Meine Meinung: Sexismus ist auch an Fasnet Sexismus

Lisa Petrich

An Fasnet ist alles erlaubt!? Auch ungehemmte Frauenwitze, sexistische Hits wie "Dicke Titten, Kartoffelsalat" und Belästigungen? Fasnetfan Lisa Petrich hat genug von Sexismus in der fünften Jahreszeit.

Endlich ist die Fasnetzeit wieder da und es wimmelt von Narren, verkleideten Kindern und Konfetti. Eine der schönsten Jahreszeiten, aber leider wird das frohe Beisammensein immer wieder von sturem Sexismus getrübt. Besonders an den Zunftabenden, Hästrägertreffen oder anderen Fasnets-Partys wird deutlich, dass einige Mitglieder unserer Gesellschaft wohl in alten, patriarchalen Mustern verharren.


Natürlich werden einige denken: Die übertreibt. Fasnet bietet schließlich die Möglichkeit, sich über alles und jeden lustig zu machen. Das stimmt teilweise auch: Fasnet ist dazu da, Grenzen zu lockern, Tabus zu brechen und sich über gesellschaftliche und politische Themen lustig zu machen. Das muss auch so sein. Trotzdem sollte man das Fass nicht zum Überlaufen bringen.

Frauen sind dumm, hässlich und können kein Auto fahren?

Keiner beschwert sich, wenn an einem Zunftabend im Programm zwei oder drei Witze auf Kosten der Frauen gemacht werden, solange die Frauen im Anschluss mit einer abfälligen Bemerkung über Männer kontern oder mit Selbstironie über ihre Einparkkünste scherzen. Aber wenn ein Mann auf der Bühne Frauenwitze im Minutentakt ins Mikrofon brüllt und dabei keine einzige Gegenreaktion über das männliche Geschlecht zurückkommt, steht das in keinem Verhältnis zueinander. Das ist Diskriminierung.

Viele Männer, wenn auch schon an der Bar ordentlich getankt, lachen ausgelassen. Auch einige Frauen lachen. Ist ja normal, dass Frauenwitze gemacht werden. Frauen sind schließlich dumm, verstehen nichts von Technik, Fußball, Autofahren und sind lediglich am Herd zu gebrauchen? In welcher Welt leben wir, dass so ein platter Humor heutzutage noch einfach akzeptiert und nicht hinterfragt wird?

Rassismus an Fasnet wurde in einigen Debatten in den vergangenen Jahren mehrfach diskutiert. Dennoch ist Rassismus in der Fasnet nicht verschwunden. Auch Frauenwitze sind in der Fasnet noch überwiegend akzeptiert und werden selten angeprangert. Es ist schließlich einfach und manchmal merkt man nicht, wie viele sexistische Bemerkungen sich in so manch einem Sketch versteckt sind. Man nimmt es unterschwellig wahr. Das ist gefährlich, weil sich dann niemand beschwert.

Dabei braucht es diese Witze nicht. Man kann auch anders als auf Kosten einer Bevölkerungsgruppe ganze Hallen zum Lachen bringen. Sich solche Witze zu überlegen, ist aber schwieriger, als den erstbesten Frauenwitz aus dem Internet zu kopieren. Wer dieses Ideenreichtum nicht aufbringen kann, sollte es einfach lassen mit dem Witze reißen.

Sexistische Schlager grölen und kurz unter den Rock fassen

Oft bleibt es nicht nur bei unpassenden Frauenwitzen. Auf der Tanzfläche geht es weiter mit Fasnets-Hit wie "Dicke Titten, Kartoffelsalat" oder mit einem der neueren, schrecklichen Schlager "Geiler Arsch, geiler Blick, geiles Stück – Annaleeeena!". Da tun mir nicht nur alle Annalenas dieser Welt leid, sondern auch der Idiot, der dieses Lied zum Hit gemacht hat. Leider ist der Song ein Ohrwurm, und weil Fasnet ist, scheint der offensichtliche Sexismus im Lied wohl allen egal zu sein, selbst einige Frauen grölen lauthals mit.

In vollgequetschten Hallen scheinen es einige Männer auch nicht lassen zu können, den Arm im Vorbeilaufen um die Hüfte unbekannter Frauen zu schlingen, um sie beim Beiseiteschieben noch schnell antatschen zu können. Einige sind sich auch nicht zu schade, mal eben kurz unter den Rock zu fassen oder in den Arsch zu kneifen, um direkt danach unerkannt wieder in der Masse zu verschwinden und die Frau fassungslos und entwürdigt zurückzulassen. Männer, was fällt euch eigentlich ein?!

Im Minirock oder kurzen Garde-Outfit herumzulaufen, ist keine Einladung, der Frau einen dummen Spruch hinterzubrüllen, sie anzumachen oder gar anzufassen. Wer das anders sieht, sollte sich einen Psychologen suchen.

Sexismusfreies Fasnet, bitte!

Wer im 21. Jahrhundert glaubt, dass übermäßig viele Frauenwitze und anzügliches Verhalten lustig seien, sollte dringend sein eigenes Verhalten überprüfen. Glücklicherweise gibt es Männer und Frauen auf dieser Welt, die ein Bewusstsein für Ungerechtigkeit besitzen. Es liegt auch an den Frauen, sich diese uralten Witze des vermeintlich stärkeren Geschlechts nicht mehr gefallen zu lassen und nicht mehr zu sexistischen Hits abzufeiern. Sonst wird es einfach weiterhin gesellschaftlich akzeptiert. Eine so schöne Tradition wie Fasnet sollte diskriminierungsfrei sein.
Info:

Der Meinungsartikel zielt nicht darauf ab, bestimmte Zünfte anzuprangern. Die Autorin ist selbst Mitglied einer Zunft und will betonen, dass es an Fasnet leider fast überall sexistische Vorfälle gibt und jeder und jede sich zu dem Thema Gedanken machen sollte.