Vermüllung

Meine Meinung: Mangelnder Respekt und Ignoranz sind Schuld am Abfallproblem

Anna Castro Kösel

Müll, soweit das Auge reicht. Vor allem am Wochenende sieht es in der Freiburger Innenstadt aus wie auf einem Schlachtfeld. Höhere Bußgelder sind ein Schritt in die richtige Richtung, findet Anna Castro Kösel, aber es muss sich vor allem an der menschlichen Ignoranz etwas ändern.

Wart ihr Samstagmorgen so gegen sechs Uhr mal in der Stadt? Wahrscheinlich nicht. Viel zu früh, nachdem man sich am Vortag ziemlich die Kante gegeben hat und sich vielleicht auch nicht mehr an alles erinnern kann.


Hat man aber Lust auf ein kleinen Realitätsschock, oder sagen wir, ein Schaubild menschlicher Rücksichtslosigkeit, Ignoranz, Faulheit und Egoismus, kann man ja mal frühmorgens durch die Stadt flanieren. Wach ist man danach auf jeden Fall, der Kater wird sich vermutlich erstmal verschlimmern.

Ein Zeichen mangelnden Respekts

Pizzakartons, Zigaretten, zerbrochene Glasflaschen, ToGo–Plastikgeschirr, Scherben. Es ist nicht die beschauliche, grüne Studentenstadt, die wir vorfinden, sondern eine Müllhalde – wohin man auch schaut. Komischerweise sind die Mülleimer nicht immer voll, sondern der Müll liegt ein paar Meter weiter daneben: Auf dem Boden.

Für notwendig gehalten wird es anscheinend nicht, ein paar Meter zu einem Mülleimer zu laufen oder gar die Hinterlassenschaften selbst mit zu nehmen. Rund um den Synagogenbrunnen, an einem der wichtigsten Gedenkorte Freiburgs, sind Bierflaschen und anderer Müll zu finden. Auch das wird dort achtlos liegengelassen. Ein Zeichen mangelnden Respekts, auch gegenüber der Geschichte und den jüdischen Opfern.



Wieso auch aufräumen, wieso respektvoll sein? Die Stadtreinigung wird’s doch bestimmt richten. Und die anderen machen das doch auch. Aber ist es nicht zum (Fremd-) Schämen, dass andere Menschen früh morgens mehrere Stunden brauchen, den Müll den Partymenschen in der Nacht in der ganzen Stadt fast schon gezielt verteilen, wegzuräumen?

Wir haben in Freiburg in ziemliches Müllproblem

Wie kleine Kinder, hinter denen man her putzen muss. Denn: Wie durch Zauberhand, ist der Platz der alten Synagoge, das Bermuda-Dreieck und Teile der Dreisam nach den durch rauschten Nächten, nach denen man mit Kater viel zu spät aufgewacht ist, wieder blitzblank. Na dann, wenn der Müll weg ist, ist ja alles in Ordnung, oder?

"Das Grundproblem ist die Ignoranz und der Glaube, dass ’andere es ja schon wieder sauber machen werden’."

Doch die heile Welt trügt. Zwischen 2008 und 2018 hat sich das Aufkommen von Straßenkehricht und Papierkorbinhalten von knapp 2500 auf rund 4200 Tonnen massiv gesteigert. Wir haben in Freiburg in ziemliches Müllproblem. Doch auch mehr Mülleimer und erhöhte Bußgelder, die der Gemeinderat am heutigen Dienstag in einem Sofortprogramm beschließen will, werden nichts an dem Grundproblem ändern.

Denn das Grundproblem ist die Ignoranz und der Glaube, dass "andere es ja schon wieder sauber machen werden". Dieses "Und-nach-mir-die-Sintflut-" Denken müssen wir alle ganz schnell hinter uns lassen. Jede und jeder muss sich an die eigene Nase packen.

Räume ich nach einer Sauf-Nacht auf? Nehme ich immer meinen Müll mit oder lasse ich hier und da mal was liegen? Helfe ich mit, wenn ich auf eine Party im Freien eingeladen wurde, Flaschen und Co. wegzuräumen? Diese Fragen sollte man sich auch noch in betrunkenem Zustand stellen können.

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