Hinterlassenschaft

Meine Meinung: Mach dein Testament!

Martha Martin-Humpert

Auch, wenn niemand an seinen eigenen Tod denken will: Irgendwann müssen wir uns alle damit auseinandersetzen. "Es kann aber erleichternd sein", findet Martha Martin-Humpert. Und plädiert dafür, dass auch junge Menschen schon ihr Testament schreiben.

Klingt erstmal wie eine Drohung, ist aber ein ernst gemeinter Vorschlag. Und nicht etwa für ältere Menschen, sondern auch schon für Mittzwanziger. Denn es kann durchaus Sinn machen und sogar Erleichterung schaffen, sich damit auseinander zu setzen, was man wem und wie auf dieser Welt hinterlassen möchte.

Gerade das letzte Jahr mit seinen vielen bedrohlichen Nachrichten hat vielleicht bei der einen oder anderen Person dazu geführt, sich vorzustellen: Was ist, wenn mir das auch passiert? Aber Überraschung: Das, also das Sterben, ereilt jeden von uns. Es ist keine Frage, ob ein Ende eintritt. Sondern höchstens, wie und wann.

Viele verdrängen den Gedanken an das eigene Ableben gerne und vergessen dabei, dass der große Schnitter noch jeden erwischt hat. Die Umstände haben wir dabei nicht in der Hand. Aber ist es bei all der Unausweichlichkeit nicht auch ein tröstlicher Gedanke, dass zumindest manche Dinge schon geklärt sind? Ein eigenes Testament regelt zumindest schonmal die Verteilung des Besitzes nach dem Lebensende (wer richtig next Level ist, setzt sich gleich auch noch an die Patientenverfügung).

Man kann den Gedanken an den Tod trainieren

Klar, vielen ist es unangenehm, über Krankheit, den Sensenmann und ähnlich scheinbar düstere Thema zu reden. Doch wie einen Muskel, kann man auch den Gedanken an den eigenen Tod trainieren und ihm so den Schrecken nehmen. Am Anfang ist das – wie immer, wenn man etwas neu beginnt - wahrscheinlich etwas hart, mühsam und ungewohnt.

Was, wenn ich hier einfach auf der Treppe ausrutsche und mir ungünstig den Hals breche? Was, wenn das Auto da vorne aus Versehen ausschert? Was, wenn ich an diesem Marmeladenbrot ersticke? Zuerst ist der Gedanke vielleicht gruselig, aber je öfter man sich der Situation mental aussetzt und in seinen Alltag integriert, desto natürlicher und weniger angstbehaftet wird das Ganze. Außerdem verleiht es Intensität und kann als Richtschnur dienen, ob man sein Leben gerade so gestaltet, wie man es sich vorstellt.
fudder-Tipp: Und wenn ihr schon dabei seid: Auch um digitalen Nachlass muss man sich kümmern. Alles, was man in Bezug auf Facebook, Google & Co. bedenken muss, erklärt die BZ-Serie "Vom Sterben, Trauern, Trösten" ab 17. April.

Wenn ich jetzt stürbe, wäre das okay? Oder glaube ich, dann etwas verpasst zu haben? Wenn ja, was? Und warum habe ich es bis jetzt nicht erreicht oder vor mir hergeschoben? Gelegentlich in sich hineinhorchen und fragen, ob man angesichts der eigenen Endlichkeit mit seinem Weg zufrieden ist, kann helfen, sich entweder in seinen bisherigen Entscheidungen bestärkt zu fühlen oder bei Bedarf neu auszurichten. Wir glauben oft, wir hätten unendlich Zeit und ja, das Leben ist das längste, was wir tun. Aber manchmal ist man zu gefangen im Trott und vergisst zu hinterfragen, ob das alles genau so laufen muss.

Also mal einen kurzen Moment auf die Stop-Taste drücken, Papier und Stift zur Hand nehmen und sich an das eigene Testament setzen. Eine kleine Reflektion über das was und wer man ist, was man hat und was mit all den Dingen passieren soll. Wichtig, damit das Dokument es als solches anerkannt wird: Titel, Datum und Unterschrift müssen drauf sein. Eine notarielle Beglaubigung ist nicht notwendig, wer auf Nummer sicher gehen will kann es allerdings noch von einer anderen Person gegenzeichnen lassen.

Aber was soll überhaupt rein?

Normalerweise greift in Deutschland die gesetzliche Erbfolge, das heißt, Hinterlassenschaften gehen an die nächsten Verwandten. Wer nun zum Beispiel will, dass auf jeden Fall die beste Freundin die Plattensammlung erbt oder der Schmuck an den einen Lieblings-Cousin geht, der sollte das schriftlich festhalten. Mündliche Absprachen sind zwar schön und gut, oft kann sich später aber dann doch keiner mehr dran erinnern. Mit der Verschriftlichung tut man außerdem seinen Hinterbliebenen einen Gefallen: Die müssen sich nämlich im emotionalen Ausnahmezustand nicht auch noch um die richtige Aufteilung des Nachlasses sorgen, sondern können stumpf die Liste abarbeiten.

Wer dagegen mit seiner Familie hadert oder altruistisch unterwegs ist, kann im Testament auch verfügen, dass das Geld an Stiftungen oder gemeinnützige Organisationen gespendet wird. So kann man vielleicht auf den letzten Metern noch ein paar notwendige Karma-Punkte sammeln.

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