"Magic: The Gathering" in Freiburg: Magieduelle im Matheübungsraum

Peter Terhorst & Mathias Jacoby

"Magic: The Gathering" ist das vermutlich erfolgreichste Sammelkartenspiel der Welt. Mehr als zwölf Millionen Fans weltweit spielen das anspruchsvolle Spiel, das seit mehr als 20 Jahren auf dem Markt ist. In Freiburg treffen sich jede Woche M:TG-Fans im Matheinstitut der Universität und spielen offizielle Turniere.



Wer die Magicspieler Freiburgs sucht, findet sie dienstagsabends, ganz hinten in den Übungsräumen des Matheinstitutes.

Die letzten Mathematik-Studenten packen gerade ihre Laptops und Notizen zusammen und suchen das Weite während ein paar Spieler bereits eintrudeln und anfangen sich mit ihren eigens zusammengestellten Decks zu duellieren. Allmählich treffen immer mehr Kartenspieler ein und bilden Gruppen. Der Geräuschpegel steigt rapide an, als rege Gespräche beginnen, sowohl über das Kartenspiel, als auch über Privates, die Spieler kennen sich. Jan Philip Sommerlade, 26, VWL-Student (Bild unten), ist Organisator der meisten offiziellen Magic-Turniere in Freiburg. "Heute ist echt wenig los. Wir haben heute nur neun Spieler, normalerweise sind's mindestens zwölf bis 20."'

Einmal in der Woche trifft sich in den Übungsräumen des Matheinstitutes die Freiburger Magic-Community zum Kartenspielen. "Magic: The Gathering" ist ein Sammelkartenspiel bei dem zwei oder mehr Spieler mit ihren eigenen Decks gegeneinander spielen. Jeder Spieler startet mit 20 Lebenspunkten und versucht die des Gegners auf Null zu reduzieren. Dies gelingt ihm mithilfe von Zaubern und Kreaturen die ihm in Kartenform zur Verfügung stehen.

Jan Philip erzählt, dass er mit seinem Hobby bereits vor 13 Jahren in der Schule auf dem Pausenhof angefangen hat. "Man kann das jetzt nicht wirklich 'Magic spielen' nennen, was wir damals gespielt haben hat nicht viel damit zu tun was wir heute spielen", meint er. Man kannte die Regeln nicht wirklich genau, sondern man hat einfach so "drauflosgespielt", wie er es nennt. Das hat sich freilich geändert, Magic hat eine sehr kompetitive Szene: "Man kann sich dann auch schon mal richtig ärgern wenn man einen Fehler macht und dadurch verliert." Er vergleicht Magic mit Schach, wenn es zu Komplexität und Tiefe der Strategien kommt.

Pünktlich 18.30 Uhr geht es dann los. Die Mitspieler haben die Tische zusammengeschoben und sitzen nun im Kreis. Das Turnierformat ist Boosterdraft: Für eine Startgebühr von 10 Euro erhält jeder Spieler drei Kartenpackungen, auch Boosterpackung genannt, mit jeweils 15 zufälligen Karten. Jeder nimmt sich eine Karte aus seinem ersten Booster, gibt sie dem nächsten Spieler und nimmt sich eine neue Karte aus der Packung die er von der anderen Seite bekommt.

Während somit die Decks entstehen, mit denen später gespielt wird, sorgt die Tatsache dass die Spieler zu neunt am Tisch sitzt für eine neue Geräuschkulisse: Offiziell dürfen sie natürlich nicht sagen, welche Karten sie genommen haben oder welche sie an den jeweils nächsten Spieler weitergeben. Das hindert natürlich niemanden daran einfach draufloszureden, Tipps zu geben, Fragen zu stellen oder die anderen Spieler mit geschickten Kommentaren in die Irre zu leiten. Spieler bejubeln, dass sie eine gute Karte bekommen haben oder beklagen lauthals wieviel Pech sie doch haben. Es wird gescherzt und provoziert. Im Hintergrund knackt und raschelt es, wenn die Spieler die Plastikverpackungen und Karten auspacken, weitergeben, mischen oder fallen lassen.

