Bildung

Meine Meinung: Die Politik sollte Regeln für einen corona-konformen Schulalltag aufstellen

Nico Preikschat

Wenn Schüler keine Bildungsdefizite in Kauf nehmen wollen, sollte Präsenzunterricht wieder auf Dauer stattfinden können. Doch dafür muss die Politik Klarheit darüber schaffen, wie ein corona-konformer Alltag in der Schule aussehen kann.

In gut zwei Wochen enden die Sommerferien in Baden-Württemberg, und eines steht bereits fest: Das neue Schuljahr wird eine große Herausforderung. Wenn ich derzeit durch meine Social-Media-Feeds scrolle, stoße ich auf zahlreiche Urlaubsbilder meiner Mitschüler, die ihre Ferien in verschiedensten europäischen Ländern verbringen. Das ist legitim, auch ich gehe noch auf Reisen.


Zugleich bereitet es mir Bauchschmerzen zu wissen, dass wir bald alle wieder gemeinsam in unseren Kursen sitzen und jeder von uns unwissentlich, da asymptomatisch, infiziert sein könnte. Dennoch werde ich – wenn auch mit ungutem Gefühl – am Präsenzunterricht teilnehmen, selbst wenn damit ein erhöhtes Infektionsrisiko einhergeht, da sich das Homeschooling als langfristig nicht praktikabel erwiesen hat. Egal unter welchen Bedingungen der Unterricht nach den Ferien stattfinden wird, wir Schüler werden damit leben müssen, sofern wir keine weiteren Bildungsdefizite in Kauf nehmen wollen.

Ein sinnvolles Hygienekonzept könnte eine Schulschließung verhindern

Umso wichtiger ist es, dass die Politik effektive Maßnahmen ergreift, um das Infektionsrisiko in den Schulen möglichst gering zu halten. Denn: Nur wenn ein sinnvolles Hygienekonzept verhindert, dass eine Schule ihren gesamten Betrieb einstellen muss, sobald ein Schüler positiv getestet wird, kann der Präsenzunterricht auf Dauer ermöglicht und somit das Recht auf Bildung gewährleistet werden. In Bezug auf die vielen Reiserückkehrer wären beispielsweise stichprobenartige Tests in der Schülerschaft sinnvoll, auch eine Maskenpflicht im Unterricht ist denkbar – Hauptsache, alle bleiben gesund.

Bislang hört man von offizieller Seite leider wenig Konkretes. Zwar wurde die Devise "Zurück zum Regelbetrieb" von den Kultusministern schon vor den Ferien verkündet. Dass es sich dabei jedoch allenfalls um ein hehres Ziel handelt, zeigt sich schon an den vielen Schulschließungen, die andere Bundesländer bereits kurz nach Schulbeginn erlebten. Wie es gelingen soll, dieses Szenario hier zu vermeiden, ist weiterhin unklar; auch viele andere Fragen bleiben offen. Werden beispielsweise die Abstandsregeln bestehen bleiben? Und wie viele Lehrer werden aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu einer Risikogruppe dem Unterricht fern bleiben? Die Situation ist diffus.

Wie der Schulbetrieb nach den Ferien corona-konform vonstattengehen soll, darüber sollte möglichst bald Klarheit herrschen. Es bleibt zu hoffen, dass der Spagat zwischen Gesundheitsschutz und Bildung gelingt.