Kommentar

Meine Meinung: Wer Leihroller erlaubt, muss auch den Nutzen beweisen

Joshua Kocher

E-Roller fahren macht Spaß. Mehr aber auch nicht, findet Joshua Kocher. Denn ob die Scooter wirklich einen Beitrag zur Verkehrswende leisten, ist umstritten. Freiburg könnte da vorangehen – und eine Studie in Auftrag geben.

Wer E-Scooter fährt, ist entweder faul, gut drauf oder betrunken. So in etwa lässt sich die Kritik an den Leihrollern, die seit dem Wochenende auch in Freiburg verfügbar sind, zusammenfassen. Eindrücke aus anderen Städten scheinen das zu bestätigen: Oft sind sie ein Gaudi-Gerät für Touristen, Jugendliche und Partypeople.


Dabei verfolgen die Leihroller eigentlich ein hehres Ziel. Sie sollen dabei helfen, Straßen sicherer und die Luft sauberer zu machen – als Teil der von Verkehrsexperten, Naturschützern und Politik geforderten Verdrängung des Autos aus den Städten. Auf Freiburg runtergebrochen: Pendler aus Gottenheim lassen in der Idealvorstellung ihr Auto stehen, fahren mit der S-Bahn zur Messe und von dort, auf der sogenannten "letzten Meile", mit dem Roller zum Fraunhofer-Institut oder zu Pfizer.

Umweltbundesamt: Leihroller kein Gewinn für die Umwelt

Doch das soll nach Ansicht des Umweltbundesamts überhaupt nicht funktionieren. Erste Zahlen würden darauf hinweisen, dass die Roller nicht wie angestrebt das Auto ersetzen, sondern innerstädtischen Fuß- und Radverkehr. Was blöd ist, denn im Vergleich zum Fahrrad (und zum Laufen allemal) sind die Scooter die deutlich umweltschädliche Variante.

Ob sich das in Zukunft ändern wird, sei fraglich, schreibt der Thinktank "Agora Verkehrswende" in einer gemeinsamen Analyse mit dem Deutschen Städtetag. Denn im Vergleich zu Leihfahrrädern, Bus und Bahn seien die Scooter deutlich teurer. In Freiburg zahlt man für eine viertelstündige Fahrt fast fünf Euro. Dass man ein Handy plus Kreditkarte oder Paypal-Account zur Nutzung braucht, schränkt die Zielgruppe noch zusätzlich ein.

Doch es wäre verfrüht, die Roller schon jetzt zu verteufeln. Denn es gibt für Deutschland noch keine repräsentativen Studien dazu, wer, wann und wie die Leihscooter nutzt. Sind es wie in Paris hauptsächlich junge Männer oder wie in Portland (USA) einkommensstarke Bildungsbürger? Wäre fast die Hälfte der Rollernutzer wie in Paris sonst gelaufen? Oder hat wie in Portland und Wellington (Neuseeland) jeder fünfte dafür sein Auto stehen lassen?

Die selbsternannte Green-City und Fahrradstadt Freiburg könnte da vorangehen und genau diese Fragen im Rahmen einer Studie klären lassen. Am besten, bevor noch weitere Anbieter ihre Roller in der Stadt abstellen.