doch auch diese Mädchen werden irgendwann erwachsen und merken, wie viel Geld ein Pferd kostet und was für eine Verantwortung man für ein anderes Lebewesen übernehmen muss. Pferdemädchen sind die Mädels, die diese Verantwortung nicht übernehmen wollen und mit dem Reiten aufhören. Frauen, die sich ihr Leben lang diesem Hobby hingeben, sind alles andere als kindisch. Sie können Verantwortung übernehmen, wissen was sie wollen, haben ein starkes Selbstbewusstsein und arbeiten hart für ihr Geld. Außerdem sind sie sich für nichts zu schade und haben kein Problem damit, auch mal kräftig mit an zu packen. Jedoch werden auch diese Reiterinnen im Herzen immer etwas kindisch bleiben. Wenn sie eine Wiese sehen stellen sie sich vor, wie toll es wäre darüber zu galoppieren. Wenn sie Pferde sehen, leuchten ihre Augen und wenn sie mit ihren Pferden reden, passiert es ab und zu, das sie ihre "niedliche" Stimme auspacken. Aber ist nicht jeder im Herzen etwas kindisch, wenn man an frühere Zeiten erinnert wird?

5. Pferdemädchen reden nur über Pferde

Das größte und geläufigste Klischee ist wohl, das "Pferdemädchen nur über Pferde reden". Viele Menschen reden gerne über ihr Hobby, auch wir sogenannten Pferdemädchen. Wir geben viel Geld für unsere Pferde aus, gehen schwer dafür arbeiten und verbringen viel Zeit mit den geliebten Vierbeinern. Kein Wunder, dass wir dann viel und auch gerne über Pferde reden. Aber vielen Menschen geht es mit ihrem Hobby ähnlich. Die Einen reden gerne über Fußball und ihren Lieblingsverein. Die Anderen reden über die neusten Computer- oder Konsolenspiele und wir reden eben gerne über unsere Pferde. Wir verbringen so viel Zeit mit unserem Hobby und die Pferde geben uns so viel an Glück, Entspannung und Ruhe zurück, dass wir das alles gerne mit anderen teilen wollen. Aber natürlich interessiert das nicht immer jeden, darum sagt doch einfach, wenn euch ein Thema zu viel wird oder ihr euch nicht so sehr dafür interessiert. Reiter, Fußballfans, Balletttänzer und alle anderen, werden das mit Sicherheit verstehen und man kann sich dann über ein gemeinsames Thema unterhalten.

Reiterinnen und ihre Pferde sind eben von außen betrachtet etwas speziell. Doch wenn ihr euch auf ein Gespräch mit uns einlasst, werdet ihr sehen, dass die meisten von uns auch über andere Themen reden können, echt nett, nicht sonderlich reich und nur manchmal etwas kindisch sind. Und wenn ihr euch doch mal für das Thema Pferd interessiert, merkt ihr sicherlich schnell, das Reiten nicht nur was für Mädchen, sondern für alle ist. Man lernt im Umgang mit Pferden Verantwortung und Respekt. Außerdem bekommt man eine gute Haltung und ein besseres Körpergefühl. Es hält fit, reduziert den Stress und man ist viel an der frischen Luft. Egal ob klein oder groß. Im Reiten und in der Interaktion mit Pferden findet jeder etwas, von dem er lernen und für sich schöpfen kann.