Flanking

Meine Meinung: Hört auf, euch über nackte Knöchel zu beschweren!

Josephine Bewerunge

Kind, du erkältest dich doch: Wer im Winter mit nackten Knöcheln herumläuft, muss sich so einiges anhören. Flanking – so heißt der Look – polarisiert. Das muss aufhören, findet fudder-Autorin Josephine Bewerunge.

Weihnachten ist zwar vorbei, aber der Winter wird wohl noch für einige Zeit unter uns weilen. Und auch wenn Freiburg als sonnigste Stadt Deutschlands gilt, werden wir wohl oder übel noch mindestens zwei weitere Monate in der Kälte verharren müssen, bis der Frühling nicht nur die Herzen erwärmt, sondern auch luftigere Kleidung zulässt.


Mich nervt das. Ich habe keine Lust, zwei Monate lang die gleichen zwei Paar Schuhe zu tragen, nur weil sie warm sind. Ich habe keine Lust auf Wollsocken. Ehrlich gesagt ist es mir am liebsten, wenn man meine Socken gar nicht sehen kann. Deswegen gehöre ich zu jenen Gestalten, die zur Empörung vieler anderer auch im Winter stolz ihre Knöchel präsentieren.

Erstaunlich, wie viel Reaktionen ein bisschen nackte Haut hervorrufen kann

"Flanking" heißt das Phänomen, eine Mischung aus "flash" und "ankle", die auf das Hervorblitzen der Knöchel in Ermangelung angemessener Fußbekleidung anspielt. Es ist erstaunlich, wie viele Reaktionen zwei Zentimeter nackte Haut hervorrufen können. Neben den ungläubigen Blicken besorgter Passanten in Richtung Füße und vorsichtigen Fragen nach einer eventuellen Störung des eigenen Kälteempfindens gibt es zahlreiche Zeitungsartikel, die über jene "Modeopfer" spotten, die für einen eitlen Zweck ihre Gesundheit aufs Spiel setzen. Und in den Facebook-Kommentaren geben schließlich alle ihren Senf dazu, die vorher noch keine Gelegenheit dazu hatten.

Vielleicht hat das Ganze tatsächlich mit Eitelkeit zu tun, vielleicht auch mit individuellem Geschmack, wichtig ist eigentlich nur eines: Es ist meine eigene Entscheidung. Bisher habe ich im Knöchel-Diskurs mutige Gegenstimmen vermisst, und deswegen möchte ich eine Lanze brechen für all die Gleichgesinnten, die sich jeden Winter aufs Neue rechtfertigen müssen.

Meinen Füßen geht es gut

Überraschung: Ich friere nicht. Ich trage ja schließlich eine dicke Jacke und einen Schal. Und ich mag vielleicht eitel sein, aber auch immer noch schlau genug, um doch mal zu einem Paar wärmerer Schuhe zu greifen, wenn es an zwei Tagen im Jahr tatsächlich schneit. Bis dahin ist alles in Ordnung. Meinen Füßen geht es gut und mir auch, weil ich mir keine Gedanken um die Farbe meiner Socken machen muss. Oder um die Farbe der Socken anderer Leute. Denn die geht mich schließlich nichts an.