Abschaffen!

Meine Meinung: Warum wir endlich aufhören sollten, bar zu zahlen

Carolin Johannsen

Bargeld ist unhygienisch und unpraktisch, findet fudder-Autorin Carolin Johannsen. Sie plädiert für kontaktloses Zahlen, nicht nur in Zeiten von Corona. Was für sie noch dafür spricht, hat sie für fudder festgehalten.

Wer kennt sie nicht – die ältere Dame, die vor einem an der Supermarktkasse steht und gerade den schlimmsten Satz gesagt hat, den es in dieser Situation zu sagen gibt. "Warten Sie, das hab ich passend." Gefühlte Stunden später hat sie dann den Betrag in Centstücken herausgesucht – sich womöglich auch noch verzählt – und endlich ist man selbst an der Reihe. Dann heißt es einmal schnell die Karte oder Smartwatch an das Lesegerät halten, wenige Sekunden später ist die Zahlung abgeschlossen. Es ist schon praktisch, nicht bar zu zahlen.

Die Tage des Bargelds sind spätestens seit Beginn der Corona-Pandemie gezählt. "Bitte mit Karte zahlen", heißt es inzwischen immer öfter auf Schildern in Läden. "Zahle kontaktlos" ist ebenfalls eine solche Aufforderung. Seit Corona wird deswegen immer weniger bar gezahlt.

In Schweden – hier befinde ich mich seit August 2020 aufgrund meines Erasmus-Auslandsjahres – ist Bargeld schon lange eine Seltenheit. Einen Geldautomaten sucht man hier lange, mit Münzen zahlen funktioniert in vielen Geschäften gar nicht. Stattdessen ist es unter Freunden üblich, Geld übers Handy zu schicken und im Supermarkt kontaktlos mit Karte oder Smartphone zu zahlen. Und das funktioniert! Warum sollten wir also nicht auch in Deutschland endlich aufhören, bar zu zahlen?

Bargeld ist unhygienisch

Geldscheine und -münzen sind oft viele Jahre im Umlauf. Insbesondere Scheine entwickeln sich dadurch im Laufe der Zeit zu Keimschleudern. Auf ihnen sammeln sich Bakterien ähnlich wie auf Türgriffen oder Haltestangen in der Bahn. Diese sind zwar nicht zwangsläufig gesundheitsgefährdend, aber warum sollte man sich diesem Risiko aussetzen, wenn es sich doch einfach vermeiden ließe?

Bargeld ist unpraktisch

Insbesondere im Sommer, wenn die Kleidung kürzer und die Taschen kleiner werden, ist es unglaublich unpraktisch, immer den Geldbeutel einzustecken. Je nach Menge an Münzgeld ist der variabel dick und passt nicht selten nicht in die Tasche. Da wäre es doch viel einfacher, nur das Handy /die Uhr / eine Karte einzustecken.

Bar zahlen dauert länger

Eine Barzahlung an der Kasse dauert laut einer Studie der Deutschen Bundesbank 22 Sekunden. Für eine Kartenzahlung hingegen braucht man im Durchschnitt 29,4 Sekunden. Auf den ersten Blick ist es also schneller, bar zu zahlen. Allerdings gibt es zum einen die "Ich-habs-passend-Omi", die deutlich länger braucht und außerdem ist kontaktloses Zahlen in der Studie nicht erfasst. Das ist nämlich die schnellste Zahlungsmethode – man braucht nur etwa zehn Sekunden.

Schwarzarbeit und Drogenhandel wird schwieriger
Bargeld sichert Anonymität. Wer bar zahlt, ist schwer zu fassen, denn es werden keine (digitalen) Spuren hinterlassen. Das nutzen insbesondere diejenigen, die nicht ganz saubere Geschäfte betreiben. Ob Drogen dealen oder Schwarzarbeit – wenn es kein Bargeld mehr gäbe, wäre es dabei für alle Beteiligten schwieriger.

Bargeld produzieren kostet

Die EU-Kommission hat schon im letzten Jahr angekündigt, Ein- und Zwei-Cent-Münzen abschaffen zu wollen. Der Grund ist, dass die Kosten für Material, Produktion und Transport hoch seien.

Karte vermeidet Konflikte

Fakt ist, ich zahle trotzdem noch mit Bargeld. Insbesondere in Deutschland gibt es noch Cafés oder Flohmärkte, wo man nicht anders zahlen kann. Ansonsten greife ich aber fast immer auf meine Karte zurück. Die nimmt außer mir niemand in die Hand, die wiegt nicht einmal soviel wie eine Münze und provoziert niemanden an der Supermarktkasse.