Maximo Park: Im Indie-Ballermann

David Weigend & Carolin Buchheim

Gerade mal 950 Zuschauer sind gestern Abend ins Zirkuszelt gekommen, um sich den Auftritt von Maximo Park und der Vorgruppe We have Band anzusehen. Ob Maximo-Sänger Paul Smith (Foto) und seine Kollegen das Publikum mitreißen konnten, haben wir uns angeschaut (mit Foto-Galerie).



„Indieballermänner dürfen sich über Maximo Park freuen“, hat fudder-User günther_hetzer geschrieben, nachdem Alex Heisler das ZMF-Programm 2010 bekanntgegeben hatte.  Der Newcastle-Hype vom Frühjahr 2005, inzwischen also massentauglicher Mainstream?

Ein Blick ins mit 950 Besuchern nur spärlich gefüllte Zirkuszelt auf die vermeintlichen Indieballermänner: Musikexpress-Abonnenten, Studentinnen, die mal in England Au-Pair gemacht haben und fast alles cool finden, was von dort kommt; Schüler und Fortysomethings, Rotlaubkicker und Intro-Klicker, alle sind sie da, wenn man so will, ein heterogenes Publikum. Am Hügel eine Menge junger Menschen, die sich auf der Picknickdecke mit Wasserpfeife das Konzert gratis durch die Zeltwand anhören.

Um 21.20 Uhr kommt das Quintett unter der dämlichen Klangkulisse „Fliegeralarm und Bombenhagel“ auf die Bühne und eröffnet das Konzert mit „Signal and Sign“ vom Debüt „A Certain Trigger“.

Was hat sich verändert seit 2005? Sänger Paul Smith gefällt sich immer noch in der Dandypose. Den Krawattenknoten sauber gebunden, die zackigen Marschierbewegungen gut einstudiert. Smith beherrscht das Spiel mit den Identitäten, er hat das Wesen von Pop begriffen. Der Unterschied zu 2005: damals war die Band noch nervös wie ein Abiturient vor Mathe mündlich, was ja auch was Charmantes hat; Smith zeigte sich eine Spur zu überdreht und manieristisch, etwa, als er ganze Songtexte mit rollenden Augen aus einer leninroten Fibel rezitierte; Maximo Park mussten in kleinen Clubs den Beweis antreten, dass sie Potenzial haben und mehr sind als bloß der neue NME-Hype.

Mittlerweile hat die Band drei Alben herausgebracht, wobei insgesamt die Qualitätskurve nicht gerade nach oben ging; jedoch haben die Musiker ihren Platz in den Indie-Charts und auf der Bühne gefunden: Neben Maximum-Schlaks und Poser-Ass Smith Keyboarder Lukas Wooller im Mad Max-Blazer und mit Handkantenschlag-Pantomimik; Gitarrist Duncan Lloyd, im Herzen ein Hardrocker, der die Riffs und Licks akkurat mit seiner Angus Young Gibson SG raushaut („Girls who play Guitars“); Schlagzeuger Tom English, der auch bei Franz Ferdinand trommeln oder im Club der toten Dichter mitspielen könnte; und Bassist Archis Tiku, der sich den ganzen Gig über wie ein Grottenolm in seiner Ecke verkriecht.

Am besten kommen immer noch die Hits vom Debüt an: „Limassol“, „Going Missing“, „Apply some Pressure“ und „Graffiti“. Zu „I want you to stay“ legt Smith das Jackett ab, von da an ist Casual Style angesagt. Dass Maximo Park auch eine Mädchenband ist, verdeutlicht „Books from Boxes“ vom zweiten Album: Es ist genau dieser tanzbare Indiepop mit dem zärtlich-melancholischen Grundton, der den Frauen im Auditorium ein Lächeln ins Gesicht zieht und sie in einer Mischung aus Verträumtheit und Partywille in die vorderen Reihen treibt. Dort fängt sie Sänger Smith auf: „Die Führungsposition in einer Band muss glaubhaft besetzt sein“, sagte Smith einmal in einem Spex-Interview. „Auf Konzerten gebe ich mich charakteristisch, markant, unverwechselbar. Das liegt in der Natur der Sache.“

Der letzte Satz gilt wohl auch für ZMF-Godfather Alex Heisler, der die Zugabe wie ein Fan mit seiner Handkamera filmt und nicht müde wird, dem Bandleader Smith den ausgestreckten Daumen zu zeigen. Die Maximos haben es mit gelockertem Krawattenknoten und nach 70 Minuten geschafft, dass die Leute Pogo tanzen und Bierbecher in die Luft schmeißen.

„Our Velocity“ knallt rein wie eine intelligent gepanschte Partypille und bildet den Abschluss des Konzerts. Wenn das Indie-Ballermann war, dann mit Sicherheit nicht der schlechteste.

Mehr dazu:

  • Web: ZMF
 

Foto-Galerie: Caro


Tipp:
Wartet einen Augenblick, bis die Galerie komplett geladen ist. Ihr könnt euch dann ganz bequem jeweils das nächste Foto anzeigen lassen, indem ihr auf eurer Tastatur die Taste "N" (für "next") drückt.