fudder-Experiment

Mein perfekter Tag in Freiburg (Teil 2)

Nora Ederer

Einen Tag die Seele baumeln lassen und den Sommer genießen. Für unsere neue Serie beschreibt fudder-Autorin Nora Ederer ihren perfekten Tag in Freiburg – und zeigt, dass man dafür eigentlich nur eine Sache braucht.

Im frühen Vogel steckt der Wurm. Deshalb klingelt bei mir an diesem Tag kein Wecker; heute bin ich die Letzte. Während die Freundin, bei der ich übernachtet habe, schon E-Mails checkt, Nachrichten liest und mit ihrem Chef telefoniert, drehe ich mich noch einmal um und lasse mir die Julisonne auf den Rücken scheinen. Als mich meine Blase irgendwann doch aus dem Bett treibt, machen wir Kaffee und essen süße Teilchen vom Vortag. Ich lege die Beine hoch, schmökere in einem Buch und starre ein paar Löcher in die Luft. Dann springe ich unter die Dusche.

fudder-Serie – Der perfekte Tag

Der Hintergedanke vom perfekten Tag ist, dass man sich ganz bewusst dafür Zeit nimmt, "die kleinen Dinge" zu genießen und Spaß zu haben. Grundvoraussetzung ist das Treibenlassen, man darf nicht zu viel planen und sollte so spontan wie möglich sein. Am Ende des perfekten perfekten Tags ist man erholt wie nach einem Ferientag – Sorgen und Stress sind in den Hintergrund getreten. Wie ein perfekter Tag in Freiburg aussehen kann, wird die fudder-Redaktion den Sommer über herausfinden – mit hoffentlich vielen nützlichen Tipps für Leserinnen und Leser.

Teil 1: Mein perfekter Tag in Freiburg

Schrebergarten-Romantik

Anschließend will ich raus aus der stickigen Wohnung. Ich spaziere durch die Wiehre, am Alten Wiehrebahnhof vorbei und Richtung Günterstal. Es ist nicht viel los. Rentner*innen sitzen auf Bänken, zwei Menschen spielen Tischtennis neben dem Kommunalen Kino, Studierende liegen im Gras und lesen. Hunde führen ihre Besitzer*innen Gassi, eifrige Jogger*innen hecheln an mir vorbei. Ich laufe derweil kreuz und quer über die Straßen, immer auf der Suche nach der schattigeren Seite. Die Sonne brennt auf den Asphalt, aber bis zur Wonnhalde ist es nicht mehr weit.

Im Schrebergarten-Revier angekommen spenden hohe Bäume angenehmen Schatten. Ich luge über Zäune und hinter Schuppen – und bin versucht mir ein paar bunte Blumen aus den fremden Gärten zu pflücken. Das lasse ich dann aber doch lieber als eine Kindergartengruppe an mir vorbeiwatschelt. Bienen summen, der Bohrerbach plätschert – so hört sich Sommer an.

Stippvisiten

Später klingele ich spontan bei meiner alten WG. Zwei meiner ehemaligen Mitbewohner*innen sind da und haben gerade gekocht. Sie laden mich zum Mittagessen ein und erzählen mir bei asiatischer Nudelpfanne, französischem Käse und deutschem Brot was sich im Haus seit meinem Umzug verändert hat.

Mit vollgeschlagenem Magen treffe ich schließlich einen Freund im Café Pow. Kaffee hilft ja bekanntlich bei der Verdauung – und gute Gespräche sicherlich auch. Der Innenhof ist voll junger Menschen. Sie trinken Kaffee mit Eiswürfeln und hausgemachte Limos, tragen Birkenstocks, bunte Hemden und Nasenpiercings. Es gibt wohl kaum einen Ort, an dem man besser in das junge und studentische Freiburg eintauchen kann wie im Café Pow.

Am späten Nachmittag verabrede ich mich noch mit einer Freundin. Wir holen uns Eis bei Mariotti an der Kronenbrücke und schlendern mit den Waffeln in der Hand die Dreisam entlang. Und weil uns Joghurt- und Pistazieneis noch nicht genug erfrischen, setzten wir uns schließlich noch im Bikini in den kalten Fluss. Die Sonne glitzert auf dem Wasser, kleine Fische knabbern an unseren Zehen, am Ufer spielt eine Frau Gitarre – mein Bedürfnis nach Freiburger Bullerbü ist für heute gedeckt.

Sonnenuntergang im Freiluft Kino

Abends schaue ich mir mit Freund*innen "Weit" im Mensagarten an. Das Kommunale Kino präsentiert dort nämlich noch bis zum 13. September 2020 die Veranstaltungsreihe "Ins Weite. Reisen in Film, Musik, Literatur". Ich habe den an diesem Tag gezeigten Film von Gwen Weisser und Patrick Allgaier zwar schon mehrmals gesehen, aber er fasziniert mich noch immer. Wie vielfältig die Welt doch ist – und wie ähnlich sich die Menschen rund um den Globus trotzdem sind. Gutes Essen, Musik und Humor scheinen einfach überall zu funktionieren, auch wenn viele Lebensrealitäten ganz unterschiedlich sind.

Weisser und Allgaier sind an diesem Abend sogar selbst im Mensagarten. Die beiden erzählen wie ihr Filmprojekt "Weit" zustande kam und woran sie gerade arbeiten. Währenddessen liegen meine Freund*innen und ich auf Decken; die große Leinwand flimmert mit der untergehenden Sonne um die Wette. Über uns leuchten die bunten Lichterketten des Mensagartens und ein paar Glühwürmchen.

Mit dem Ende des Films ist auch mein perfekter Freiburger Sommertag fast vorbei. Doch bevor ich ins Bett gehe, spaziere ich noch mit einer Freundin durch die nächtliche Stadt – unser Einschlafritual. Die Straßen sind leer, es ist ruhig und der Asphalt unter unseren Füßen noch ganz warm vom Tag. Es gibt keinen Ort auf der Welt, an dem ich jetzt lieber wäre als hier in Freiburg, denke ich mir. Und, dass es eigentlich egal war, dass ich meinen Kaffee ausgerechnet im Café Pow getrunken und Pistazieneis von Mariotti gegessen habe. Dass ich zur Abkühlung nur kurz in die Dreisam gesprungen bin, anstatt an einen richtigen Badesee zu fahren und dass ich mir "Weit" jetzt schon zum bestimmt fünften Mal angeschaut habe. Denn es waren hauptsächlich die Menschen, die ich heute getroffen habe, die diesen Tag so schön gemacht haben. Wenn sie dabei sind, ist alles andere fast egal.
Wie sieht für euch der perfekte Tag in Freiburg aus? Schreibt in die Kommentare, was unbedingt dazu gehört!

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