Meine Meinung: Auch Cis-Männer sollen am Weltfrauentag mitmachen dürfen

Annika Vogelbacher

Am Weltfrauentag machen sich Menschen weltweit stark für Frauen und Geschlechtergleichheit – und gegen Gewalt an Frauen. Schade, wenn Männer, die die Sache unterstützen wollen, von Aktionen ausgeschlossen werden, wie in Freiburg, findet unsere fudder-Autorin.

Am internationalen Frauentag am Sonntag haben in Freiburg viele Demonstrationen stattgefunden, bei denen ich gerne mitgemacht habe. Ich hatte einen sehr schönen und befreienden Tag – bis zu dem Zeitpunkt, als mein Freund bei einzelnen Aktionen ausgeschlossen wurde.


Aber von vorne: Mein Freund und ich wollten zusammen zu den Veranstaltungen am Weltfrauentag gehen. Ins Streikcafé im Strandcafé konnten wir nicht. Dort waren nur Frauen* und Queers willkommen. Dafür war aber das Jos Fritz für alle offen. Ich kann nachvollziehen, dass sich Männer am Weltfrauentag etwas zurückhalten sollten und dass es gut ist, wenn es Safer Spaces für Frauen* gibt.

Aber wir beide wollten unabhängig von unserem Geschlecht für die Gleichberechtigung und gegen geschlechterabhängige Ungerechtigkeiten einstehen und dafür auf die Straße gehen. Also hatten wir vor, zu den Veranstaltungen zu gehen, die auf dem Veranstaltungsplan nicht mit "Frauen* und Queers only" betitelt waren.

Zuerst gingen wir zum Sitzstreik im Bermudadreieck, der auf die unbezahlte, von Frauen geleistete und oft nicht anerkannte Pflegearbeit aufmerksam macht. Danach machten wir uns auf den Weg zum Augustinerplatz, um uns Vorträge über Femizide anzuhören und der Opfer zu gedenken. Bevor die Vorträge anfingen, sagte die Moderatorin, dass sich Cis-Männer an den Rand der Gruppe begeben und sich während der Diskussionen zurückzuhalten sollen. Daraufhin hat mein Freund die Gruppe verlassen, weil er sich nicht willkommen und als Cis-Mann abgestempelt gefühlt hat. Und auch ich habe mich nicht mehr wohl in dieser Gruppe gefühlt.

Mit Ausschließen machen wir uns keine Verbündeten

Sind wir noch immer so rückschrittlich, dass das Geschlecht und unsere sexuelle Präferenz darüber entscheiden, ob wir in einer Gruppe partizipieren dürfen? Oder haben wir nicht spätestens mit Judith Butler gelernt, dass Geschlechter konstruiert sind und solche Aussagen und damit Unterstellungen, dass ein Cis-Mann kategorisch einer solchen Diskussion schaden könnte, Bullshit sind? Und davon abgesehen: Verbündete machen wir Frauen* uns nicht, wenn wir einen Teil der Menschen, die für unsere Aktionen ist, an den Rand drängen.

Auch bei der Performance "Ein Vergewaltiger auf deinem Weg" beim Hauptbahnhof wurden Cis-Männer gebeten, sich an den Rand der Gruppe zu begeben und nicht an der Performance teilzunehmen. Stattdessen könnten sie uns laut der Moderatorin schützen, sodass keine der Demonstrantinnen auf die Gleise falle. Was für ein veraltetes Rollenbild steckt bitte hinter dieser Aussage? Danke, ich kann ganz gut auf mich selber aufpassen. Dafür brauche ich keine Cis-Männer, die schützend hinter mir stehen. Viel lieber hätte ich sie, wie alle anderen auch, in unserer Mitte, um mit uns gegen die Ungerechtigkeiten in der Welt zu kämpfen. Bei der Demo am Stühlinger Kirchplatz waren dann endlich alle Menschen willkommen und ich konnte eine Minute meine Wut über Sexismus – egal gegen welches Geschlecht – in die Welt schreien.