Meine Meinung: Das Ende des Freiburger Späti ist ein trauriges Zeichen

Anika Maldacker

Der "Bis Späti" in der Egonstraße schließt wohl Mitte 2021. Das ist schade, denn der Spätkauf mit Bar war ein spannender Versuch, eine kleine Nachtlebenszene im Stühlinger zu etablieren.

Seit das Späti-Kollektiv Ende Januar 2019 fudder von seinem Wunsch erzählte, in Freiburg einen Späti zu eröffnen, überschlugen sich die Ereignisse förmlich. Zwischen der Idee bis zur Eröffnung in der Egonstraße lagen nur fünf Monate. Noch schneller bahnte sich im Viertel eine erhitzt geführte Diskussion um den Späti und Lärm- und Verschmutzungsprobleme an. Und nach nur einem Jahr kündigt das Kollektiv nun seine Schließung an. Zwar erst im Mai 2021, doch die Nachricht ist für viele ein Rückschlag – und sie ist generell ein Rückschlag für Experimente im Nachtleben.


Der Späti in der Egonstraße 45 war nie ein Spätkauf, wie man ihn aus Berlin kennt. Er ist zwar eine Art Kiosk, das außerhalb der üblichen Zeiten geöffnet hat, aber gleichzeitig eine Bar, ein Treffpunkt für Menschen, die wenig haben, ein Treffpunkt zum Nähen, ein Ort, wo man Dinge verschenken und Dinge kostenlos mitnehmen darf. Kurzum: ein vielfältiger Ort, wo Menschen, so kitschig es klingen mag, etwas Gutes tun wollen und können.

Dass der Späti so gut bei Freiburgs Nachtschwärmern ankommt und die angrenzende Nachbarschaft zumindest im Sommer verändern würde, das war so nicht absehbar. Dass die Nachbarschaft gestört wird und Menschen um ihren Schlaf gebracht werden, ist nicht gut.

Dass jedoch die Späti-Schließung auch daran liegt, dass ein Eigentümer, einen Wertverlust geltend machen will, ist juristisch vielleicht möglich. Aber es ist auch schade, weil es zeigt, wem die Stadt gehört und um was es geht. Es geht in erster Linie nicht um eine lebendige Stadt, sondern um Profit. Es zeigt: Ein Ort zum Ausprobieren ist nur erwünscht, wenn er sich kleinlaut ins bestehende Gefüge anpasst. Nicht aufmuckt. Es zeigt auch: Man redet nicht miteinander, wenn es laut wird, sondern schlägt lieber gleich den juristischen Weg ein – und kehrt wieder alles ins Alte.

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