Innenstadt

Meine Meinung: Weniger Parkplätze, mehr Sitzflächen – auch nach Corona

Nora Ederer

20 Anwohnerparkplätze hat die Stadt Freiburg im Sedanquartier bis Ende Oktober gestrichen. So will sie mehr Platz für Café- und Kneipenbesucherinnen schaffen. Das sollte auch nach Corona so bleiben, findet fudder-Autorin Nora Ederer.

Endlich wieder Leben im Sedanviertel! Nach zwei Monaten Stillstand gibt’s wieder Pizza und Fußball bei Michelangelo, Kuchenpause im Café Auszeit und Bier bei O’Kellys, frisch vom Fass gezapft. Diese Kleinigkeiten machen das Leben in der Sedan-, Moltke- und Wilhelmstraße aus. Am 18. Mai durften die Gastro-Betriebe im Quartier wieder öffnen. Doch Abstand und gute Durchlüftung müssen nach wie vor sein, gerade jetzt, wo sich wieder alle Welt in der Innenstadt tummelt. Deshalb wanderten in den vergangenen Tagen viele Tische und Stühle aus den Gasträumen auf die umliegenden Parkplätze. 20 Stück fallen im Sedanviertel insgesamt weg, vorerst bis zum 31. Oktober. Gut so und gerne noch mehr!


Denn obwohl die Stadt mit dieser Regelung vorrangig gebeutelte Kneipen- und Cafébesitzer*innen unterstützen will, zeigt sich in diesen Tagen auch wie viel schöner das Quartier wäre, würde nicht jede Straße links und rechts von einem Wall parkender Autos gesäumt. Manchen kommt es sogar so vor, als sähen sie die bunten Fassaden und Schaufenster im Viertel zum ersten Mal. Und wie viel Platz in den Straßen auf einmal ist – für Menschen und Begegnungen, zum Spielen, Sitzen und Verweilen. Das kann auch nach Corona gerne so bleiben. Die Stadt sollte die Parkplätze dauerhaft streichen.
Sitzplätze statt Parkplätze: In Freiburg gibt es jetzt Parklets

Das würde den ein oder die andere Autobesitzer*in wohl ärgern. Aber nur fünf Minuten Fußweg entfernt gibt es zwei zentrale Parkhäuser, in der Rempartstraße und am Rotteckring. So könnte die Stadt durchaus ein alternatives Parkkonzept für Anwohner*innen entwickeln.

Es geht darum ein Zeichen zu setzen. Die Autos in der Innenstadt müssen endlich weniger werden. Sie brauchen zu viel Platz, verpesten die Luft und verstärken die soziale Abschottung. Stattdessen sollte die Stadt Fußgänger*innen und Radfahrer*innen in der Verkehrsplanung noch stärker priorisieren. Ein Anfang ist bereits gemacht. Vor ein paar Jahren wurde die Sedanstraße offiziell zur Fahrradstraße erklärt. Und seit vergangener Woche stehen auf zwei der ehemaligen Parkplätze neue Fahrradständer. Ihnen müssen die Autos nun dauerhaft weichen.