fudder-Experiment

Mein perfekter Tag in Freiburg (Teil 1)

Maya Schulz

Der perfekte Tag ist ein Tag, an dem man keine Pläne macht, sondern spontan entscheidet, worauf man Lust hat. fudder-Autorin Maya Schulz hat die Idee von Hamburg nach Freiburg gebracht – und eine fudder-Serie gestartet.

Wenn einem mal wieder die Straßenbahn vor der Nase wegfährt, alle Frelos verliehen sind, Feierling schon zu hat und mal wieder alles zu viel ist, dann ist der richtige Moment für einen "perfekten Tag" gekommen. In Hamburg entwickelte und perfektionierte Maya Schulz dieses hochkomplexe Prinzip gemeinsam mit einer Freundin. Maya sagt: "Der perfekte Tag ist ein Tag, an dem man sich bewusst entscheidet, alle Pflichten ruhen zu lassen und nur zu tun, worauf man besonders Lust hat oder was man sich schon sehr lange vorgenommen hat."


Klingt logisch! Deshalb hat sich die fudder-Redaktion überlegt, daraus eine kleine Sommerserie zu starten. Regelmäßig wird es auf fudder nun Beispiele eines "Perfekten Tages" in Freiburg zu lesen geben. Wo treibt es die unterschiedlichen Redakteurinnen und Redakteure hin? Wo trinken sie ihren Kaffee und wo sitzen sie am liebsten in der Sonne?
fudder-Serie – Der perfekte Tag

Der Hintergedanke vom perfekten Tag ist, dass man sich ganz bewusst dafür Zeit nimmt, "die kleinen Dinge" zu genießen und Spaß zu haben. Grundvoraussetzung ist das Treibenlassen, man darf nicht zu viel planen und sollte so spontan wie möglich sein. Am Ende des perfekten perfekten Tags ist man erholt wie nach einem Ferientag – Sorgen und Stress sind in den Hintergrund getreten. Wie ein perfekter Tag in Freiburg aussehen kann, wird die fudder-Redaktion den Sommer über herausfinden – mit hoffentlich vielen nützlichen Tipps für Leserinnen und Leser.


Ab ins kalte Wasser

Nach dem schwedischen Lagom-Prinzip soll es gesund sein, zumindest einmal am Tag in kaltes Wasser abzutauchen, um die Lebensgeister zu wecken. Meine Lebensgeister fühlen sich schon äußerst wach an, als ich morgens am Ufer des Dietenbachsees sitze und die Morgensonne auf der Seeoberfläche glitzert. Weil ich nun schon einmal hier bin, überwinde ich mich und springe hinein.

Ein guter Start! Je früher man sich zu diesem Sprung ins kalte Wasser überwinden kann, desto besser, denn wenn es noch ganz früh ist, liegt ein ganz mystischer Nebel über dem Wasser. Mit erwachten Lebensgeistern begebe ich mich nun in das Café Sams auf dem Münsterplatz, wo man wunderbar draußen in der warmen Sonne sitzen und hervorragendes Frühstück genießen kann. Feriengefühl stellt sich ein.

Second-Hand-Shopping und Joy-Spotting

Mein nächster spontaner Stopp ist der Secondhandladen "Umkleide" in der Merianstraße, wo ich mich zum Kauf einer neuen alten Jacke entscheide. Ich beginne, das Gefühl zu genießen, nichts vor zu haben und heute nirgends "hin zu müssen". Beflügelt verlasse ich die Umkleide, die im Januar 2020 neu eröffnet hat. Nun probiere ich etwas aus, das ich mir schon sehr lange vorgenommen habe: ein Spaziergang durch die Freiburger Innenstadt nach dem Prinzip des "Joy-Spotting".

Der Begriff stammt von der Autorin Ingrid Fetell Lee und meint das ganz bewusste Achten auf kleine, erfreuliche Dinge des Alltags. Eine Blume am Straßenrand, der Moment des gegenseitigen Zulächelns beim Türaufhalten oder der Duft von Stefans Käsekuchen. Joy spottend bewege ich mich durch das Stadtzentrum und finde Walter Moers "Die 13 ½ Leben des Käpt’n Blaubär" in einer Zu-Verschenken-Kiste. Mitgenommen! Die nächste Bahn, die kommt, geht nach Vauban. Ich steige ein - warum auch nicht?
Wie sieht für euch der perfekte Tag in Freiburg aus? Schreibt in die Kommentare, was unbedingt dazu gehört!

Postkarten schreiben und die Sonne genießen

Bei einer fantastischen Eisschokolade in der Vaubaner Limette verbringe ich die Mittagszeit und den frühen Nachmittag, postkartenschreibend und sonnegenießend. Käpt’n Blaubär sorgt für Ablenkung, wenn zwischendurch doch wieder Uni-Sorgen aufkommen. Am Nachmittag fragen mich spontan Freunde, ob ich nicht Lust hätte, im Stadtgarten zu kniffeln. Keine knifflige Frage – ich halte das für eine hervorragende Idee und mache mich auf den Weg. An Sommerabenden fühlt sich der Stadtgarten wirklich wie ein richtiger Garten an, den viele Leute miteinander teilen. Je später es wird, desto lauter wird das Froschkonzert am kleinen Teich.

Einen glühenden Abschluss bekommt der perfekte Tag in Freiburg bei Sonnenuntergang und Bier auf dem Schlossberg und anschließender Glühwürmchen-Begegnung. Für mich als ursprüngliche Hamburgerin etwas ganz Besonderes – die guten Würmchen gibt es dort nämlich nicht!

Fazit: Im Fokus des perfekten Tags steht das spontane Entscheiden. Heute habe ich wieder einmal gemerkt, wie gut das tut und wie oft ich den Fehler mache, zu viele Verabredungen zu treffen, sodass sich oft eigentlich schöne Unternehmungen im Vorfeld wie Termine anfühlen. Ein perfekter Tag muss etwas Besonderes bleiben, auch wenn nichts Großartiges geschehen muss. Und selbst für nur eine kurze Runde Joy-Spotting ist Freiburg bestens geeignet!

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