Interview

Medienpädagogin über Cybergrooming: "Niemals private Details oder Bilder verschicken"

Fabian Klask

Wie können sich Kinder und Eltern vor Missbrauchstätern im Netz schützen? Nadine Eikenbusch von der Landesanstalt für Medien NRW hat Tipps und rät zu Offenheit und vertrauensvoller Kommunikation.

Nadine Eikenbusch (30) ist Teamleiterin Prävention bei der Landesanstalt für Medien NRW.

BZ: Frau Eikenbusch, was raten Sie Kindern und Jugendlichen, um sich vor Cybergrooming zu schützen?
Eikenbusch: Ein erstes Alarmsignal ist zum Beispiel, wenn jemand aus einem öffentlichen Chat etwa von einem Spiel in einen privaten Chatbereich wechseln möchte – zu Whatsapp etwa. Täter versuchen, möglichst viel über die Person herauszufinden, wollen schnell ein Vertrauensverhältnis aufbauen, fragen nach persönlichen Sorgen. Sie erkundigen sich nach dem Wohnort, auf welche Schule man geht. Sie wollen, dass sich jemand verstanden und geborgen fühlt. Das Wichtigste ist: Auf keinen Fall private Details oder Bilder verschicken.

BZ: Sind einige Kinder stärker gefährdet?
Eikenbusch: Wem es schwer fällt, im realen Leben Kontakte aufzubauen, der ist sicher etwas empfänglicher, wenn jemand plötzlich viele Komplimente macht. Täter gehen da sehr subtil vor, bauen über Wochen oder Monate Vertrauen auf. Vielleicht entsteht bei den Jugendlichen das Gefühl von Freundschaft, Liebe. Und nach mehreren Monaten wird man plötzlich gefragt, ob man sich im realen Leben treffen kann. Andere Täter hingegen sind sehr direkt und fragen das Kind schnell nach einem persönlichen Treffen. Natürlich muss so etwas nicht immer Cybergrooming sein und auch online können Freunde gefunden werden. Wichtig ist, dass man sich jemandem anvertraut und darüber spricht.

BZ: Worauf sollten Eltern achten?
Eikenbusch: Die Herausforderung ist, dass das Thema für viele Kinder und Jugendliche schambehaftet ist. Wenn man Nacktbilder bekommt oder schon selbst welche verschickt hat, fällt es einigen schwer, mit den Eltern zu sprechen. Deshalb ist die Vertrauensbasis besonders wichtig. Eltern sollten Kindern sehr früh das Gefühl vermitteln: Du kannst Dich mit allem, was Dir im Internet komisch vorkommt, an mich wenden. Häufig haben Kinder und Jugendliche Angst, dass ihnen von den Eltern das Handy weggenommen wird oder sie Internetverbot bekommen. Das ist fatal.

BZ: Wie spreche ich Gefahren an?
Eikenbusch: Am besten von Anfang an: Etwa, wenn das Kind ein eigenes Smartphone bekommt – also aus unserer Sicht frühestens mit dem Übergang zur weiterführenden Schule. Dann sollte man direkt gemeinsame Regeln aufstellen: Dass es seine Accounts auf privat stellt, also nicht jeder mitlesen darf. Dass es keine Bilder oder anderes an fremde Personen verschickt. Dazu können Eltern zum Beispiel symbolisch einen Mediennutzungsvertrag mit dem Kind aufsetzen.

BZ: Jugendliche sind für Tipps und Ratschläge aber schwieriger zu erreichen.
Eikenbusch: Das stimmt. Eltern sollten sich immer bemühen, die Kinder auch als Experten zu sehen, sich von ihnen vieles erklären lassen: Wie funktionieren denn TikTok und Co.? So entsteht Augenhöhe. Und im Gespräch lassen sich dann auch kritische Punkte unterbringen.

BZ: Sollten Eltern versuchen, die Online-Aktivitäten der Kinder mitzulesen?
Eikenbusch: Wenn, dann nur zusammen mit den Kindern. Sonst zerstört man das Vertrauensverhältnis, das man braucht. Das ist so, als würden Eltern heimlich im Tagebuch lesen.
Infos für Kinder, Jugendliche und Eltern gibt es unter anderem auf klicksafe.deund handysektor.de