Allmählich setzt bei den Turnierteilnehmern eine gewisse Anspannung ein. Alle Spieler haben den Startpreis gezahlt, es geht neben dem Spaß auch um bares Geld. Beim Aufreißen der Boosterpackung hoffen die Spieler auf wertvolle Karten. Allein in der aktuellen Magic-Edition "Khans of Tarkir" haben die Spieler die Chance, Karten zu ziehen die bis zu 13 Euro wert sind. Es erscheinen jährlich etwa drei neue Editionen mit jeweils zwischen 150 und 250 neuen Karten.

Außerdem gibt es bei einem Turnier natürlich auch einen Gewinner -  dieser erhält hier einen Boosterpreis, der den Startpreis von 10 Euro im Regelfall wieder ausgleicht und meist sogar übersteigt. Plötzlich jubelt einer der Teilnehmer - er hat eine wertvolle Karte "in foil" aufgemacht, deren Wert sich auf etwa 50 Euro beläuft. Karten "in foil" glitzern oder reflektieren, wodurch sich der Sammlerwert in manchen Fällen verdoppelt oder gar verdreifacht.



Nach dem Draft verteilen sich die Spieler im Raum und bauen schnell ihre Decks zusammen. Das geht verhältnismäßig schnell, da die meiste Planung schon während des Draftes selbst erfolgt ist. Jan Philip spielt selber mit. Er sorgt unter anderem dafür, dass das Turnier regelkonform abläuft und die Zeit eingehalten wird. Insgesamt gibt es vier Runden, jede Runde dauert 50 Minuten, und derjenige mit den meisten Punkten am Ende gewinnt.

Es gibt viele Aspekte, die für Jan Philip den Reiz des Spieles ausmachen: "Magic: The Gathering" hat ein eigenes, ausgefleischtes Universum - es gibt sogar Romane dazu. Abgesehen davon mag er die Community, durch die er viele neue Bekanntschaften geschlossen hat.  Vor allem bleibt das Spiel immer aufregend:  Jede Woche öffnet er neue Booster , gerade beim Draft spielt man immer andere Decks und kommt immer wieder in neue Situationen, "keine Woche ist wie die andere."

Das Spiel, meint Jan, werde einfach nicht alt. "Es ist ein unglaublich tiefes Spiel, was jährlich durch die neu erscheinenden Karten sich wieder selbst erfindet und immer wieder etwas neues bringt."  Zudem kann er selbst entscheiden auf welchem Niveau er spielen möchte: Er kann an Turnieren teilnehmen oder er kann mit seiner Sammlung und den eigenen Decks in der Freizeit gegen Freunde spielen.



Jan Philip selbst hat in den letzten Jahren auch an einigen größeren Turnieren teilgenommen. Gewonnen hat er außer dem ein oder anderen Geldpreis leider noch nichts, jedoch verweist er auf andere Leute im Raum die in den offiziellen Grand Prix und ProTours schon weiter gekommen sind als er. Bei diesen großen Magic-Turnieren beläuft sich das Preisgeld immer auf mehrere tausend Euro.

Die Turniere stehen neuen Spielern und Anfängern offen. "Man braucht außer den 10 Euro Startgebühr tatsächlich nichts Weiteres um direkt loslegen zu können", sagt Jan Philip. Mit der Startgebühr werden die Karten mit denen gespielt wird gekauft, diese dürfen im Nachhinein natürlich behalten werden. "Man kann natürlich auch einfach so vorbeischauen um sich das Ganze mal anzusehen. Es sind auch meist ein bis zwei Leute da, die ohnehin nicht mitmachen oder ausgeschieden sind und einfach so spielen wollen. Jeder ist herzlich willkommen."



Magic-Turniere in Freiburg

Die Magic-Community trifft sich jeden Dienstag um 18 Uhr im Matheinstitut in der Eckerstraße 1; Erdgeschoß, letzter Raum auf der linken Seite, zum Boosterdraft der aktuellen Edition. Anfänger sind herzlich willkommen. Die Turniere beginnen um 18.30 Uhr

Die Autoren

Peter Terhorst (24) und Mathias Jacoby (22) studieren Englisch an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Am Zentrum für Schlüsselqualifikationen (ZfS) haben sie im Wintersemester an einem Berufsfeldorientierte Kompetenzen (BOK)-Kurs zum Thema "Online-Journalismus" teilgenommen, den die Redakteurinnen Alexandra Röderer und Carolin Buchheim angeboten haben. Im Rahmen dieses Kurses haben sie diese Reportage konzipiert, recherchiert und geschrieben.

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